Q&A zu Unser Blick auf Putin: wie die Täuschung begann

Shownotes

In unserer Q&A-Folge diskutieren wir Ihre Rückmeldungen zu unserer Folge: Es geht um Russlands Imperialismus, Putins Rede im Deutschen Bundestag und die Frage, ob Putin hinter den Bomben auf russische Wohnhäuser steckt.

Zu unserer letzte Episode von Der Geschichtspodcast von F.A.Z. und Adenauer-Stiftung haben uns viele Hörerinnen und Hörer geschrieben, haben widersprochen, ergänzt oder nachgehakt. Genau daran knüpfen wir in dieser Folge an.

Gemeinsam mit unseren Experten Katja Gloger und Robert Kindler greifen wir Ihre Anmerkungen noch einmal auf und schärfen zentrale Punkte nach: Wie kam es zum deutschen Blick auf Putin in den 2000er-Jahren  und warum wurden viele Hinweise auf spätere Entwicklungen zwar wahrgenommen, blieben aber ohne politische Konsequenzen?

Im Fokus stehen die Hochhausanschläge von 1999, der zweite Tschetschenienkrieg und die Bundestagsrede im Jahr 2001. Wir fragen: War Putins Annäherung an den Westen ernst gemeint oder kalkulierte Inszenierung? Dabei geht es auch um ideologische Motive hinter Russlands Politik sowie um Zäsuren, wie den 11. September 2001, die den westlichen Umgang mit Moskau nachhaltig geprägt haben.

Gäste Katja Gloger, Journalistin und Autorin Robert Kindler, Professor für die Geschichte Ost- und Ostmitteleuropas an der Freien Universität Berlin

Hosts Christine Brunzel (Konrad-Adenauer-Stiftung) Angelika Fey (Frankfurter Allgemeine Zeitung)


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Transkript anzeigen

00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Q&A-Folge unseres Geschichts Podcasts von FAZ und Konrad Adenau Stiftung.

00:00:11: Mein Name ist Christine Brunzel, schön dass Sie dabei sind!

00:00:15: Und ich bin Angelika Faye.

00:00:16: In der letzten Folge haben wir uns mit den Anfangsjahren von Vladimir Poutins Macht beschäftigt also mit der Zeit zwischen dem Jahr zwei Tausend.

00:00:24: Wie wir gelernt haben, war das eine Phase in der sich vieles herausgebildet hat was heute das Bild von Russland prägt und in der auch unser Blick auf Putin entscheidend geformt wurde.

00:00:34: Und wir haben darüber gesprochen wie diese Jahre in Deutschland wahrgenommen wurden welche Wahnsignale es gab und warum viele davon anders interpretiert wurden als wir es heute vielleicht erwarten würden.

00:00:45: An dieser Stelle wollen wir Danke sagen für die vielen Interessanten und durchdachten Zuschriften – per Mail über YouTube und Spotify.

00:00:51: Gemeinsam mit unseren Experten aus der Folge, Katja Gloger und Robert Kindler, wollen wir jetzt ihre Fragen, Kritik oder andere Punkte aufgreifen, die in der letzten Folge vielleicht noch offen geblieben sind!

00:01:10: Unsere Folge beginnt ja mit dem Aufstieg Putins zum Präsidenten Russlands, zum Jahreswechsel N.A.

00:01:16: und dem Zweiten Tschechienkrieg, der im September N.a.

00:01:19: so richtig losging und Putin viel Popularität einbrachte – weil er sich als starker Mann inszenieren

00:01:25: konnte.".

00:01:26: Der Hörer Wolfgang Krautmacher schreibt uns in einer Mail sehr eindringlich und sehr persönlich wie er damals den Aufstieck Putins wahrgenommen hat und sich seit Februar-Zweitausendzwanzig stark mit der Ukraine solidarisiert.

00:01:38: Er verweist auf das eine Zitat von Putin, dass wir relativ am Anfang der Folge gespielt haben.

