Q&A zu Das Erbe der extremen Rechten: Völkischer Nationalismus von Weimar bis heute

Shownotes

Wer gehört zu einem Volk dazu? Was ist das Problem beim Kulturverständnis der völkisch-nationalistischen Kreise? Und sollten die Omas gegen Rechts auf Demos die schwarz-rot-goldene Fahne schwenken? Unter anderem darum geht es in der neuen Q&A-Folge des Geschichtspodcast von Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Konrad-Adenauer-Stiftung.

Wir haben viele Mails und Kommentare zu unserer letzten Folge erhalten, die nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt eine aktuelle Relevanz bekommen hat. Denn der Landesverband Sachsen-Anhalt wird ja unter anderem wegen seiner völkisch-nationalistischen Tendenz vom Landesverfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Die Fragen und Kritikpunkte der Hörerinnen und Hörer diskutieren wir mit Volker Weiß. Er ist Historiker und Experte für die Geschichte des rechtsextremen Denkens. Weitere Themen der Q&A-Folge sind die falsche Ableitung des Sozialdarwinismus aus Darwins Konzept des „survival of the fittest“, Kritik an einer unreflektierten Verwendung des Begriffs „Drittes Reich“ und die historischen Folgen des Versailler Vertrags.


Hosts: [Angelika Fey (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Stefan Stahlberg (Konrad-Adenauer-Stiftung)]

Mitarbeit: [Niklas Kleber]


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Transkript anzeigen

00:00:06: Willkommen zu einer neuen Q&A-Folge unseres Geschichts-Podcasts.

00:00:10: Mein Name ist Stefan Stahlberg

00:00:12: Und ich bin Angelika Fai, in unserer letzten Folge ging es um das Erbe der extremen Rechten – um die Kontinuitäten des völkischen nationalistischen Denkens von der Weimarer Republik bis zur AfD.

00:00:24: heute

00:00:25: Ein Thema, dass nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt noch mal relevanter geworden ist Denn unter anderem wegen dieses völkisch-nationalistischen Denkens wird der Landesverband Sachsen-Anhalt ja vom Landesverfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

00:00:38: Auf die Folge haben wir wieder kluge Zuschriften bekommen mit interessanten Fragen.

00:00:43: Vielen Dank an alle, die sich Zeit genommen haben uns zu schreiben!

00:00:46: Allerdings gab es auch empörte Wiederrede.

00:00:49: Teils mit inhaltlicher Kritik – darauf gehen wir natürlich gerne ein.

00:00:53: Es gab aber auch einfach Kommentare, die ich mal als Trollen einordnen würde und die wir uns in dieser Folge ersparen.

00:00:59: Um die Fragen und Kommentare einzuordnen, haben wir wieder mit unserem Experten der Sendung Volker Weiß gesprochen.

00:01:05: Er ist Historiker und forscht zu Alten und Neuen

00:01:08: Rechten.".

00:01:09: Wir fangen an mit einem Kommentar bei YouTube, der von einem Hörer kommt, der offensichtlich mit Götz Kubicek sympathisiert.

00:01:16: Er bringt eine Kritik an unserer Folge an, die gut geeignet ist um nochmal klarzustellen wie in dem völkisch-nationalistischen Lager um Kubicekk und wieso er sehr problematisch ist.

00:01:34: Ja, und das hört sich erstmal logisch an.

00:01:54: Klar gibt es in Deutschland eine andere Kultur als in Norwegen oder Italien oder in der Türkei.

00:01:59: Andere Werte, anderes kulturelles Wissen und andere Bräuche.

00:02:03: Der entscheidende Unterschied im Kulturverständnis liegt aber darin, dass völkische Denker in dieser Gemengelage wenn Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft zusammenkommen, zusammenleben, dass sie dann eben den Untergang des Volkes an die Wand malen.

00:02:17: und vom Volks-Tot-Phase

00:02:19: also Zuzug kann nach diesem Denken nicht einfach zu einer Integration der Neuen führen, sondern der Tod des Volkes ist die Folge.

