Q&A zu Fußball-WM 1978: Wenn der Torjubel im Folterkeller zu hören ist

Shownotes

WM 1978 in Argentinien: Der Militärdiktatur diente das Turnier als Bühne. Doch wurden FIFA und DFB ihrer Verantwortung gerecht? Und wie agiert die FIFA bei der WM 2026? In der Q&A-Folge gehen wir wieder auf die Rückmeldungen der Hörer ein. Gemeinsam mit dem Historiker Stefan Rinke und dem Sportjournalisten Michael Horeni beantworten wir Hörerfragen zu Verantwortung und Wissen von Spielern, Funktionären und Bundesregierung. Was wussten Spieler wie Berti Vogts und was die Funktionäre? Hätte die Bundesregierung Elisabeth Käsemann retten können? Und wie nutzte die Militärjunta im Kalten Krieg den Antikommunismus zur Selbstinszenierung?

Hosts

Michael Götz (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Stefan Stahlberg (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Gäste

Stefan Rinke, Professor für die Geschichte Lateinamerikas am Lateinamerika-Institut und an der Freien Universität Berlin

Michael Horeni, Sportjournalist

Ihre Meinung interessiert uns! Schreiben Sie uns gerne an podcast@faz.de oder schicken Sie uns eine Sprachnachricht an +49 172 – 778 2384. Die Fragen und Kommentare unserer Hörer besprechen wir kommenden Donnerstag in der Q&A-Folge – gemeinsam mit unseren Experten. Einsendungen können gekürzt oder auszugsweise im Podcast verwendet werden.

Literatur

Archetti, Eduardo P.: “Argentina 1978. Military Nationalism, Football Essentialism, and Moral Ambivalence”; in: Tomlinson, Alan, Young, Christopher: National Identity and Global Sport Events. Culture, Politics, and Spectacle in the Olympics and the Football World Cup, Albany: State University of New York Press, 2006, S. 133–147.

Blaschke, Ronny: Buenos Dias Argentina: WM zwischen Triumph und Folter, Artikel auf bpb.de, 10. Juni 2018. Ehrhart, Hans-Georg: Fußball und Völkerverständigung, Artikel auf bpb.de, 4. Mai 2006.

David Gomez: From the Pitch to Power: Football and Politics in Latin America, Konrad-Adenauer-Stiftung, 2026. https://dialogopolitico.org/wp-content/uploads/2026/05/Football-and-politics-in-Latin-America-2026-Dialogo-Politico.pdf

Riekenberg, Michael: Kleine Geschichte Argentiniens, München: C.H. Beck, 2009.

Produktion

Autoren & Redaktion: Michael Götz, Stefan Stahlberg Produktion: FAZ Audio Soundlogo: David Brucklacher


Hören Sie unsere exklusiven Podcast-Folgen auf Apple Podcasts, FAZ.NET oder in der FAZ-App und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel: Testen Sie FAZ+ jetzt 3 Monate lang für nur 1 € im Monat – hier geht’s zum Angebot.

Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

Transkript anzeigen

00:00:04: Herzlich willkommen zu unserer Q&A-Folge von der Geschichtspodcast, dem Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Konrad Alenauer Stiftung.

00:00:11: Mein Name ist Michael Götz

00:00:13: Und ich bin Stefan Stahlberg.

00:00:15: Wir schauen heute zurück auf unsere Folge über die Fußballweltmeisterschaft in Argentinien und die Frage, die uns durch diese Episode getragen hat Kann Fußball wirklich unpolitisch sein?

00:00:27: Wer profitiert eigentlich von dieser Behauptung?

00:00:29: Wir müssen erstmal vielen Dank an alle Sagen, die uns geschrieben und kommentiert haben.

00:00:33: Wir haben Ihre Fragen an unsere beiden Experten aus der Hauptfolge weitergegeben – diesmal bewusst auch an beide nämlich an den Historiker Prof.

00:00:40: Stefan Rinke und an den Sportjournalisten Michael Horini und wir steigen direkt

00:00:44: ein!

00:00:45: Bei der ersten Frage geht es um eine Unterscheidung zu der uns mehrere Nachrichten erreicht haben.

00:00:51: Es geht um Berti Vogts und die Spieler auf der einen Seite, und um die Funktionäre des DFB sowie die Politik auf der anderen.

