Q&A zu Kulturkampf (3/4): Was Cancel Culture mit der Französischen Revolution zu tun hat
Shownotes
Die Experten Susanne Schröter und Leonhard Horowski diskutieren mit den Hosts die Fragen der Hörer in "Der Geschichtspodcast" von Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Konrad-Adenauer-Stiftung.
Wie reagiert man als Gesellschaft darauf, wenn Meinungen unterdrückt, also gecancelt werden? Wozu führt es, wenn man rechte Politiker isoliert? Und wäre Thomas Jefferson der bessere Ratgeber für die Französische Revolution gewesen als Rousseau? Solche und weitere Fragen haben uns Hörer zu unserer letzten Folge gemailt. Es war die dritte Folge in unserer vierteiligen Reihe zu Kulturkampfthemen.
Gäste Susanne Schröter, Ethnologin und ehemalige Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam an der Goethe-Universität Leonhard Horowski, Historiker und Experte für das 18. Jahrhundert
Hosts Angelika Fey (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Stefan Stahlberg (Konrad-Adenauer-Stiftung)
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00:00:00:
00:00:05: Wie reagiert man als Gesellschaft darauf, wenn Meinung unterdrückt – also gecancelt werden?
00:00:10: Wozu führt es, wenn man rechte Politiker isoliert?
00:00:13: und wäre Thomas Jefferson der bessere Ratgeber für die französische Revolution gewesen als Russo?
00:00:19: Solche Fragen und noch mehr haben uns Hörer gemählt.
00:00:22: zu unserer letzten Folge.
00:00:23: Die da heißt «Was cancel culture mit der französischen Revolution zu tun hat».
00:00:28: Damit herzlich willkommen zur Q&A-Folge von der Geschichtspodcast von Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Konrad Adenauer Stiftung.
00:00:35: Mein Name ist Stefan Stahlberg, ich bin Referent für Zeitgeschichte bei der Adenauerstiftung
00:00:40: Und mein Name ist Angelika Fei.
00:00:42: Ich bin Redakteurin im Audiotheam der FAZ.
00:00:45: Die Ethnologinnen Susanne Schröter und der Historiker Leonator Rofsky sind auch wieder dabei.
00:00:50: Sie waren ja die Gäste in unserer Folge zu Cancelculture und der französischen Revolution.
00:00:55: Beide haben uns in der letzten Folgejahr dabei geholfen, diese Linie vom aufklarerischen Erziehungsanspruch bis zur Gegenwart der Cancel Culture sichtbar zu machen.
00:01:04: Wer die Folge noch nicht gehört hat – unseren Podcast und alle bisherigen Folgen gibt es auch bei Apple-Podcasts, Spotify oder YouTube!
00:01:20: Und
00:01:21: die Menschen hören uns genau zu.
00:01:23: Ja, ein Hörer hat mich darauf aufmerksam gemacht dass man bei mir eine kleine dialektische Färbung heraus hört.
00:01:29: ich sage nämlich manchmal eben statt.
00:01:31: eben.
00:01:32: Das ist mir auch aufgefallen.
00:01:33: was ist denn das?
00:01:34: Ist es Ost-Berlin?
00:01:35: Nein nein!
00:01:35: Ich bin Brandenburger und familiär im Nordostdeutschen verwurzelt.
00:01:39: da sagt man das so.
00:01:40: und so wichtig das Hochdeutsche hier jetzt im Podcast für uns ist manchmal lässt sich eben nicht vermeiden.
00:01:47: Also, mich stört's gar nicht.
00:01:49: Ich erinnere mich noch als ich mit dem Radio angefangen hab.
00:01:51: Da musste ich mir erst mal den König abtrainieren, ja?
00:01:54: Denn offiziell ist es der König aber wir machen hier Podcast und kein Radio.
00:01:59: Na so gesehen ist alles eine Frage der Gewöhnung!
00:02:01: Meine Frau kommt aus Franken und mit Scheufel, Gnetzler oder Bozzamogalie muss dich auch erstmal klarkommen.
00:02:07: Was is ein Bozza-Bozzamoggoli?