00:02:27: Natürlich ändern sich Kulturen und Gesellschaften – und wie schnell oder langsam so etwas vonstatten gehen kann!

00:02:33: Wie sehr sich Zuwanderer in die Gemeinschaft einpassen und auch unsere Wertegemeinschaft unser Grundgesetz dabei beachten?

00:02:41: Das ist alles etwas das wir als Gemeinsschaft aushandeln.

00:02:44: und worüber?

00:02:46: aber zu behaupten, dass Zuwanderung ein absichtlicher Mord am deutschen Volk sei.

00:02:51: Das geht einfach zu

00:02:52: weit.".

00:02:53: Man könnte ja stattdessen fragen wie können Zugezogene integriert werden?

00:02:57: Aber das haben wir auch schon in unserer Folge dargelegt.

00:03:00: Aus Sicht der völkisch-nationalistischen Kreise gibt es da ein Problem.

00:03:04: Für die gibt es so etwas wie vererbte Volkscharaktere.

00:03:08: Im Gespräch für die Q&A-Volker hat mir Volker Weiß nochmal erläutert Es geht um die sogenannte Blutlinie.

00:03:15: Das Stichwort jetzt wäre hier Abstammungsgemeinschaft und eben nicht einfach nur Kultur.

00:03:20: Also Kultur-und Abstammung, das ist im völkischen Denken untrennbar miteinander verbunden.

00:03:26: Die Kategorien Kultur und Abstammungen werden auch sehr gerne austauschbar verhandelt Und man muss dann schon auch genauer in die Texte gucken und stellt dann fest wenn die Menschen von Kultur sprechen dann sprechen sie eigentlich doch vor einer Abstammlung und da sind doch sehr unterschiedliche Dinge.

00:03:43: Ich würde gern noch ergänzen Im völkisch-nationalistischen Denken gibt es außerdem noch eine Hierarchie der Völker.

00:03:49: Es gibt höherwertige Völker und Kulturen, und wenigerwärtige Vöker und Kulturen.

00:04:02: Und dieser wissenschaftliche Konsens ist?

00:04:05: Kultur ändern sich im Lauf der Geschichte und sind nichts Statisches!

00:04:09: Vor hundertfünfzig Jahren waren Frauen beispielsweise nicht gleichberechtigt Aber auch bei der Kleidung, dem technischen Fortschritt oder unseren Essgewohnheiten sieht man immense Unterschiede.

00:04:37: Das ist also ein sehr unhistorisches Verständnis von Kultur.

00:04:41: Wir haben zu diesem ganzen Thema, wer ist das Volk?

00:04:44: Noch ein paar weitere Zuschriften bekommen und da ist mir noch mal klar geworden wie viele unterschiedliche Interpretationen und Definitionen es zu dem Begriff Volk gibt.

00:04:53: Das hat auch der Blick in Wikipedia nochmal bestätigt.

00:04:55: ja die eine allgemein gültige Definition, die gibt es nicht.

00:05:00: Vor allem ging es höher an um die Frage Wie wichtig der Faktor Abstammung denn nun ist bei der Zugehörigkeit zum Volk.

00:05:07: Der Hörer Monte Carlo-Achtnullsechsvier hat bei YouTube zum Beispiel geschrieben, Volk sei – ich zitiere – eine durch Herkunft und gemeinsame Kultur bestimmte gewachsene Gemeinschaft.

00:05:19: Er nimmt also die Herkünft mit rein?

00:05:21: Schreibt dann aber das dürfe nicht exklusiv sein!

00:05:25: Das verstehe ich so dass auch Menschen die eigentlich eine andere Herkunst haben Teil dieser Gemeinsschaft werden

00:05:30: können.".

00:05:35: Erstens durch gemeinsame Kultur und Geschichte und Sprache verbundene große Gemeinschaft von Menschen oder zweitens Masse der Angehörigen einer Gesellschaft, der Bevölkerung eines Landes, eines Staatsgebiet.