00:00:57: Die Frage lautet ist es historisch fair und richtig diese beiden Gruppen unterschiedlich zu bewerten?

00:01:02: Michael Horeni hat dazu Folgendes gesagt.

00:01:05: Das ist sogar notwendig das zu unterscheiden.

00:01:07: ich habe mit Berti Fogts über neunzehntandt-siebzig Argentinien später auch mal persönlich nochmal gesprochen Und da sagte er auch, dass er damals darüber überhaupt nicht informiert war.

00:01:17: Dass er gar keine Informationen darüber hatte.

00:01:19: Wenn er über den Sachstand in Kenntnis gewesen wäre, hätte er auch damals sagt er auch anders reagiert und auch anders formuliert.

00:01:25: Das war ihm ein bisschen unangenehm im Nachhinein wie er sich dazu größert hat.

00:01:29: Und das ist sehr unterschiedlich im Vergleich zu Herrmann Neuberger der über die Vorgänge ja bestens Bescheid wusste und auf die Frage was damit Frau Käsmann dort passiert ist... ...das war alles bekannt!

00:01:42: Und da muss man schon sehr starke Unterschiede machen.

00:01:45: Da haben die Hörer darauf Wert legen, dass man das unterscheiden müsste zwischen Politik beziehungsweise Sportpolitikern oder Funktionären und den Spielern der Unterschiede zu machen, der ist absolut notwendig und

00:01:57: berechtigt.".

00:01:58: Das ist ein wichtiger Punkt – Vogts Wuste offenbar nichts!

00:02:00: DFB-Präsident Neuberger war anscheinend gut informiert.

00:02:03: in solchen Fällen kann man aber ja oft nicht genau klären wer wann was wusste

00:02:07: Und wer Bescheid weiß und trotzdem schweigt oder aktiv dafür sorgt, dass andere es nicht erfahren trägt ja auf jeden Fall eine andere Verantwortung als jemand dem Informationen vorenthalten werden.

00:02:20: Das ist jetzt kein Freifahrtschein für die Spieler aber das ist ein wichtiger Unterschied finde

00:02:24: ich.".

00:02:24: Und es wirft natürlich auch die nächste Frage auf nämlich was wäre möglich gewesen wenn man mehr gewusst hätte?

00:02:30: Was hätte man denn tun können?

00:02:32: Ja wir hatten in der Folge den Fall Elisabeth Käsemann erwähnt Also die Tochter des deutschen Theologen Ernst Käsemann, die in nineteenhundert siebenundsiebzig in Argentinien verhaftet und ermordet wurde.

00:02:46: Und ein Hörer fragt nun sehr direkt ob die Bundesregierung unter Helmut Schmidt Sie hätte retten können?

00:02:53: Und ob sie es womöglich versäumt hat.

00:02:55: dazu hat uns Professor Rinker ausführlich geantwortet In zwei Teilen.

00:02:58: zunächst zur Frage wer überhaupt in der Lage gewesen wäre etwas zu tun.

00:03:03: Ich glaube, hier muss man zwischen formaler Macht und politisch symbolischen Einfluss unterscheiden.

00:03:09: Die stärksten Handlungsmöglichkeiten lagen eindeutig bei den staatlichen Institutionen – Auswärtiges Amt, Botschaft und Bundesregierung – die alle hätten auf höchster Ebene intervenieren, die argentinische Regierung öffentlich unter Druck setzen und den Fall internationalisieren müssen können.

00:03:27: Das hätte Vielleicht das Schicksal von Elisabeth Käsemann verändert.

00:03:33: Der DFB und die einzelnen Spieler hatten keine vergleichbare staatliche Macht, aber sie waren keineswegs bedeutungslos – das ist ganz klar!

00:03:41: Gerade weil die argentinische Militärdiktatur den Fußball und später auch die WM zur internationalen Selbstverständung nutzte, waren Sportkontakte ein empfindlicher Punkt Wenn man zum Beispiel ein Spiel abgesagt hätte, wenn man eine öffentliche Erklärung abgegeben hätte oder wenn man vor Kameras zum Beispiel nachgefragt hätte was mit der Gefangenen ist.