00:02:10: Genau, ein Bozzammoggoli das iss einen Tannenzapfen.
00:02:13: also fränkisch werde ich jetzt hier nicht sprechen im Podcast Aber dieses Projekt ist ja auch eine Kooperation von Adenauer Stiftung und FAZ.
00:02:20: Und damit auch von Berlin und Frankfurt am Main, was man ab und zu eben auch mal raushören wird.
00:02:27: Was ich interessant fand war auch wozu wir keine Rückmeldungen bekommen haben nämlich zu dem Begriff Cancel Culture.
00:02:32: den verwenden wir in unserer Folge und ich hatte damit gerechnet dass sich vielleicht jemand beschwert und sagt was soll dieser Anglizismus?
00:02:39: Ja weiß nicht wie würde man das übersetzen?
00:02:42: Beukortkultur oder Absagekultur?
00:02:45: Ja, es kam keine Beschwerde.
00:02:47: Und das nehme ich jetzt auch mal als Bestätigung unserer These – dass der Begriff Cancelculture und die dahinterstehenden Konflikte inzwischen angekommen sind in
00:02:55: Deutschland.".
00:02:56: Bei unseren Hörer-Fragen gab es welche, die sich auf CancelCulture heute und auf Susanne Schulter beziehen?
00:03:02: Darauf gehen wir einmal als Erstes ein und kommen dann nochmal zu den historischen Fragen für Leonard Torowski!
00:03:08: Du hast mir erzählt, dass Susanne Schröter bevor sie auf die Hörerfragen reagiert hat erstmal noch etwas zu unserer Folge sagen wollte und zwar zum Kommentar der Nachdenkerei von Livia Gerster.
00:03:19: Ja das ist ja genau das was wir wollen.
00:03:21: natürlich geht es uns immer darum historische Ereignisse korrekt darzulegen aber wir wollen eben auch in die Diskussion gehen an Punkten die strittig sind, die kontrovers sind Und Livia ist ja Politikredakteurin bei uns, also bei der Frankfurter allgemeinen Sonntagszeitung.
00:03:37: Sie hat in ihrer Nachdenkerei gesagt – ich fasse das mal so zusammen – dass das Canceln inzwischen nicht mehr von links kommt sondern von rechts und in den USA hier sogar von staatlicher Seite und nicht von Aktivisten.
00:03:50: Und Susanne Schröte antwortet jetzt so auf Livia-Gerste
00:03:53: Das, was sie beschreibt ist natürlich teilweise richtig.
00:03:57: Aber was sie vergessen hat, ist dass dieser rechte Kulturkampf den wir gerade in den USA sehen, das der eine Reaktion auf ein linken Kulturkampf ist und das was ich immer gesagt habe ist wenn man einen Linkenkulturkampf der die Linke in ein autoritäres Fahrwasser gelenkt hat Wenn man denen nicht beantwortet weder von gemäßigt linker Seite noch aus der bürgerlichen Mitte in einer Weise, dass da die Übertreibungen herauskommen.
00:04:28: Dass das Autoritäre wieder verschwindet und man eine vernünftige Die Debatte darüber führt, was eigentlich richtig und falsch ist.
00:04:37: In welche Richtung sich die Gesellschaft entwickeln sollte?
00:04:39: Wie man alle mitnimmt usw.
00:04:42: Wenn man das alles nicht tut, dann wird man einen rechten Kulturkampf heraufbeschwören.
00:04:47: Und das ist das, was wir jetzt gerade sehen ein rechter Kulturkampfer angetrieben durch rechte Parteien.
00:04:55: Und wenn die dann gewählt werden sozusagen erobern, so wie das bei der Linken ja umgekehrt auch war.
00:05:06: Wird das übel aussehen?
00:05:07: Im Gespräch mit Susanne Schröter hast du sie dann gefragt, ob das so stimmt.
00:05:11: Dass das einfach nur eine Reaktion auf linke Kanzelkalsche ist.
00:05:15: Ja denn dass was man in den USA unter Trump sieht Das ist ja nichts komplett neues.
00:05:19: dieses rassistische Potenzial das war ja auch früher schon da.