00:05:47: So – und in beiden dieser Dudendefinitionen fehlt der Faktor Abstammung!

00:05:52: Oder um kurz einmal in die Geschichtswissenschaft zu schauen, es gibt ein mehrbändiges Standardwerk zu den geschichtlichen Grundbegriffen und dort umfasst der Beitrag – der sich mit der Begriffsgeschichte zu Volk-und Nation auseinandersetzt – fast dreihundert Seiten.

00:06:07: Von der Antike bis heute kann man dort nachlesen wie das zu verschiedenen Zeiten immer wieder anders definiert wurde.

00:06:13: Aber Definitionen sind nicht alles.

00:06:16: Der Hörer Nils Stepphan hat uns dazu aufgefordert, das Kopfdenken mal beiseite zu legen und argumentiert emotional.

00:06:23: Deutschland sei seine Heimat, sein Zuhause!

00:06:26: Inzwischen würde er sich aber in manchen Gegenden Deutschlands einfach nicht mehr zu Hause fühlen – zum Beispiel in der Dortmunder Nordstadt, weil diese zu multikulturell sei.

00:06:36: Auch sei es schwer möglich für Menschen aus anderen Ländern zB die Schuld der NS-Zeit als ihre eigene anzusehen?

00:06:42: Aber auch das gehört für ihn zum Deutschsein dazu.

00:06:45: An dieser Stelle müssen wir ein bisschen aufpassen, denn wir sind vor allem einen Geschichtspodcast und die historischen Hintergründe völkischer Ideologie stehen bei uns in dieser Folge vor.

00:06:56: Ich will mal nur so viel sagen – vielleicht ist auch bei dieser Debatte wer oder was ist deutsch?

00:07:01: Das fällt zu sehr der extremen Rechten überlassen worden und es ist zu wenig in der Mitte der Gesellschaft diskutiert worden, was bedeutet es, Deutscher oder Deutsche zu sein?

00:07:11: Und ist es wichtig, Deutschsein als eine Komponente der eigenen Identität zu leben?

00:07:17: Dazu passt für mich ein Kommentar den uns die höheren Sabrina als Reaktion auf die Nachdenkerei von Justus Bender geschickt hat.

00:07:24: Ja, Justus hatte ja erläutert wie gut die AfD darin ist Symbole.

00:07:28: Wie die schwarz-rot-gäudene Fahne und die Nationalhymne für sich zu kapern.

00:07:33: Und dass gerade die demokratische Mitte in Deutschland das nicht zulassen sollte weil Fahnen und Hymne ja für das stehen was die Rechtsextremen Teile der AfD ablehnen eine liberale parlamentarische Demokratie und die Würde eines jeden Menschen.

00:07:47: Genau und dazu schreibt uns Sabrina, dass sie die These von Justus Bender unterschreiben würde.

00:07:52: Dass aber die, die gegen die AfD protestieren würden damit argumentieren wir müssen eh weg von den Nationen.

00:07:59: Sie schreibt weiter ich zitiere das funktioniert aber ja nicht.

00:08:02: Menschen brauchen was zum identifizieren.

00:08:04: Das ist erstmal das Dorf oder der Bezirk in dem man wohnt dann die Stadt die Region des Bundeslandes und das Land Und dann erst der Kontinent.

00:08:12: Vielleicht sollte man nochmal genauer erklären wo die Flagge eigentlich herkommt.

00:08:17: Und genau hier liegt das Problem, da hat die AfD leider einen Punkt.

00:08:20: Wir müssen ein anderes Verhältnis zu diesem Begriff finden – aber dürfen natürlich nicht den Rest der Denke dahinter übernehmen!

00:08:27: Die, die gegen die radikale Rechte protestieren, sollten meiner Meinung nach vielleicht mal anfangen unsere Flagge vor sich herzutragen?

00:08:33: Zu zeigen, hey ne, dass sie es auch Deutschland!