00:04:03: All das hätte die Propaganda-Wirkung des Regimes empfindlich gestört und hätte auch den Druck sowohl auf die Bundesregierung in Deutschland als auch auf die Runder in Argentinien erhöht.

00:04:15: Sport war auch in diesem Fall eben nicht unpolitisch sondern Teil der politischen Bühne.

00:04:20: Die eigentliche Handlungsmacht liegt laut Rinker also bei der Bundesregierung, aber auch der Fußball war alles andere als bedeutungslos.

00:04:28: Das Regime brauchte die WM – das haben wir ja in der Folge ausführlich erzählt – als Bühne und wer auf dieser Büh ne steht, der hat Einfluss!

00:04:37: Und dann zur Kernfrage hätte Käsemann tatsächlich gerettet werden können.

00:04:42: Dazu nochmal Stefan Rinke.

00:04:43: Vorsicht ist bei solchen Gegenwartsurteilen immer wichtig.

00:04:47: Aber die These ist plausibel, dass ein früheres entschlosseneres und vor allem auch höherrangiges eingreifen ihre Überlebenschancen deutlich erhöht hätte.

00:04:57: Sie war ja nach ihrer Entführung noch wochenlang am Leben – es gab Hinweise auf ihre Haft- und internationale Appelle.

00:05:04: Auch spätere Bewertungen aus Politik und Menschenrechtsarbeiten kamen dann zu dem Ergebnis, dass die Bundesrepublik mehr hätte tun können und wohl auch müssen.

00:05:13: Deshalb würde ich sagen nicht der DFB allein hätte Käsemann retten können aber ein Zusammenspiel – Aus massiver diplomatischer Intervention, aus öffentlichem Druck und sportpolitischer Weigerung hätte die Handlungskosten für die runter erhöht.

00:05:27: Dass diese Möglichkeiten nicht ausgeschöpft wurden ist der zentrale historische

00:05:32: Vorwurf.".

00:05:33: Es ist immer nicht so einfach darüber zu sprechen, wie die Geschichte ausgesehen hätte wenn sie anders verlaufen wäre.

00:05:38: Aber es sieht schon danach aus dass man nicht alles getan hat was möglich gewesen

00:05:41: wäre und das ist glaube ich dieses Unbehagen, dass die Hörer auch in ihren Nachrichten an uns formuliert haben.

00:05:48: Eine weitere Frage, die uns erreicht hat geht in eine bisschen andere Richtung und betrifft auch die Gegenwart.

00:05:52: Nämlich gibt es so etwas wie eine Informationspflicht für Sportlerinnen und Sportler oder gab es die auch schon früher?

00:05:59: Dinge, die man über ein Land wissen muss, in dem man reist?

00:06:01: Da geht's ja nicht nur um die politische Lage sondern manchmal auch schlicht um die Frage, wie man sich vor Ort richtig verhält ohne seine Gastgeber vor den Kopf zu stoßen.

00:06:09: Das hat sich spätestens verändert.

00:06:11: unter Klinsmann kann mich noch daran erinnern im Jahr Vier gab es eine Reise in den Iran und auch dort gab es dann auch politische Informationen über die Lage im Iran.

00:06:23: Und zu allen politischen Fragen, die in den nächsten Jahren bei der Nationalmannschaft wo es dann relevant geworden ist, gab es vorher Informationsveranstaltungen für die Spieler.

00:06:32: also das hat sich verändert.

00:06:33: also in den in den siebzigerjahren über die Werte mal gesprochen haben über Argentinien Da hat so was nicht stattgefunden, aber es hat dann zu einem späteren Zeitpunkt sind die Spieler über all diese Fragen auch über Qatar und in Russland.

00:06:46: Darüber gab's vorher

00:06:47: Informationen.".

00:06:48: Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt, aber natürlich ist damit noch nichts alles gelöst.

00:06:51: Information ist das eine, was man damit macht – dass eben das andere.

00:06:55: Und mir kommt sofort der Gedanke, dass ja nicht nur die Sportlerinnen und Sportler betrifft sondern auch die mitreisenden Fans.

00:07:01: Kommen wir zur nächsten Frage.

00:07:03: Die runter hat sich bewusst als Teil der westlichen Wertegemeinschaft inszeniert und den Antikommunismus als Legitimation genutzt.

