Der Super-GAU von Tschernobyl und die deutsche Atomangst
Shownotes
Der Reaktorunfall von Tschernobyl ist scheinbar weit weg passiert, aber durch den Wind kam die radioaktive Wolke auch zu uns. Wir besprechen, wie Deutschland reagierte, was das Besondere an der deutschen Atomangst ist und fragen, ob diese Angst etwas mit der deutschen Geschichte zu tun hat.
Am 26. April 1986 kommt es in Tschernobyl zur Katastrophe: Es ist das bisher schwerste Reaktorunglück überhaupt. In Deutschland erschüttert der GAU das Vertrauen in Technik und staatliche Krisenvorsorge. Ein Einschnitt, der die Debatten über Atomkraft über Jahrzehnte prägen wird. Gemeinsam mit den Historikern Frank Uekötter und Frank Biess gehen wir in dieser Folge des Geschichtspodcast von Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Konrad-Adenauer-Stiftung diesen langfristigen Folgen für Deutschland und Europa nach.
Wir blicken auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen in Ost und West und vergleichen die deutschen Reaktionen mit denen Frankreichs, Schwedens und Italiens. Dabei gehen wir der Frage nach, welche Rolle die Friedensbewegung und die Proteste von Wyhl, Brokdorf und Gorleben in den 70ern spielten und prüfen die These, ob die Erinnerung an den Nationalsozialismus ganz entscheidend war für die spezifisch deutsche Atomangst.
Außerdem schauen wir auch auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 und klären, wie es in der Folge zum deutschen Atomausstieg kam. Schließlich fragen wir, welche Zukunft die Kernkraft in Deutschland haben könnte. Jens Spahn, Markus Söder und Ursula von der Leyen fordern die Rückkehr zur Kernkraft. Die Forschung setzt auf Fusionsreaktoren und kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, kurz SMR).
Q&A-Fragen Haben Sie Fragen an Frank Biess? Schreiben Sie uns! Außerdem interessiert uns: Denken Sie, dass Tschernobyl unsere Gesellschaft bis heute prägt? Was sollte man aus Tschernobyl für den heutigen Umgang mit Risiken und Krisen lernen? Hat sich Ihre Position pro oder contra Kernkraft über die Jahre verändert und gab es dafür wichtige Wendepunkte? Schicken Sie Ihre Fragen oder Kommentare gern an podcast@faz.de oder schicken Sie eine Sprachnachricht an das Podcast-Handy: 0172 - 778 2384. Ihre Fragen und Kommentare besprechen wir in der Q&A-Folge, am Donnerstag, den 30. April. Einsendungen können gekürzt oder auszugsweise verwendet werden.
Gäste Frank Uekötter, Professor für Umwelt- und Technikgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum Frank Biess, Professor für Europäische Geschichte an der University of California, San Diego Christian Hübner, Leiter der Abteilung Globale Ressourcen und Nachhaltigkeit bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
Hosts Angelika Fey (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Christine Brunzel (Konrad-Adenauer-Stiftung)
Literatur und Quellen Biess, Frank: Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik. Reinbek bei Hamburg 2019. Bilhöfer, Peter: 26. April 1986: Tschernobyl. Folgen einer Katastrophe. Stuttgart 2021. Higginbotham, Adam: Mitternacht in Tschernobyl. Die geheime Geschichte der größten Atomkatastrophe aller Zeiten. Frankfurt am Main 2019. Jordan, Katrin: Ausgestrahlt. Die mediale Debatte um “Tschernobyl” in der Bundesrepublik und in Frankreich 1986/87. Göttingen 2018. Pausewang, Gudrun: Die Wolke. Ravensburg 1987.
Produktion Autoren & Redaktion: Christine Brunzel, Angelika Fey Sprecher: Felix Hoffmann Produktion: F.A.Z. Audio in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Soundlogo: David Brucklacher Redaktionelle Beratung: Michael Götz Mitarbeit: Johanna Westermann und Lena Barozzi
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Transkript anzeigen
00:00:09: Atomkraftwerk Tschernobyl, Samstag, der sechsohnzwanzigste April, nineteenhundertsechsund achtzig Mitternacht.
00:00:16: Schichtwechsel Die Mannschaft des jungen Schichtleiters Alexandra Akimov übernimmt die Regler.
00:00:21: Parallel laufen schon seit einigen Stunden Vorbereitungen für einen kurzen Sicherheitstest.
00:00:27: Deshalb ist auch Anatoly Dyatlov der stellvertretende Chef-Ingenieur des Kraftwerks im Kontrollraum.