00:05:22: ich meine die hatten dies Klaverei Den Ku Klux klaren und auch während dem nationalsozialismus also dem deutschen Nationalsozialismus gab es in den usa doch einige die Hitler gar nicht so schlecht fanden.
00:05:33: Dazu hat Susanne Schröter mir geantwortet.
00:05:36: Es war vorher aber nicht in dem Ausmaß da und die amerikanische Gesellschaft hat eine positive Entwicklung durchgemacht, der Rassismus ist weniger geworden er wird stärker problematisiert.
00:05:49: es sind bestimmte Dinge die vor fünfzig Jahren noch völlig normal waren sind nicht mehr normal nicht nur weil sie nicht sagbar sind sondern weil sich auch in der Bevölkerung einiges verändert hat.
00:06:00: also von daher würde ich sagen Es hinkt immer ein bisschen, wenn man sagt, früher gab es auch schon Rassismus.
00:06:07: Selbstverständlich gab's früher Rassismus aber die Bürgerrechtsbewegung Martin Luther King und andere haben ja durchaus was bewirkt.
00:06:13: Sie haben eine Sensibilisierung in die Gesellschaft hineingetragen.
00:06:18: Aber das ist mein Argument.
00:06:20: Die Linke hat es übertrieben Ja sie hat es maßlos übertieben Und zwar, weil sie beseelt war eine vollkommen andere Gesellschaft zu schaffen und dabei auch einen anderen Menschen zu schaffen.
00:06:32: Solche Experimente gehen immer schief.
00:06:34: Die sind nicht nur in Frankreich in der Zeit der Revolution schiefgegangen die sind auch in der Weimarer Republik schief gegangen oder die sind in der Sowjetunion in China.
00:06:44: überall hat man versucht einen neuen Menschen zu schaffen und eine neue Gerechtigkeit zum Vorschein zu bringen und solche Dinge funktionieren einfach nicht.
00:06:53: Gesellschaften verändern sich langsam, sie verändern dann, wenn man eine Debatte führt, wenn möglichst viele Menschen mitgenommen werden – so ist das in einer Demokratie!
00:07:02: Das Volk ist der Soverein und wenn große Teile der Bevölkerung nicht mehr mitgehen, muss man in irgendeiner Weise
00:07:11: einlenken.".
00:07:12: Dazu passt auch die Frage, die uns der Hörer Sven Ackermann geschickt hat.
00:07:16: Er hat nämlich danach gefragt, was die Folgen des Cancins sind.
00:07:19: Also was passiert wenn rechte Akteure isoliert werden?
00:07:23: Jede Art der Isolierung, sofern sie nicht tatsächlich in den Bereich des strafbaren Feld, also da ist eine Grenze absolut überschritten.
00:07:31: aber jede Art derIsolierung führt nicht dazu dass das verschwindet was man da isoliert hat sondern dass es sich in anderer Weise in eigenen Filterblasen neu organisiert, wahrscheinlich auch radikalisiert.
00:07:48: Also jede Art der Isolierung halte ich grundsätzlich für problematisch.
00:07:53: Man sollte sich angewöhnen und wieder angewöhnen, mit Menschen zu sprechen, ein ernsthaftes Gespräch zu führen eine Kontroverse auf einen Streit zu führen, mit dem man absolut nicht übereinstimmt.
00:08:06: Man vielleicht sogar als Kind empfindet, wobei ich den Begriff der Feindschaft immer ein bisschen problematische halte.
00:08:12: aber Dass das uns verloren gegangen ist, dass wir in der Lage sind, Debatten zu führen mit Menschen die nicht unserer Meinung sind.
00:08:21: Und das muss man wieder
00:08:22: zurückholen.".
00:08:23: Ich finde da hat sie einen wunden Punkt getroffen!
00:08:26: In unserer Folge haben wir erläutert wie gefährlich es wurde als die Jacobina anfingen ganze Gruppen als Volksfeinde zu isolieren.
00:08:33: Adlige Priester später auch vermeintliche Revolutionsgegner.
00:08:37: Das Schwarz-Weiß-Denken hat die Lage eskaliert und auch heute sehen Abschautung eigentlich selten hilft.