00:01:43: Wo er sich im Herbst, neun neunzig in drastischer Sprache zum Tschetschenienkrieg und dem russischen Vorgehen

00:01:49: äußert.".

00:01:51: Wenn sie im Flughafen sind erwischen wir sie im Flughafen und wenn Sie auf der Toilette sind werden wir sie eben auf dem Scheißhaus abmurksen.

00:02:01: Dazu bemerkt Wolfgang Krautmacher, dass wir heute erleben wie genau solche Politiker die Grenze des Sackbahns immer weiter verschieben Zulauf haben.

00:02:09: Weil die Leute meinen diese Form das Klartext sei hilfreich und außerdem weist er darauf hin, dass gute Sitten vielleicht doch mehr sind als nur eine Etikette langweiligen Bürgertums.

00:02:19: Ein wesentlicher Anlass für den Zweiten Chechenienkrieg war eine Serie von Bombenanschlägen auf Wohnhäuser in Russland.

00:02:25: Von offizieller Seite hieß es, chechenische Terroristen hätten die Anschläge verübt.

00:02:29: In unserer Folge gehen wir aber auch darauf ein dass es dem Verdacht gibt das der FSB also der russische Inlandsgeheimdienst oder sogar Putin selbst hinter den Anschlägen

00:02:37: steckt.

00:02:38: Wir haben Katja Glogan nochmal nach den Anschlagen gefragt und sie weist darauf hin, dass russischen Medien früh über Zweifel an der offiziellen Darstellung berichten Denn nirgends sind die Medien in Russland noch vergleichsweise unabhängig.

00:02:50: Und außerdem haben mutige Abgeordnete der Duma, also des russischen Parlaments schon früh Untersuchungen angestrengt

00:02:57: Sie seien, so hat Katja Gloga mir gesagt.

00:02:59: Zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei diesen Sprengstoffanschlägen um Inszenierung des russischen Geheimdienstes gehandelt haben soll mit dem Ziel, Vladimir Putin als entschlossenen harten Kämpfer gegen Terrorismus bekannt zu machen und ihm damit die Präsidentschaft in Russland zu

00:03:12: sichern.".

00:03:13: In unserer Folge haben wir von diesem Verdacht erzählt – allerdings auch gesagt das man nicht beweisen kann ob es Putin nun war oder nicht.

00:03:20: Dazu schreibt der Hörer Ed Jorah-Adler bei YouTube Der Fall ist klar, hinter den Anschlägen von der FSP und Putin stand.

00:03:29: Wer hat die deutsche Politik darauf reagiert?

00:03:32: Was für eine Frage!

00:03:33: Genau gleich wie die deutschen Medien – nämlich gar nicht.

00:03:36: Stattdessen ablenkungsmanöver um das schöne Russland nicht zu bedrängen.

00:03:43: Auch deutsche Medien haben darüber berichtet.

00:03:47: Geheimdienste haben Analysen geschrieben, es war nicht so dass die deutsche Öffentlichkeit, die deutsche Politik darüber nichts wissen konnte.

00:03:59: In Russland verliefen die kritischen Ermittlungen im Sande.

00:04:17: Duma-Abgeordnete

00:04:25: Also, es ist das selbe Muster wie bei anderen Themen.

00:04:28: Es wurde zwar berichtet – die Informationen waren verfügbar -, es wurden nur die falschen Konsequenzen daraus gezogen und das gilt auch für Russlands brutales Vorgehen im Zweiten Tschercinienkrieg.

00:04:38: Schon im Januar, also ganz kurz nachdem Putin Präsident wurde sind Außenminister Joschka Fischer und der Diplomat Klaus Schariot nach Moskau gefahren.

00:04:47: Man sprach über die Wirtschaft.

00:04:51: Und das Entsetzen weltweit ja eigentlich über die brutale Kriegsführung in der autonomen Kaukasusrepublik und den angrenzenden Kau.

00:05:01: kasusrepubliken wie Dagestan war groß.