00:07:13: Hat das damals im Westen verfangen, auch in deutschen Sportjournalismus?

00:07:16: Und wurde die Diktatur irgendwie als in Anführungszeichen unsere Seite im Kalten Krieg wahrgenommen?

00:07:23: Diese Frage beantwortet uns nochmal Stefan Rinke.

00:07:26: Das lässt sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren.

00:07:30: In Argentinien und auch in vielen anderen Ländern Lateinamerikas war Antikkommunismus Erst einmal ein innenpolitisches Herrschaftsinstrument.

00:07:39: Das Militär und auch wirtschaftliche Interessengruppen, auch konservative Eliten die alle deuteten soziale Proteste und Geriergruppen überhaupt auch linke Parteien unter dem Sammelbegriff der Subversion.

00:07:56: Damit wurde ein sehr breites Spektrum politischer Gegner zu Feinden im Innern erklärt.

00:08:02: Der Antikommunismus war auch stark ideologisch geprägt.

00:08:05: Im Kalten Krieg hat sich die sogenannte Doktriner nationalen Sicherheit verbreitet und das nicht nur in Lateinamerika, also nicht mehr nur ein äußerer Feind galt als Bedrohung sondern vor allem auch der innere Feind in einer eigenen Gesellschaft.

00:08:20: Damit ließ sich dann Repression oder Folter und sogar Mord als angebliche Verteidigung der Nation legitimieren.

00:08:30: Eine bloße Sympathie mit dem Westen trifft es daher nur bedingt.

00:08:34: Die Militärregimes verstanden sich zwar als Teil des antikommunistischen Lagers und suchten auch Rückendeckung durch westliche Staaten, aber sie waren nicht unbedingt Anhänger westlicher Demokratie oder liberaler Werte.

00:08:48: Es handelt sich sich vielmehr um eine Verbindung aus innenpolitischem Machtinteresse, autoritärer Ideologie und realpolitische Einbindung in die westliche Ordnung des Kalten Kriegs.

00:08:59: Deshalb war das Schweigen westlicher Regierungen so folgenreich Denn die Regimes konnten ihre Gewaltpolitik als Beitrag zum globalen Kampf gegen den Kommunismus darstellen und zugleich internationale Legitimation gewinnen.

00:09:14: Eine höhererin fragt, ist Fußball auf so einer großen internationalen Ebene geradezu verdammt dazu politisch Missbrauch zu werden?

00:09:21: Und wenn ja liegt die einzige Chance auch wirklich unpolitischen Fußball vielleicht im lokalen Vereinsfußball vor Ort?

00:09:27: Dazu Michael Horini.

00:09:29: Im Lokalen engagiert sich dann eben nur der lokale Bäcker, der lokaler Metzgermeister sagen da findet alles im kleinen Rahmen statt.

00:09:36: Der ist sicher dann deutlich unpolitischer oder er ist unpolitisch.

00:09:39: und das wird man dort auch sicher so finden.

00:09:41: dass der Fußball in dieser Größenordnung über die wir jetzt sprechen, dass der immer anfällig ist für politische Instrumentalisierung beziehungsweise dass das fast schon immer nennt Da würde ich auch sagen, das ist in den meisten Fällen so.

00:09:53: Und das haben wir bei der letzten großen Turnier mehr oder weniger durchgängig erlebt.

00:09:57: Dass es zu politischen Diskussionen kommt und dass die zum Teil sehr schwierig zu führen sind sich dann auch die Verbände dort, wenn sie nicht gut vorbereitet sind.

00:10:07: Wir haben ja darüber gesprochen, wo Sie es zum Beispiel im Jahr den Deutschland mit Erdogan und Özil selbst aus Glatteis geführt haben oder selbst diesen Dingen nicht gewachsen sind.

00:10:16: Das war keine politische Diskussion, die aus dem Gastgeberland gekommen ist auf die man sich sozusagen nochmal auf eine andere Art und Weise vorbereiten kann oder vorbereitet hat.

00:10:25: Ich stelle mir aber vor nur theoretisch, deutsche Fußballspieler, Prominente sagen explizit auch innenpolitisch stark äußern würden.

00:10:35: Da bin ich auch mal gespannt wie so eine Diskussion verlaufen würde.