00:08:44: Manchmal ist der schwierigere Weg nämlich miteinander reden, der
00:08:48: sinnvollere.".
00:08:49: Susanne Schröter haben wir ja deshalb zu dem Thema eingeladen weil sie im Jahr zwanzig vierundzwanzig ein Buch geschrieben hat mit dem Titel Der neue Kulturkampf wie eine voke linke Wissenschaft kultur und Gesellschaft bedroht.
00:09:01: Und in unserer Folge hatte sie gesagt dass die zwei ihre persönlichen Erfahrungen in den buch verarbeitet also wie sie selbst gekänzelt wurde aber das eben auch eine allgemeine Analyse leisten will.
00:09:11: Und dazu hat der Hörer Florian Volmer uns geschrieben.
00:09:15: Wenn ich zwischen den Zeilen richtig lese, dann zweifelt er an, dass das geklappt hat.
00:09:20: Er fragt Frau Schröter ob sie selbst glaubt, dass ihr das gelungen ist und wie Sie mit ihrer eigenen Voreingenommenheit also ihrem beies umgegangen sei?
00:09:28: Ich würde sagen es ist mir gelungen wenn ich mir anschaue wie auf das Buch reagiert wird man kann das ja nicht selber beurteilen man kann es letztendlich nur im Spiegel der Reaktionen versuchen zu erfassen, wie die Wirkung gewesen ist.
00:09:41: Da würde ich schon sagen das ist mir gelungen und selbstverständlich habe ich da einen gewissen Bayes.
00:09:47: den habe ich aber versucht relativ transparent zu machen nämlich da wo ich selbst betroffen war, wo es um eine gesellschaftspolitische Analyse geht.
00:09:59: Ich bin ja Wissenschaftlerin also ich kann schon wissenschaftliche Auseinandersetzung die Bearbeitung desenschaftlicher Daten trennen von meiner eigenen Befindlichkeit.
00:10:08: Bevor wir jetzt richtig einsteigen in die historische Debatte, noch mal kurz eine kleine Zusammenfassung der Folge als Gedächtnis auf Frischer.
00:10:16: Wir haben gesagt, in der Gegenwart gibt es einen Phänomen das Cancel Culture genannt wird und damit ist gemeint dass Menschen von der öffentlichen Debatte ausgeschlossen werden zum Beispiel von Vorträgen ausgeladen.
00:10:28: aber das bezieht sich eben auch auf die Vergangenheit auf Denkmäler die weg sollen auf Straßennamen die umbenannt werden sollen.
00:10:35: Und wir haben die These aufgestellt, dass eine wesentliche Wurzel für dieses regide-schwarze Weißdenken, für die moralische Überlegenheit und auch für diesen Erziehungsgedanken das die in der französischen Revolution und insbesondere im Denken der Aufklärung zu finden ist.
00:10:50: Beziehungsweise was die Jacobiner aus diesem Denken gemacht haben und was dann in den Tugenterror mündete.
00:10:57: Und in einigen der Rückmeldungen, die wir erhalten haben, gehen die Hörer in die jüngere Vergangenheit und ziehen weitere historische Linien, die Wir in der Folge nur angerissen hatten.
00:11:06: Zum Beispiel fragt Klaus Lüsenhopp ist überhaupt so etwas wie ein demokratischer Sozialismus denkbar oder schließen sich Demokratie- und Sozialismus gegenseitig aus weil der Idee des Sozialismus schon der Totalitarismus inne wohnt?
00:11:19: Dazu sagt Susanne Schröter
00:11:22: Ich würde tatsächlich sagen, die großen Experimente des Sozialismus also vor allem der Sowjetunion China aber auch Kuba Vietnam von Cambodia möchte ich gar nicht sprechen.
00:11:32: Sind alle nicht erfolgreich gewesen?
00:11:35: Sie haben im Vergleich mit dem Westen zu Armut geführt und sie sind allesamt Diktaturen geworden.
00:11:42: Also das ist eben die Lehre, die wir daraus ziehen können.