00:00:33: Jatlov ist erschöpft, er hat fast zwei Tage nicht geschlafen weil der Test immer weiter nach hinten verschoben wurde.
00:00:39: Jetzt endlich soll es losgehen!
00:00:42: Simuliert wird ein Stromausfall.
00:00:44: Ziel ist es zu überprüfen ob die Hauptturbine im Auslaufen noch genug Strom liefert und so die kurze Zeit überbrückt bis das Notstromaggregat anspringt.
00:00:54: Für den Test gibt es klare Vorgaben.
00:00:56: Der Reaktor soll auf eine bestimmte Leistung heruntergefahren werden.
00:00:59: Aber Ingenieur Dyatlov will vom Testprotokoll abweichen und die Leistungen des Reaktors massiv weiter reduzieren, wohl weil er denkt das sei für den Test besser.
00:01:10: Schichtleiter Akimov hält eine Kopie des Protokolls in den Händen und widersetzt sich dem Befehl des älteren vehement.
00:01:16: Die Männer streiten laut.
00:01:18: Ingenior Dyatloff setzt sich durch.
00:01:21: Das regelwidrige Herunterfahren des Reakhtors hat Folgen.
00:01:24: Unbemerkt.
00:01:25: von den Männern im Kontrollraum sammelt sich im Kern immer mehr Xenon-Gas-Hundert-Fünfunddreißig.
00:01:30: Der Reaktor wird vergiftet und instabil, ein Uhr dreiundzwanzig.
00:01:36: der Sicherheitstest beginnt.
00:01:37: die Dampfzufuhr vom Reaktorsur-Turbine wird dafür geschlossen.
00:01:41: Die Turbine wird geplant langsamer.
00:01:44: es läuft gut.
00:01:44: schon sechsund dreißig Sekunden später ist der Test der Stromversorgung beendet aber gerade als die Männer in Kontrollraum sich entspannen wollen flackern die Alarmlampen auf.
00:01:57: Im instabilen Reaktor ist der Test, der letzte Schritt hin zur Eskalation.
00:02:01: Binnen weniger Sekunden wird ein sich verstärkender Hitzekreislauf in Gang gesetzt.
00:02:06: Die Leistung des Reaktors schießt in die Höhe, übertrifft den Spitzenwert auf den er ausgelegt ist um ein Vielfaches.
00:02:12: Im Kontrollraum brüllt Schichtleiter Akimov den Befehl für die Notabschaltung – doch zu spät!
00:02:25: Der Boden vibriert.
00:02:26: Die Temperatur im Reaktor steigt auf ... fast so heiß wie die Oberfläche der Sonne.
00:02:34: Um ein Uhr vierundzwanzig ist ein Ohren betäubendes Dröhnen zu hören.
00:02:38: Dann eine katastrophale Explosion!
00:02:56: Die Sowjetunion will den Unfall trotzdem geheim halten.
00:03:00: Zwei Tage später, Schweden, April, Vormittag.
00:03:05: Der erste Alarm im Kernkraftwerk Forschmark in Norduppland.
00:03:08: Außerhalb des Werks wird eine erhöhte Radioaktivität gemessen.
00:03:11: Zunächst denkt man das schwedische Kraftwerk hatte einen Unfall.
00:03:17: Es handelt sich um einen radioaktiven Austritt, dem man außerhalb von Forschmack entdeckt hat.
00:03:21: Man weiß noch nicht aus welchen der drei Reaktorblöcke dieser Austritt stammt Aber am Kernkraftwerk ist jetzt jede Arbeit eingestellt worden.
00:03:29: Sechshundert Arbeiter sind evakuiert worden und es sind noch hundert Arbeiter vor Ort, die daran arbeiten sollen und im Laufe des Tages Messungen durchführen.
00:03:39: Große Verwirrung im schwedischen Radio.
00:03:43: Wissen Sie was den Austritt verursacht hat?
00:03:47: Nein das wissen wir nicht!
00:03:49: Wir konnten keine Ursache finden.
00:03:51: Das ist ja das Merkwürdige aber es laufen Untersuchungen.
00:03:56: Schwedische Meteorologen berechnen Windströmungen und vermuten bald einen Unfall in der Sowjetunion.
00:04:02: Die Katastrophe von Chernobyl kann nicht mehr vertuscht werden, mehr als zwei Tage nach dem Unfall am Abend des achtundzwanzigsten April gibt es erstmals eine Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS.