00:08:42: Eine Sache hat mich nach unserer Folge vergangene Woche noch interessiert, und zwar das Verhältnis der AfD zur Union.

00:08:48: Klar ist die AfD will die CDU zerstören – das weiß auch Friedrich Merz!

00:08:53: Hier ist er vergangenes Jahr noch vor der Wahl in einem Wahlforum im ZDF mit dem Namen Klartext.

00:09:04: Aber auch der AfD-Politiker Maximilian Kra sagt das ganz offen.

00:09:09: Er hatte in einem Beitrag der ARD-Sendung Panorama bestätigt, dass sein Ziel die Zerstörung der CDU ist.

00:09:16: Der Europäischer Vergleich zeigt, dass die politische

00:09:18: Rechte nur dann zum Erfolg kommt wenn die Christdemokraten

00:09:21: verschwinden.

00:09:22: von daher setze ich nicht auf die CDU und ich setze auf die Inklusion der CDU.

00:09:28: Und jetzt ist natürlich ganz praktisch einleuchtend das die AfD der CDU Wähler wegnehmen möchte und sie deshalb angreift.

00:09:35: Aber nach unserer letzten Folge habe ich mich gefragt, ob es darüber hinaus noch ideologische Gründe gibt die man besser versteht wenn man in die Weimarer Zeit schaut.

00:09:44: In unserer letzten folge ging's ja um Arthur Möller-Fannenbrück und andere Vertreter der sogenannten konservativen Revolutionen Und die haben nicht nur gegen die parlamentarischen Demokratie gekämpft sondern auch gegen die aus ihrer Sicht über kommenden Eliten die standen für das Abgestormene, dass erst weg muss bevor das eigentlich Bewahrenswerte wieder hervorkommt oder neu geschaffen wird.

00:10:06: Also bei aller Vorsicht gegenüber historischen Analogien denke ich man kann eine bestimmte Parallele tatsächlich entdecken nämlich die tiefe Feinschaft eines sich selbst revolutionär und auch disruptiv revolutionär verstehenden Konservatismus gegenüber sozusagen seinem liberalen Verwandten.

00:10:32: Das können wir auch durch die Jahrzehnte schon der Alpenbundesrepublik sehen, also in Armin Mola, da muss ich gar nicht nix Wanziger oder Dreißigerjahre, ein.

00:10:41: Armin-Mola hat also flammende Pamphlete gegen den wie er es nannte Gärtnerkonservatismus geschrieben.

00:10:48: ja das war ihm alles nicht scharf genug Und wir können sehen, wie eine Strömung die sich selber eigentlich als konservativ begriffen hat aus sich heraus sich radikalisiert.

00:11:00: Also bis ins faschistische hinein.

00:11:03: so und ich denke ja das zeigt eben das Verhältnis man wirft der CDU vor eine Liberalisierung.

00:11:12: interessanterweise also Ich würde es ja eher als eine Modernisierung der CDU fassen die aus bestimmten Gründen durchaus auch notwendig war.

00:11:21: Interessanterweise geht es aber weniger um das Bündnis mit dem Wirtschaftsliberalismus, der ja in der AfD selber auch seinen Standort hat in weiten Teilen.

00:11:31: Aber es geht dann auch um kulturelle und erinnerungspolitische Fragen.

00:11:36: Da sieht man unverzeihliche Abweichungen gewissermaßen von der nationalen heroischen Linie.

00:11:44: Und da gibt es bestimmte Parallelen im radikalen Verständnis der Akteure in den zwanziger Jahren und

00:11:52: heute.".

00:11:53: So viel zur CDU.

00:11:56: Ein Hörer hat in einem Kommentar bei YouTube die Frankfurter Allgemeine Zeitung in den Fokus genommen,

00:12:01: da empört sich John Mauser zwei neun ein sieben das wir von der FAZ uns kritisch mit der AfD und dem völkischen Nationalismus auseinandersetzen.