00:11:48: Ich kenne das auch von Freunden, die noch überzeugte Sozialisten sind und sagen es waren immer die Falschen dran.
00:11:54: Aber ich sage mal so wenn über hundert Jahre lang bei einem bestimmten Gesellschaftsentwurf immer die falschen dran war dann muss man sich vielleicht auch überlegen ob dieser Gesellschaftentwurf in die Tat umgesetzt werden kann und erscheitert immer daran dass die Menschen das nicht mitmachen, in der Weise in der dass die sozialistischen Führer geplant haben.
00:12:17: In der das auch die Theorie geplant hat.
00:12:20: und man sollte die Lehre daraus ziehen, dass Dinge Utopien, die man zu Hause im Studierkämmerlein erdacht hat, dass diese Dinge sich vielleicht nicht ein zu eins in die Wirklichkeit übertragen lassen sondern dann wenn man es versucht sehr viele Opfer zur Folge haben.
00:12:41: Und diese Frage nach dem Verhältnis von Sozialismus und Totalitarismus habe ich auch Leonhard Horowski gestellt.
00:12:47: Er hat betont, dass es wichtig sei, auch bei den historischen Sozialismusbegriffen und Ideen zu differenzieren – zu unterscheiden in einen demokratisch operierenden Sozialismus …und im Totalitären!
00:13:00: Was aber sprachlich häufig verwischt wird wenn man die verschiedenen Praktiken unter diesem einen Begriff zusammenfasst…
00:13:09: Genialogie erstellen will, der verschiedenen Bewegungen und Ideensysteme die unter Sozialismus zusammengefasst sind.
00:13:17: Kann man sehr deutlich sagen ja sie haben alle dieselben Vorfahren nämlich im frühen XIX Jahrhundert also die Revolution war noch nicht sozialistisch weil sie in erstaunlich großen Maße die Besitzverhältnisse unangetast gelassen hat.
00:13:35: Der Landbesitz, der, wenn sie selber reguläre Besitze ist, wurde erst in der Terrorphase ihn wegnommen und dann auch nur weil man die Adler sowieso schon als Klasse eliminieren wollte.
00:13:46: Aber es gab nicht den Plan Eigentum umzuwandeln im Gemeinschaftsbesitz.
00:13:50: Es gab wesentliche Elemente dessen was man später Sozialismus nennen kann, da hat das noch überhaupt nichts.
00:13:57: Mit Lenin beginnt das Konzept der Kaderpartei Die die Macht ergreifen muss Und die dafür alles darf.
00:14:05: Lenins Partei ist in Russland durch einen Putsch gegen eine Revolutionsregierung an die Macht gekommen.
00:14:12: Fast ihr erster Akt war es, die vorher schon einberufende Nationalversammlung, das erste demokratisch gewählte Parlament Russlands sofort wieder zu vertreiben und auszuschalten – weil das absolut nicht zu ihrem Plan
00:14:24: passte.".
00:14:26: Horowski zieht ja eine klare Linie von der französischen Revolution hin zu Lenin.
00:14:31: Aus der französischen Revolution resultiert natürlich eine neue Konstellation der Identitätspolitik, weil man dort tatsächlich nach den großen Umwälzungen der ersten Jahre und der Radikalisierung der Revolution schon aus der Perspektive der Erkobine anfängt Bevölkerungsgruppen nach Gebot als Feinde zu betrachten.
00:14:49: Da fängt es mit dem Adel an.
00:14:51: Man nennt die Adeligen Le Cidavans Die Vorriken Weil sie zeitweise noch versucht hatten ihre abgeschaffen Titel zu retten indem Sie sagen voriger Marquis von La Rochefoucault oder sowas.
00:15:03: Das übernimmt, dass die lenenistische Diktatur Personen, die unter dem Zaden-Reich zu den oberen Schichten gehört hatten behalten gewissermaßen einen schwarzen Fleck und werden in einem systematisch benachteiligt.
00:15:18: Und das Starling kann man dann sehen wie teils aus der Logik solcher Diktatureteils auch tatsächlich aus der Paranoidenseudologik psychopathischen Diktators, immer neue Gruppen definiert werden als Volksfeinde.