00:10:38: Auch das ist ja alles vorstellbar und bei großen Turnieren ist der Lerneffekt jetzt zumindest mal mit Blick auf die deutsche Mannschaft sicher nach den Erfahrungen in Katta so stark dass man sich einer politischen Instrumentalisierung oder wenn man es selbst vielleicht sogar befürwortet hat dem sich so bereitwillig nicht mehr hingeben wird.

00:11:02: Und ich gehe davon aus, dass jetzt bei den Vereinigten Staaten, dass wir wenig politische Äußerungen dazu erleben werden was natürlich dann auch wieder eine politische äußerung ist indem man sich eben nicht äußert.

00:11:12: Man kann ja nicht kommunizieren und das wird glaube ich in diesem fall in amerika der starkte Fall sein.

00:11:23: Eine Haltung.

00:11:24: Und es gilt für Spieler genauso wie die Verbände.

00:11:26: und das führt uns auch schon zur nächsten Frage, die noch einmal nachgebohrt hat was eigentlich mit Überpolitisierung gemeint ist.

00:11:33: Das war der Begriff den Michael Horrini unserer Hauptfolge benutzt hat und der offenbar für Diskussionsstoff gesorgt hat.

00:11:40: Genau eine Hörerin hat uns geschrieben dass sich ihr nicht ganz erschließt inwieweit man von einer Überpolitisierung von Fußball sprechen kann Und sie fragt, ob man damit nicht in die Karten der korrupten Machenschaften und Mächtigen hinter den Kulissen des Weltfußballs spielt.

00:11:57: Wenn man von einer Überpolitisierung das ohnehin politischen spricht.

00:12:02: Michael Horeini hat das jetzt konkretisiert was er damit meint?

00:12:06: Mein Punkt war bei der Überpolitisierung da habe ich vor allen Dingen an dieses Spiel in Deutschland- Twenty one zwischen Deutschland und Ungarn gedacht wo es eben diese Proteste gab angeregt als Protest von der München oder zumindest von der lokalen Politik, dieses Spiel als Protest gegen die Maßnahmen der ungernischen Regierungen in der Innenpolitik zu benutzen.

00:12:29: Diese Stimmung, die es dort gegeben hat.

00:12:32: Man kann das natürlich jetzt positiv verdrehen, dass man für Freiheitsrechte, für Minderheitenrechte und sexuelle Freiheiten, dafür kann man ja alles sein aber das wurde ja ins Gegenteil.

00:12:42: Das wurde alles negativ ausgelegt was Ungarn dort gemacht hat und beschlossen hat.

00:12:49: Und diese Stimmung hat sich massiv... während des Spiels gezeigt.

00:12:53: Und das halte ich für eine Überpolitisierung, wenn man sich ein Stück weit willkürlich ein innenpolitisches Thema eines Landes bemächtigt um daraus dann auch innenpolitik selbst kapital zu schlagen und da eine Politisierung auch der Zuschauer stattfindet die sich dann auf dem Spielfeld überträgt dass man kritisch gegenüber Gastgeber Russland sein kann sein soll dass man seine politische Meinung zu den USA und zu schwierigen Gastgebern haben kann, die wir sicher alle noch mal haben werden.

00:13:23: Weil das ist ja nicht die letzte Weltmeisterschaft, die stattfinden wird.

00:13:26: Das ist wieder auf einer anderen Ebene, sondern ich meine es wirklich sehr speziell wenn es in solche Fragen geht, die dann auch innenpolitisch sehr stark ausgenutzt werden.

00:13:35: Und ich hatte auch ein Stück weit den Eindruck, Diskussion um Katar so gewesen ist, dass es dort einen starken politischen Impuls auch der deutschen Regierung gegeben hat sich dieses Thema zu bemächtigen und damit auch eine Instrumentalisierung des Fußballs herbeigeführt.

00:13:51: die stark eben innenpolitisch getrieben war.

00:13:53: Und man hat ja auch später das Verhalten dann der Regierung gesehen, also es wird an diese Schwierigkeiten hatten als wenn Habeck dann auch in Qatar aufgetreten ist da war er von Kritik an dem Regime.

00:14:04: in dem Moment wo's um Energielieferung ging War das kein Thema mehr?

00:14:08: Auch wenn dann eben unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden Also wenn der Fußball politischer sein soll als die Politik Dann glaube ich dann wird schwierig.