00:12:10: er schreibt ich zitiere Herzlichen Glückwunsch an die FHZ für ihre integrative Brückenbaufunktion, für NS-Mörder und die deutschnationale elitäre Stambelegschaft.

00:12:21: Auch dank euch hat sowas bis heute Wirkung!

00:12:24: Na das habe ich auch gelesen und dachte der schießt ganz schön gegen die FhZ

00:12:29: Jaa und er hat sich die Zeit genommen in einem langen Kommentar darzulegen wie problematisch Teile der Fhz in den fünftiger Jahren aufgestellt waren.

00:12:38: Ich zitiere mal einen weiteren Auszug aus seinem Kommentar In den Anfangsjahren der Zeitungen gab es eine klare Brücke zwischen dem alten bürgervölkischen Konservatismus und Teilen der NS-Ideologie, insbesondere in der Ablehnung des westlichen Systems einem autoritären Staatsverständnis und einem protestantisch nationalen Elite denken.

00:12:59: Ja Angelika was sagst du dazu?

00:13:01: Naja ich sage dazu dass das ja alles keine Geheimnisse sind!

00:13:05: Der Historiker Peter Höhres hat ein dickes Buch über die Geschichte der FAZ geschrieben.

00:13:09: Auf diese Untersuchung verweist der Hörer auch in seinem Kommentar.

00:13:12: Das Buch ist im Jahr zweiundzehn veröffentlicht und heißt Zeitung für Deutschland, die Geschichte der FHZ Und da wird das eben alles detailliert aufgeschlüsselt.

00:13:22: Die Sache ist die Dieses Buch habe ich zum Beispiel bei meiner Einstellung von der FFZ geschenkt bekommen.

00:13:28: Also es ist jetzt nicht so dass das hier verschämend versteckt wird

00:13:32: Und wir reden hier von der FAZ von vor siebzig Jahren

00:13:35: Auf jeden Fall!

00:13:35: Sonst würde ich ja auch nie im Leben so gerne hier arbeiten.

00:13:39: Das Interessante ist, dass sich die FHZ sehr verändert hat, stellt der Hörer auch gar nicht infrage.

00:13:45: Ihm geht es lediglich um die fünftiger Jahre aber deshalb ist die FZ für ihn offenbar für immer unten durch.

00:13:52: Ich habe auch Volker Weiß gefragt wie er das einschätzt.

00:13:55: Das kann man alles ausführen.

00:13:57: Für alle Bereiche.

00:13:58: Sie finden sogar in der Gründungsgeneration den grünen Leuten, die ein braunes Unterhemm tragen.

00:14:03: Das ist überhaupt kein Thema.

00:14:06: Mein Bekommen aus einer Gesellschaft, die eine Zustimmungstiktatur geschaffen hat.

00:14:12: Das war der Nationalsozialismus.

00:14:15: Ja völlig richtig!

00:14:17: Die deutsche Gesellschaft war tief kontaminiert und in alle Bereiche – Politik, Medien, Sicherheitsorgane.

00:14:25: Das ist für mich jetzt aber kein Grund, im Jahre zwanzigzehnt nicht mit der FHZ zu sprechen.

00:14:32: Einerseits ist da eine Menge Wasserdl beruntergeflossen wie wir hier in Hamburg sagen und andererseits mit wem soll ich dann überhaupt noch reden?

00:14:40: Weil das finden Sie in allen Bereichen die Kirchen waren kontaminiert.

00:14:43: ja so ist es!

00:14:47: Das ist die Realität in diesem Lande

00:14:50: Und dass ist übrigens etwas was AfD überhaupt nicht wahrhaben will.

00:14:54: Da sind wir mitten beim Geschichtsrevisionismus der

00:14:57: AfD.".

00:14:58: Hans-Thomas Tilschneider ist so etwas wie der Chefideologe der AfD in Sachsen-Anhalt und er möchte die deutsche Geschichte vom Nationalsozialismus reinwaschen – hat gesagt, man kann nicht das ganze deutsche Volk in Verantwortung ziehen für die Verbrechen einiger weniger.