00:05:04: Es war schon der zweite Krieg gegen Chichenien innerhalb weniger Jahre, in Europa debattierte man sogar über mögliche Sanktionen.

00:05:12: Fischer fragte Vladimir Putin ob man nicht internationale Beobachterrichtung Chechenien schicken könnte.

00:05:21: Dies sei ein wichtiges politisches Signal, aber Putin hat geantwortet dass die Rebellen also die Separatisten vernichtet werden müssen.

00:05:32: es sei nötig sagte er das wir ganz hart zuschlagen.

00:05:38: Diese Begegnung anfangt zwei tausend führte jedenfalls dazu, dass Klaus Schariot auf dem Rückflug in sein kleines Notizbuch das er immer bei sich

00:05:48: trug

00:05:49: folgendes notierte.

00:05:51: Vladimir Putin hochintelligent hart skrupellos ein kalter entschlossener Operateur und der schrieb, dass man mit so jemandem nicht befreundet sein wolle.

00:06:07: Aber solche Bedenken, die spielten in Deutschland dann

00:06:14: doch

00:06:14: schnell kaum noch eine Rolle.

00:06:18: Man wollte Putin eben in einem guten Licht sehen und eine Sache, die immer wieder ins Feld gefühlt worden ist – in der Anfangszeit seiner Regierung.

00:06:25: Putin hat das Land wirtschaftlich stabilisiert!

00:06:28: Putin gilt vielen Bewunderern als das wirtschaftliche Genie, dass Russland nach dem Chaos der Ninzehneinziger Jahre im Alleingang gerettet hat.

00:06:42: Doch ein Blick auf die Daten entzauber diesen Mythos – Putin war vor allem ein Glücksritter der Weltwirtschaft!

00:06:48: Als er im Jahr zweitausend die Macht übernahm, erlebten die globalen Märkte eine beispiellose Rohstoffe aus, angetrieben vom unersättlichen Energiehunger Chinas.

00:06:58: Der rasant steigende Ölpreis spielte hunderte Milliarden Dollar in die Kremelkassen.

00:07:03: Dieser gigantische Geldsegen sanierte den Haushalt, finanzierte Sozialprogramme und täuschte über strukturelle Schwächen hinweg.

00:07:11: Statt den historischen Jackpot für eine Modernisierung und Diversifizierung der Wirtschaft zu nutzen, zementierte Putin die Abhängigkeit vom fossilen Tropf.

00:07:20: Russland wurde unter seiner Führung kein moderner Industriestaat sondern eine korrupte Tankstelle mit Atomwaffen.

00:07:27: Sie schreiben von Ladimir Putin als Glücksritter der Weltwirtschaft.

00:07:31: Das ist ein schöner, ein treffender

00:07:35: Begriff.

00:07:35: Anwortet Katja Kloger.

00:07:37: Denn

00:07:37: tatsächlich war es so, dass Ladmir Putin im Jahr zweitausend, de facto ja die Machtübernahme war von Boris Yeltsin zum Präsidenten zu seinem Nachfolger eingesetzt worden konnte.

00:07:51: Ladmir Putin in der Tat von den stetig steigenden Rohstoffpreisen vor allen Dingen, den stets steigende Preisen für Öl und Gas profitieren.

00:08:05: Windfall Profits spürten Milliarden und Milliarden an Export erlösen in das Land.

00:08:13: Richtig ist aber auch dass es vor allem in den ersten Jahren, weil die mehr Putins Herrschaft gelungen war das Land makroökonomisch zu stabilisieren und damit auch eine gewisse politische Stabilität zu erwirken.

00:08:34: Es war nämlich mit dem Auch dem ökonomischen, den finanziellen Chaos der Neunzigerjahre als Russland de facto vor dem Staatsbankrott gestanden hatte.

00:08:47: Damit war es jetzt vorbei und zum ersten Mal in ihrer Geschichte konnten die Menschen in Russland ja wirklich auf eine einigermaßen stabile Zukunft hoffen.