00:15:33: Bis hin zum Schluss ist eben dann die Bekämpfung der sogenannten Ärzteverschwörung gibt weil man sagt die Ärzten sind doch alle Juden und die Juden sind doch pro Israel und Israel ist mit dem USA verbündet.
00:15:43: also wollen die Stalin umbringen also müssen sie ins Lager.
00:15:46: Im Podcast sprachen wir auch über Russoseinfluss, seine Idee einer Zivilreligion.
00:15:51: Damit es eine Lehre gemeint die politische Werte erzeugen soll dass man sich beispielsweise für die Revolution und die Freiheit einsetzt.
00:15:59: Robespiers kult das höchsten Wesens haben wir als eine direkte Umsetzung dieses Denkens gezeigt.
00:16:06: Das ist der Gedanke den Menschen erziehen zu können Beispielsweise mittels Rieten.
00:16:11: Die jacobinische Umerziehung wollte einen guten Bürger formen.
00:16:16: Der Hörer Karl-Hermann Ketteler hat uns gefragt, warum gerade Rousseau so eine große Rolle für das Denken der Revolutionäre gespielt hat.
00:16:23: Und das hat Torefski geantwortet!
00:16:37: Vor der Revolution ist ja elf Jahre vorher gestorben.
00:16:40: Ein intellektueller Superstar, auch ein literarischer Superstar war in Anseherregime Frankreich.
00:16:45: Das heißt man darf nicht unterschätzen wie stark Leute auch deswegen bereit waren sich auf Rotsuchsoß Ideen einzulassen weil sie vorher mit Begeisterung seine Romane gelesen hatten.
00:16:56: anders gesagt es hat diese Gesellschaft damals auch noch nicht so stark wie wir im Nachhinein unterschieden zwischen eigentlichen politischen Ideen einerseits und andererseits Ideen über das Wesen des Menschen, über die Art wie Menschen miteinander leben sollen, die sie auch in Romanen vorkommen.
00:17:18: Und sie hat diese Unterscheidung natürlich auch deswegen nicht so stark getroffen weil man ja nicht vergessen darf dass unter den Bedingungen der absoluten Monarchie eigentlich über Politik überhaupt nicht diskutiert werden dürfte.
00:17:28: Bei Rousseau gibt es einen zentralen Begriff Den Volkswillen oder Allgemeinen Willen.
00:17:33: Dahinter steckt die Idee, dass es einen Willen in der Bevölkerung gibt.
00:17:37: Also das alle an einem Strang ziehen und am Gemeinwohl
00:17:41: arbeiten.".
00:17:42: Horowski sagte mir, Rousseau ist bei dem Begriff Rechtwaage gewesen – und das hatte Auswirkungen!
00:18:02: Bei Rousseau kann man das aber durchaus auch noch so lesen, dass die Idee ist, weil es einen Volkswillen gibt oder einen Allgemeinen will, müssen auch alle daran beteiligt werden diesen zu artikulieren.
00:18:15: Das heißt, volontärisch general als ein Argument für
00:18:18: Demokratie.".
00:18:19: D.h.,
00:18:19: man kann diesen Gemeinwiln einmal liberaler interpretieren und dann wird eine Demokratie draus?
00:18:24: Oder man kann ihn nehmen als Basis für totalitäres Denken?
00:18:27: Freundesgemeinwohl feindes Gemeinwohl!
00:18:30: Einen interessanten Perspektivwechsel bringt uns auch die Frage nach Thomas Jefferson.
00:18:34: Der war bis siebzehnhundertneunundachtzig in Frankreich amerikanischer Botschafter und er schrieb siebzenthundertsechsundsiebzig an der Unabhängigkeitserklärung mit.
00:18:43: Karl Hermann Ketteler fragte uns, warum Thomas Jefferson nicht mehr Einfluss auf die Ereignisse in Paris hatte?
00:18:51: der spätere amerikanische Präsident und Mitverfassert der Unabhängigkeitserklärung, war zwar tatsächlich in Frankreich von siebzehnfünfundundachtzig bis neunundachtzlich als amerikanischer Botschafter.