00:15:16: Das sei ein Verstoß gegen das Menschenrecht!

00:15:19: Und dieser Mann wurde gerade in seinem Wahlbezirk im Querfurt mit fast fifty-fünfzig Prozent direkt in den Landtag gewählt.

00:15:27: Ja, was soll man dazu sagen?

00:15:29: Kommen wir zu konkreten Detailfragen die uns Hörer gestellt haben zum Sozialdarwinismus und zum Begriff Drittes Reich.

00:15:38: Der Hörerkarl Hermann Ketteler fragt Wie konnte sich aus der Evolutionslehre von Darwin dieser unsägliche Sozialdarvinismus entwickeln mit den furchtbaren Effekten?

00:15:49: Natürlich ist es bei Darwin nicht so angelegt.

00:15:51: Die Übertragung des Begriffes of the fittest wird dann eben viel gedeutet, dass das irgendwie ein Ausdruck von Stärke macht.

00:16:04: Es ging um Anpassungen bei Darwin.

00:16:07: Wer sozusagen der Umwelt am besten sich angepasst hat, hat den evolutionären Vorteil.

00:16:13: aber da... Das ist halt das Problem wenn biologische Diskurse oder Befunde ins gesellschaftliche übertragen werden, das funktioniert nie.

00:16:25: Also wenn Gesellschaft die nun mal sozial und historisch gewachsen ist als organisch begriffen wird – das sind einfach grundlegend verschiedene Kategorien.

00:16:36: Und das hat dann stattgefunden, dass man gesagt hat, wir müssen jetzt quasi mit Darwin auf Darwin uns besonders panzern.

00:16:48: Eine besondere Überlegenheit richtig

00:16:50: heranzüchten.".

00:16:52: Das sei aber eine Fehlinterpretation von Darwin hat Volker Weiß betont.

00:16:57: Ein anderer Hinweis betrifft den Begriff Drittes Reich.

00:17:00: Der Hörer Martin Böser hat uns dazu Folgendes geschrieben – ich zitiere Mir fällt auf, dass dieser Begriff bis heute in Medien, Politik und Alltag häufig ganz selbstverständlich als Synonym für die NS-Zeit verwendet wird – im Dritten Reich statt in der NS Zeit.

00:17:18: Meines Erachtens sollte eine Bezeichnung aus dem nationalistischen und nationalsozialistischen Sprachgebrauch heute nicht unmarkiert als neutrale Bezeichnung für die Zeit des Nationalsozialismus verwendete

00:17:30: werden.".

00:17:31: Ich habe da tatsächlich eine andere Wahrnehmung, würde sagen dass der schon zu meiner Studienzeit nicht mehr so geläufig war und dieser auch schon über zwei Jahrzehnte her.

00:17:42: Und das er eigentlich ziemlich verschwunden ist.

00:17:46: Das erinnere ich jetzt eher an meine Schule oder Jugendzeit, dass man da relativ selbstverständlich vom Dritten Reich gesprochen hat.

00:17:53: Ich mache es hier unterauch noch als Synonym weil man nicht immer die gleichen Formulierungen verwenden möchte.

00:18:00: Aber ich würde jetzt mal freihändig sagen, dass er eigentlich ein paar Buchtitel angucke in der Forschung nicht mehr so präsent ist wie früher.

00:18:12: Es gibt Gründe, warum man nicht mehr verwendet wird und ich versuche ihn auch zu vermeiden aber ich sehe es jetzt nicht so gravierend an wenn da hin- und wieder dann doch

00:18:20: fällt.".

00:18:21: Also ganz so schlimm findet das Volkerweiß nicht, aber ich muss sagen dass ich dankbar bin für den Hinweis von Martin Bösser und mir auf meine Wortwahl achten werde.

00:18:30: Ja, denn bei Sprache muss man ganz genau sein.