00:09:00: Es entwickelte sich so ein beispielloser Bauboom.

00:09:05: Noch nie sei es der russischen Bevölkerung so gut gegangen wie in diesen goldenen Nullerjahren, wie die Anfangszeit von Putins Präsidentschaft in Russland genannt werde, sagt Katja Gloga.

00:09:14: Aber mit dem Geld das zur Verfügung stand habe Putin auch sein Machtsystem stabilisiert.

00:09:19: Vladimir Putin und seine Oligarchen wurden sagenhaft reich eine Kleptokratie ein mafioses System mit dem die Menschen sich eine Weile arrangiert hätten.

00:09:28: Man mischt sich da oben eben nicht ein.

00:09:30: Und dieser Konsens habe ungefähr bis Zwei-Tausend-Zwölf gehalten, als Putin dann doch nach Medvedya Fida Präsident

00:09:36: wurde.".

00:09:46: In den Kommentaren war oft zu lesen, dass die russische Bevölkerung schon immer imperialistisch gewesen sei und es naiv wäre das anders zu sehen.

00:09:54: Nun sind solche Verallgemeinerungen schwierig also eine große Bevölkerungsgruppe so generalisiert zu Imperialisten zu erklären.

00:10:01: nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ja ähnliches auch über die Deutschen gesagt und das stimmt ja heute auch nicht mehr.

00:10:07: Wir haben über diesen Aspekt mit Robert Kindler gesprochen.

00:10:10: Also sind tatsächlich große Teile der russischen Bevölkerung von Großmachtdenken geprägt, sodass man kaum hoffen kann dass sich Widerstands gegen Putin entwickelt selbst wenn die Lage schlechter wird.

00:10:21: oder könnte sich die Einstellung der Menschen ändern wenn sich die Umstände verbessern würden etwa durch freie Presse mehr Reisefreiheit Wohlstand und Bildung.

00:10:29: Dazu sagt kindler Russland bzw das russische Imperium habe eine lange Tradition imperialer Herrschaft.

00:10:37: Spätestens seit Mitte des sechzehnten Jahrhunderts entwickelt sich Russland zu einem multietnischen Reich das große Teile Eurasiens unterwirft, wobei ethnische Russen stets eine zentrale Rolle spielen.

00:10:48: Aber selbstverständlich die russische, die sowjetische Geschichte ist erzählbar und wird nur verständlich wenn man sie als eine Geschichte des Imperiums erzählt.

00:10:57: Und das Zentrum dieses Imperiums ist Russland selbstverständliche und Moskau und St.

00:11:02: Petersburg, Leningrad sind die Metropolen dieses Imperium.

00:11:06: Und selbstverständlich macht es was mit dem Bewusstsein dieser Bevölkerung.

00:11:11: Das heißt aber auch nicht, dass das alle Russinnen und Russen so bedingungslos teilen und das heißt wenig, dass es nicht auch veränderlich wäre.

00:11:19: Aber man muss sagen ist eine Diskussion die insbesondere von Seiten ja von ganz unterschiedlichen Seiten eigentlich immer wieder geführt wird zu sagen Es gibt dieses imperiale Mindset diese Auch übrigens unter Gegnerinnen und Gegnern Putins verbreitete Perspektiven der Gewissen.

00:11:37: Ich nenne das mal russischen

00:11:38: Überlegenheit.".

00:11:40: Robert Kindler bezweifelt, dass seine Nachdenken über die eigene imperiale Geschichte in einer kritischen Art und Weise in den nächsten Jahren zu einem relevanten Faktor wird.

00:11:48: Aus russischer Sicht gebe es gerade andere Themen.

00:11:51: Mehrere Hörer haben bei YouTube über die Motive des russischen Angriffs auf die Ukraine diskutiert.

00:11:56: Also das Russlands-Angriff nicht primär mit Sicherheitsinteressen zu erklären ist, sondern auch ideologisch.