00:14:15: Eine weitere Frage ist, die des Antisemitismus und das Rassismus auf dem Platz und den Rängen.

00:14:23: Das ist nämlich kein historisches Phänomen.

00:14:25: Gefragt wird nach der Rolle von Bildungsprogrammen für Spielerinnen und Spieler?

00:14:30: Was wissen wir darüber, ob solche Programme wirken?

00:14:33: Und hilft ein Programm für die Spielerinnen oder Spieler überhaupt?

00:14:37: Horene differenziert hier sehr genau zwischen zwei verschiedenen Ebenen.

00:14:41: Es sind zwei verschiedene Schuhe!

00:14:44: Wie gesagt, die werden informiert darüber wie die politischen Lagen sind wo die Problemlagen sind und das findet statt.

00:14:51: Das ist jetzt eine Grundinformationen, die geliefert wird ob das für eine Diskussion reicht wenn wir bei den Spielern bleiben.

00:14:57: es bleibt eben auch jedem Spieler überlassen ob er sich da politisch äußern will?

00:15:01: Es ist ja nur eine berechtigte Frage muss sich jeder Fußballspieler zu jedem politischen Problem äußer ist eigentlich seine Aufgabe?

00:15:08: im Podcast hatten wir es glaube ich auch besprochen Sobald es dort eine persönlichen Bezug gibt, ob das jetzt zum Thema Rassismus ist.

00:15:15: Da ist es ja ganz klar wenn das eine Mannschaft betrifft, wenn das einzelne Spieler betrifgt dass es dort einen Bezug zu gibt.

00:15:21: aber wenn es allgemeinere politische Fragen sind ob das wie wir sie in Russland hatten der Invasion oder mit anderen Fragen die damit zusammenhängen mit Katar Ob da die Spieler die richtigen Ansprechpartner für so etwas sind?

00:15:33: Da würde ich auch an der ein oder anderen Stelle auch ein Fragezeichen hin machen.

00:15:37: Aber in dem Moment wo er sich tatsächlich selbst betriffe Ist es nicht nur günstig, sondern auch wünschenswert, dass die Spieler sich äußern?

00:15:43: Bei der Rassismusfrage.

00:15:45: Sie haben das ja auch erlebt.

00:15:46: jetzt werden wir internationaler nach diesen verschossenen Elfmetern der Engländer im Finale der Europameisterschaft.

00:15:53: da gab es eine sehr starke Diskussion gegen Rassismus, die angestoßen worden ist Auch von der englischen Nationalmannschaft auf dem damaligen Trainer Southgate Die dann auch eine starke innenpolitische Wirkung gehabt hat.

00:16:04: Das sind natürlich noch mal Fragen, die tiefer gehen und die Spiele dann wirklich im Kern berühren.

00:16:10: Das ist noch mal eine andere politische Diskussion als eine weltpolitische Einordnung von, wie ich die Lage in den USA jetzt zum Beispiel bin.

00:16:17: Und damit kommen wir zur letzten Frage und das ist vielleicht die aktuellste denn sie betrifft direkt die WM-Kentrum-Präsidentin, die ja gerade kurz bevor steht.

00:16:26: Der somalische Schiedsrichter Oma Arthahn wurde bei der Einreise in die USA abgewiesen.

00:16:33: Er hatte nach somalischen Angaben ein gültiges Visum laut Berichten sogar einen Diplomatenpass.

00:16:38: Es ist einer von zweiundfünfzig von der FIFA nominierten Schiedsrichtern für diese WM und die FIFA hat einfach nur bestätigt, dass Arthahn wegen der nicht ermöglichten Einreise jetzt nicht an der WM teilnehmen kann.

00:16:50: Und in den vergaben des Jahrhunderts war es um die Vergabe der WMs, hatte sie noch erklärt, es darf keine Diskriminierung bei der Einreisen von WM-Teilnehmern geben – das war eine der Voraussetzungen bei der Ausschreibung!

00:17:01: Jetzt hält die FIFA sich raus und erklärt, die FIFA ist nicht an Einwanderungsprozessen der Gastgeberländer beteiligt.

00:17:07: Letztlich entscheidet die Regierung des Gastgebelandes, während das Land reisen

00:17:11: darf.".