00:19:02: Und er war auch in engem Kontakt mit Lafayette und den anderen die in Amerika gewesen waren und hat also einen kleinen Einfluss gehabt auf die Formulierung der Erklärung der Menschenrechte.
00:19:10: aber diese ganze Erklärungen ist trotzdem eben wenn man so will nur ein Symptom und keine Ursache dessen was weiterkommt.
00:19:17: das heißt die überwiegenden Wurzeln der Ideen, mit denen die französische Revolution entsteht und die sie dann weiter bringen werden sind in Frankreich und England.
00:19:28: Und im geringerem Maße natürlich an der europäischen Antike.
00:19:32: Und amerikanische Ideen zu übernehmen, das scheitert nicht nur ein vieler Hinsicht an der Sprachbarriere sondern vor allem eben an der übrigens ja auch sachlich richtigen Erkenntnis dass die französische Gesellschaft nach tausend Jahren feudale Herrschaft und absoluter Herrschaft vollkommen anders funktioniert als die amerikanischen.
00:19:49: Es gab tatsächlich einen Einfluss aus Amerika auf die Ereignisse in Frankreich.
00:19:54: Horowski berichtete mir von einer Reihe Hochadliga, die im Unabhängigkeitskrieg in Amerika kämpften und dann mit diesen Erfahrungen nach Frankreich zurückgekehrt sind.
00:20:03: Dort haben sie den Entwurf der Erklärung der Menschenrechte mit verfasst – aber mit einer Mischung von privilegierter Weltfremdheit und besten Absichten wie Horowski das genannt
00:20:13: hat.".
00:20:14: Privilegierte Weltfremdheit und beste Absichten.
00:20:17: Ja, das ist vielleicht keine erfolgsversprechende
00:20:19: Mischung.".
00:20:20: Wir hatten ja auch am Ende unserer Folge gefragt ob unseren Hörern Gegenmodelle einfallen.
00:20:25: also was braucht es damit eine Gruppe oder einer Gesellschaft nicht ins Totalitäre abdriftet?
00:20:31: Und dazu haben wir einen Vorschlag bekommen von Nils Steppern, nämlich das Christentum.
00:20:36: Das hat ein anderes Menschenbild als Rousseau.
00:20:39: Rousseaux sagt ja der Mensch hat eine gute Natur und das Christen-Tum sagt dagegen, der Mensch ist sünder.
00:20:44: Und Nils steppern meint nun wenn die menschen sich vor Gott als Sünder bekennen würden dann gäbe es keine Känsekalter und keinen Kulturkampf.
00:20:52: Ich finde ganz unabhängig vom christlichen Gedanken ist es durchaus ein sinnvoller Anfang dass man bei sich selbst anfängt und statt absoluter moralischer Überlegenheit etwas Demut übt.
00:21:04: Ich muss sagen, ich kann das nachvollziehen mit dem anderen Menschenbild aber auch dass Christentum hat ja in der Geschichte zu schlimmen Entwicklungen geführt.
00:21:12: Aber ich sehe ein diese Diskussion die kommt dann mal in einer anderen Folge vor.
00:21:17: Na sie merken schon wir diskutieren auch bei uns sehr intensiv und sind nicht immer eine Meinung.
00:21:22: Wir haben zum Glück noch eine ganze Anzahl Folgen vor uns.
00:21:25: Nächste Woche beenden wir aber zunächst einmal den Kulturkampf.
00:21:29: Das wäre schön, wenn das so einfach wäre.
00:21:31: Also wir beenden unsere Themenreihe mit der vierten Folge.
00:21:34: Darin wird es um die Diskussion um Paragraf twohundertachzehn und den historischen Streit um Schwangerschaftsabbrüche
00:21:41: gehen.".
00:21:41: Wenn Sie danach dann Ideen für neue Themen haben, mit denen wir uns befassen sollen, dann schreiben sie uns gerne an podcastatfaz.de.
00:21:49: Wir wollen ja in jeder Folge eine Brücke schlagen von der Gegenwart in die Vergangenheit – was versteht man besser über das heute?
00:21:57: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
00:22:00: Auch von mir, Tschüss!
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