00:12:02: Kai Andersson unter Strich drei vier drei schreibt Wenn man einmal Alexander Duggin gelesen hat, den Hofphilosophen des Kremls, versteht man warum die Ausrede von Sicherheitsinteressen nicht der originäre Grund war, die Ukraine zu überfallen.

00:12:16: Denn solche ideologischen Einflüsse spielen eine große Rolle – das haben wir ja in der Folge gehört!

00:12:22: Die Ukraine ist ein Teil der russischen Erde, der nicht wegzudenken ist.

00:12:26: und da sind wir wieder bei der imperialen Dimension.

00:12:29: Selbstverständlich ist dieser Krieg gegen die Ukraine nicht zu erklären, allein jetzt mit Fragen von Sicherheitsinteressen und dergleichen mehr.

00:12:36: Sondern da spielt eine Idee von Identität, von historischem Erbe und von eindenkenden Einflusszonen eine ganz wichtige

00:12:45: Rolle.".

00:12:45: Dugin ist zwar eine wichtige Figur hat aber nicht den Einfluß, der ihm bei uns immer zugeschrieben wird, sagt Kindler.

00:12:52: Da gibt es ganz andere, viel prominentere und auch viel sichtbare Figuren gegenwärtig die zum Beispiel in diesen ganzen Talkshows ständig die Stichworte geben.

00:13:00: Also jemand wie Salavrov oder so ist sicherlich natürlich vielleicht nicht so belesen aber viel viel einflussreicher und wirkmächtiger in seiner ganzen medialen Präsenz als Alexander Duhi.

00:13:12: Und das zeigt nochmal, Ideologie spielt eine zentrale Rolle.

00:13:15: Aber sie wirkt nicht für sich allein sondern im Zusammenspiel mit Machtpolitik medialer Inszenierung und historisch gewachsenen Denkmustern.

00:13:24: Ein bisschen Kritik gab es auch an unserer Folge.

00:13:26: Der Hörer Wolfgang Krautmacher vermisst in unserer Folge dass wir nicht auf die weitreichenden Folgen der Terroranschläge vom elften September zwei tausend eins eingegangen sind Denn die hätten Zitat Putins Russland erlaubt den Krieg gegen Chechnien uns Europäern als seinen Beitrag im Kampf gegen den Islamismus zu verkaufen, sodass wir nichts sehen wollten und teilweise auch nicht sehen konnten dass sich hier eine nicht minder große Gefahr für den Weltfrieden etabliert.

00:13:53: Katja Gloga stimmt diesem Hinweis auf die Bedeutung der Terroranschläge von Nine Eleven zu.

00:13:58: Die Folgen könnten gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

00:14:01: Sie führten auch dazu das die Kritik Es voll gab Vorgehen Vladimir Putin gegen separatistische Bewegungen und Bestrebungen im Süden Russlands, nämlich in den Kaukasus-Republiken.

00:14:22: Dass man sagen über dieses Vorgehende den brutalen Krieg, den Vladimir Putin seit deiner Hälfte Die separatistischen Gruppen, schlicht auch Terrorgruppen irgendwie geführt hatte, dass man da eher wegschaut.

00:14:42: Vladimir Putin war der erste Regierungschef, der erste Staatspräsident, der George W Bush nach dem Elften September anrief ihm das Mitgefühl ausdrückte und ihm Unterstützung im Kampf gegen den Terror wie zusagte.

00:15:02: Diese Unterstützung gewährte er auch in gewisser Weise, und zwar bis zum schmählichen Abzug der Amerikaner und der verbliebenen NATO-Truppen aus Afghanistan im August.

00:15:24: Durch Abkommen die zusagenden NATO Truppen durch Russland transportieren zu können in Flughäfen, in post-Sovietischen Republiken langen zu können, auftanken zu können.

00:15:37: Diese Abkommen, diese Transitabkommen wurden bis zum Jahr zwanzig über die Jahre immer wieder

00:15:45: verlängert.".