00:17:12: Und da lautet natürlich die Frage wieso schafft es die FIFA bei einem internationalen Turnier?

00:17:18: Dass Länder miteinander verbinden soll – nicht einmal!

00:17:21: Die Einreise der Unparteiischen zu gewährleisten und sich dafür einzusetzen.

00:17:26: Michael Horini hat das sehr klar bewertet.

00:17:29: Das Informationsstand, den ich auch habe und Sie sagen oder sie deuten es zu Recht an.

00:17:33: Es ist ein skandalöser Zustand.

00:17:35: der Verband muss in der Lage sein Einreise genehmigung für alle seine Aktiven zudem auch die Schiedsrichter gehören.

00:17:41: das muss auch formell festgeschrieben sein dass das möglich ist.

00:17:44: das wird eine Grundvoraussetzung überhaupt einen Sportereignis in einem Land zu vergeben dass diejenigen daran teilnehmen sollen auch daran teil nehmen dürfen außer sie haben sich tatsächlich etwas zur Schulden kommen lassen.

00:17:55: das scheint aber in diesem Fall bei dieser Person nicht der Fall zu sein.

00:17:58: Ich glaube, es wäre auch der erste Schiedsrichter aus Somalia gewesen, der bei einer Weltmeisterschaft daran beteiligt ist.

00:18:03: Das ist ja auch nochmal ein besonderer Aspekt das jetzt ausgerechnet nicht möglich ist und es scheint ja wenn man diesen Nachrichtenstand glauben schenken darf, scheint es auch eine gewisse Willkür zu sein.

00:18:15: Das scheint zumindest nahezuliegen weil keine konkreten Vorwürfe genannt werden sondern es wird ja nur abstrakt genannt, dass da jetzt nicht diesen Regularien entspricht die für die Einwanderung notwendig sind und das sich dieser Stand auch absehbar nicht ändern wird.

00:18:28: Aber auf welcher Entscheidungsgrundlage?

00:18:30: Auf welchem Argument sich nun diese Entscheidung stützt, dass es bisher ja nicht transparent an.

00:18:35: normalerweise müsste ein Verband der Autonom sein will oder autonom ist in meisten Fällen.

00:18:42: Wenn man sich erinnert, welche Hebel die FIFA hat um Markenrechte durchzusetzen für ihre Sponsoren und es jetzt nicht schafft, ihre Teilnehmer vor Ort an den Staat zu bringen.

00:18:53: Dann ist das ein Zustand des

00:18:55: Beispieles.".

00:18:56: Und da schließt sich wieder der Kreis zum Jahr neunzehnt achtundsiebzig.

00:18:59: Die FIFA war auch damals nicht ohnmächtig.

00:19:02: Avelin stand auf dem Podium in Buenos Aires und dankte herunter für die hervorragende Organisation.

00:19:07: Auch das war eine Entscheidung.

00:19:08: wie gesagt ich weiß noch mal drauf hin.

00:19:10: Natürlich sind wir jetzt in einer anderen Lage vor der WM-Kentrum, da haben wir in der Hauptfolge sehr offen hingewiesen.

00:19:18: Genau!

00:19:18: Wir sind in einer anderer Lage und es hat sich einiges verändert die Transparenz, die Geschwindigkeit der Information, die Öffentlichkeit, die Druck aufbauen kann.

00:19:27: was sich aber anscheinend nicht verändert hat ist die Bereitschaft der FIFA sich in solchen Fällen wo's dann mal kritisch wird wirklich gegen Gastgeberländer zu stellen.

00:19:37: Damit sind wir jetzt auch am Ende der Fragen angekommen.

00:19:39: Vielen Dank an Professor Stefan Rinke und Michael Vorini, die sich die Zeit genommen haben ihre Fragen zu beantworten und vielen dank an Sie alle, die uns geschrieben haben!

00:19:48: Falls sie noch weitere Fragen Beobachtungen oder Einschätzung haben schreiben Sie uns gerne an podcastatfaz.de.

00:19:54: Wir verabschieden uns für heute bis zum nächsten Mal.

00:19:57: Mein Name ist Stefan Stahlberg

00:19:59: Und ich bin Michael Götz.

00:20:00: machen Sie es gut bis zum nächstem mal.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.