00:18:33: Ein Hörer hat sich zum Beispiel auch an unseren Formulierungen gestört als es um die Folgen des Vaseyer-Vertrages für Deutschland ging.

00:18:40: Der Höreraalf Michalak schreibt uns – ich zitiere ihn ….

00:18:45: Ich habe den Podcast mit großen Missfallen zur Kenntnis genommen.

00:18:48: Besonders deshalb weil der Vaseya Vertrag und insbesondere dessen Folgen herunter gespielt und der Protest dagegen als völkisch national eingeordnet

00:18:56: wurden.".

00:18:58: Es handelte sich um einen Frieden der Sieger, die – insbesondere von den Franzosen ausgehend – erstmalig in der Kriegsgeschichte dem Unterlegenen eine Alleinschuld zuwiesen, die nicht vorlag.

00:19:09: Verbunden mit maßlosen Reparationen, deren Letzte erst zu Beginn der zweitausender Jahre bezahlt

00:19:14: wurden.".

00:19:16: Ohne Versailles kein Brittes Reich!

00:19:18: So viel Sachverstand hätte ich

00:19:19: erwartet!".

00:19:25: Friedensforderungen der deutschen Seite in Bresky-Topsk dann auch mal vergleichen.

00:19:30: Und dann stellt man fest, dass das deutsche Militär keineswegs gnädiger war als die Unthorntin.

00:19:37: dem Fall und natürlich ohne Versailles kein drittes Reich aber ohne Ersten Weltkrieg ein Versaill und ohne die katastrophalen politischen Fehler im deutschen Seite dann auch keinen ersten Weltkrig?

00:19:51: kann man immer alles rückverlängern.

00:19:54: Aber ja, der Wasaya-Vertrag war eine katastrophale Hypothek für die Republik.

00:19:59: War auch durchaus ein Zeichen dass es vielleicht der Siegerseite doch gar nicht so sehr um die Demokratisierung ging weil dann hätten sie das gelassen.

00:20:08: muss auf der anderen Seite die Franzosen auch verstehen Die Hauptzerstörungen waren auf ihrem Terror.

00:20:15: Schauen sich Schlachtfelder sieht man heute noch.

00:20:17: Ja die Spuren sieht man Heute noch.

00:20:20: Natürlich wollte man dafür Reparationen haben, weil die Zerstörungen waren unvorstellbar.

00:20:25: Aber die Kriegsschuldfrage hat das kann man endlos diskutieren.

00:20:28: in der Forschung ist die längst differenziert beantwortet und dass das eine schwere Hypothek und auch ein politischer Fehler war es auch klar.

00:20:36: aber er sich dann einfach so aus der Verantwortung zu stehlen jetzt plötzlich der Versaia-Vertrag in allem schuld?

00:20:44: nein so geht das eben auch nicht.

00:20:46: Ich würde doch denken, dass wir die Folgen des Versaillervertrages nicht herunter gespielt haben und auch nicht jeden Protest dagegen als völkisch-nationalistisch eingeordnet haben.

00:20:55: Aber das Völkische Nationalistische Lager hat den Versaillavertrag sehr gut für die eigene Propaganda nutzen können – und für den Kampf gegen die parlamentarische

00:21:03: Demokratie.".

00:21:04: Damit sind wir am Ende der Q&A Folge angekommen!

00:21:07: Ein großes Dankeschön geht nochmal an Volker Weiß für seine Einordnungen und an Niklas Kleber für den Schnitt der Folge.

00:21:16: Kommenden Donnerstag hören Sie wieder eine neue Folge von uns, es wird um die Regierungsbeteiligung der FPÖ unter Jörg Heider in Österreich im Jahr zweitausend gehen...

00:21:25: ...und um eine sehr aktuelle Debatte – Die Frage der Brandmauer gegen die AfD in Deutschland.

00:21:30: Bis

00:21:31: dahin machen sie's gut!

00:21:32: Mein Name ist Angelika Feih

00:21:34: Und ich bin Stefan Stahlberg.

00:21:35: Auf Wiederhören.

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