00:15:46: Und dieser Rolle von Putin als Kämpfer gegen den islamistischen Terrorismus?

00:15:50: Die hilft ihm auch bei seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag, denn die hält er nur zwei Wochen nach den Terroranschlägen vom elften September.

00:15:57: Ja diese Rede war ja ganz wichtig für den deutschen Blick auf Putin und auch dazu haben wir Rückmeldungen von Hörern bekommen.

00:16:04: Andreas Wagner hat uns geschrieben, wir hätten Putins Verhalten bei seiner Rede damals zwar nachvollziehbar dargestellt aber einen wichtigen Aspekt nicht aufgegriffen.

00:16:13: Nämlich dass die Freundlichkeit Putins auf der Wunschvorstellung deutscher Politiker beruhe und nicht in der Persönlichkeit Putines.

00:16:20: Demnach sei uns schon bei seiner Rede ein manipulativer Machtmensch begegnet, der kalt seine Motive und Interessen seines Landes verfolge – und eine deutsche Politik, die sich mehr von Ideologien als von der Realität leiten

00:16:32: ließ.".

00:16:33: Kurz gefragt also, war Poutine's kooperatives Auftreten im Bundestag echt oder schon Teil einer Täuschungsstrategie?

00:16:40: Aus der Rückschaue scheint es so zu sein als sei das tatsächlich ein großes Manöver gewesen.

00:16:46: Also ich denke man geht fehl wenn man sagt Das war alles so geplante.

00:16:50: Es gab den Versuch mit konsilientem Verhalten mit entgegenkommen und auch in der Schamoffensive, wenn wir den Begriff benutzen wollen.

00:16:59: Bestimmte Ziele zu erreichen – das haben die schon ernsthaft versucht.

00:17:01: Das war eine russische Strategie.

00:17:03: Ob sie darauf abzielte tatsächlich eine Kooperation auf Augenhöhe hinzubekommen oder nicht?

00:17:10: Da gehen die Meinungen wirklich sehr, sehr weit auseinander.

00:17:12: Allerdings sei im Westen unterschätzt worden, dass sich Russlands Politik in den letzten zwanzig Jahren zunehmend verhärtet habe.

00:17:19: Zuerst in der Rhetorik und später auch im konkreten Handeln

00:17:22: kann jeden und jede verstehen, die sozusagen daraus ableiten.

00:17:25: Das war sozusagen die groß angelegte Strategie.

00:17:27: Aber ich glaube dazu ist zu viel Kontingenz.

00:17:30: Wir gehen immerhin über den Vierteljahrhundert jetzt mittlerweile.

00:17:32: Seit dieser Rede, das wird wohl nicht der große Plan gewesen

00:17:38: sein.".

00:17:39: Oder anders gesagt ob Schamoffensive oder Kalkül entscheidend ist dass sich Russlands Politik Schritt für Schritt verschärft hat in einer Entwicklung deren Härte im Westen lange unterschätzt wurde?

00:17:50: Wir haben ja in der Folge einen kurzen Ton eingespielt aus der Rede Putins im Bundestag.

00:17:55: Gerald Blasell, zwei sechs zwei fünf Tee meint das von uns ausgewählte Zitat zeige zwar seinen persönlichen Ton...

00:18:16: Aber wir hätten aus der Rede einen wichtigen Punkt vergessen.

00:18:19: Wesentlich in seiner Rede sei das Angebot einer gemeinsamen europäischen Sicherheitspolitik gewesen.

00:18:38: Auch hier kann man fragen, ob das ein ernst gemeintes Angebot war oder nur Teil einer strategischen Täuschung?

00:18:44: Wie ernst jetzt dieses russische Entgegenkommen gewesen ist, das ist wirklich schwer zu sagen.

00:18:51: Ich glaube es hätte eine Chance gegeben für ne begrenzte Sicherheitsarchitektur.

00:18:55: aber wir dürfen auch nicht vergessen Es hat im Grunde bis in den Februar zwanzig zweiundzwanzig immer wieder Versuche gegeben auch sozusagen Angebote zum Machen.

00:19:03: Kindler sagt Die NATO habe sich sicherlich versucht, sich breit aufzustellen.

00:19:07: Aber dabei immer wieder versucht russische Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen – zum Beispiel in den USA und die Ukraine eben nicht in das Bündnis aufzunehmen oder russischer Offiziere in NATO-Strukturen einzubinden.

00:19:19: Dass er bei nicht jeder Wunsch Moskauß erfüllt werden konnte, liege auch auf der Hand.

00:19:23: Wir müssen halt fragen warum hat die Russische Seite immer so agiert dass sie eigentlich immer gesagt hat es ist nicht genug?

00:19:32: Das ist so ein bisschen die eigentliche Crux-Ansehersache.

00:19:36: Was Putin mit der Ukraine vorhat, habe Putin schon zu Beginn der Zweitausender gesagt, schreibt Andriy Kossak bei YouTube.

00:19:43: Er bezieht sich vermutlich auf die kürzlich vom Nationalen Sicherheitsarchiv der USA veröffentlichten Gesprächsputokolle zwischen Putin und George W. Bush.

00:19:51: Und daraus geht hervor unter anderem das er schon in den Jahren des Jahrhunderts.

00:19:58: Was bedeutet es also für die Bewertung von Putins Politik, dass er seine Haltung bezüglich der Ukraine schon so früh, so deutlich formuliert hat?

00:20:06: Ich glaube das in der russischen Führung dieses Unbehagen immer da gewesen ist und ich glaube das war denn auch sehr wichtig das zu formulieren.

00:20:16: Aber daraus jetzt abzuleiten – das hat da den lang angelegten Plan gegeben Krieg zu führen, das glaube ich nicht.

00:20:22: was aber Wichtig gewesen ist Unruh-Stiften, womöglich destabilisieren und sozusagen den Nachbarn nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

00:20:31: Wir haben es ja vorhin gehört – auch in der Folge – diese anhaltende Unzufriedenheit und die Weigerung, den Zerfall der Sowjetunion und daraus entstandene Ordnung anzuerkennen sind eine zentrale Ursache.

00:20:43: Das war ein bisschen auf der Anfangspunkte, dass wir gesagt haben da gibt's so ein dauerhaftes Bewusstsein dafür.

00:20:48: eigentlich muss das uns gehören.

00:20:50: aber daraus jetzt abzuleiten, es musste so kommen!

00:20:52: Da liegen mich immer ein bisschen verwehrend.

00:20:55: Wir können es erklären, aber wir können nicht sagen, weil jemand sich so geäußert hat, hat er auf diese und jene Art.

00:21:06: Dazu ist zwischendrin zu viel passiert.

00:21:08: Aber die Konstanz des Denkens können wir sehr wohl

00:21:12: beobachten.".

00:21:13: Was bleibt?

00:21:14: Vielleicht ist das eine der zentralen Einsichten aus dieser Diskussion... Vieles war sichtbar, manches wurde auch benannt.

00:21:21: Aber die Konsequenzen daraus sind oft ausgeblieben oder wurden zumindest anders gezogen als wir es heute rückblickend erwarten

00:21:27: würden.".

00:21:34: An

00:21:43: dieser Stelle können wir schon die nächste Folge an Tisern, unsere Kollegen Michael und Stefan Blicken passen zum WM-Staat in zwei Wochen zurück ins Jahr neunzehn-hundertundseinhalbzig.

00:21:53: Und zwar zur Fußballweltmeisterschaft in Argentinien, die im Schatten einer Militärdiktatur stattfand.

00:21:59: Vielen Dank für Interesse und fürs Zuhören!

00:22:01: Mein Name ist Christine Brunzel.

00:22:03: Ich bin Angelika Faye – Machen Sie es gut!

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