00:04:24: Schnell bringen auch deutsche Sender, wie der SWR die Nachricht.
00:04:28: Bei einem Unfall in einem Atomkraftwerk der Sowjetunion sind nach offiziellen Angaben mehrere Menschen zu Schaden gekommen.
00:04:36: Die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur Tess meldete Einer der Reaktoren der Anlage Chernobyl bei Kiev in der Ukraine sei beschädigt worden Den Betroffenen werde Hilfe geleistet.
00:04:47: Das machte keine genaueren Angaben darüber, wie viele Menschen bei dem Unfall verseucht wurden.
00:04:52: Ob das Unglück auch Tote gefordert hat und wann es sich ereignete.
00:04:56: Chernobyl liegt weit weg von Deutschland.
00:04:58: Rund eineinhundertsechzig Kilometer Luftlinie sind es nach Berlin.
00:05:03: Der Unfall passiert in einem anderen politischen Systemen aber der Wind kennt keinen eisernen Vorhang.
00:05:09: Der radioaktive Regen ist auf dem Weg nach Deutschland.
00:05:18: Ja, die Atomkatastrophe von Chernobyl.
00:05:20: Das ist diesen Sonntag vierzig Jahre her.
00:05:22: Ist eigentlich eine lange Zeit aber das Interesse ist nach wie vor groß.
00:05:27: Wir haben es ja gehört Die Katastrophe ist weit weg passiert Aber mit dem Wind kamen die Radioaktivität auch zu uns nach Deutschland und da wurde schon so viele Jahre her ist kann man an manchen Orten immer noch erhöhte Werte messen.
00:05:39: Und es gibt noch eine andere Folge die sich bis heute in Deutschland auswirkt Nacht Chernobyl ist hierzulande kein AKW mehr neu in den Bau gegangen.
00:05:46: Es wurden nur schon geplante Projekte fertiggestellt.
00:05:49: Planungen für neue Kernkraftwerke waren in Deutschland nach Chernobyl nicht mehr
00:05:52: durchsetzbar.".
00:05:54: Damit hat Deutschland ganz anders reagiert als zum Beispiel Frankreich.
00:05:57: und wenn man jetzt mal in der Geschichte kräftig vorspult, Deutschland ist ja inzwischen aus der Kernkraft ausgestiegen.
00:06:02: Im Jahr zwanzig dreiundzwanzig sind die letzten drei Reaktoren vom Netz gegangen.
00:06:07: Weltweit ist Deutschland damit eines der ganz wenigen Länder, die mal laufende Kernkraftwerke hatten und dann aber dauerhaft ausgestiegen sind.
00:06:14: Wieso ist Deutschland da so besonders?
00:06:17: Gibt es eine spezifisch deutsche Atomangst oder ein neutraler formuliertes Spezifisches Skepsis?
00:06:22: Unsere These heute ist ja das isso!
00:06:25: Und wir wollen uns in dieser Folge anschauen woher dieses spezifikische Deutsche an diese Angst oder Skepsiss kommt.
00:06:32: Ein kleiner Teaser, es könnte was mit der Zeit des Nationalsozialismus zu tun haben.
00:06:37: Ein Kollege hat mir dazu gesagt steile These aber ich glaube wir haben gute Argumente.
00:06:44: Der besondere deutsche Weg bei der Kernkraft ist ja auch deshalb relevant weil die Entscheidungen von früher sich natürlich auf heute auswirken.
00:06:50: Wir können nicht mehr auf deutsche AKW zur Stromerzeugung zurückgreifen.
00:06:54: Aktuell haben wir eine Energiekrise wegen dem Iran Krieg und der Blockade der Straße vor Normus.
00:06:59: Und das hat Folgen nicht nur für Ölbenzin und Diesel, sondern auch für Flüssigas und damit die Stromerzeugung und ganz wichtig den
00:07:06: Strompreis.".
00:07:07: Was kommt deswegen jetzt wieder auf den Tisch?
00:07:09: Die Forderungen nach einer Rückkehr zur Kernkraft.
00:07:11: Jens Spahn fordert abgeschaltete AKW wieder flott zu machen – und auch Markus Söder will in Bayern Mini-AKW bauen!
00:07:17: Also die Folgen des Atomausstiegs sind gerade mal wieder sehr aktuell.
00:07:21: Deshalb wollen wir heute erklären, wie es dazu gekommen ist und was für Motive die Menschen und die Politiker jeweils an den entscheidenden Wendepunkten hatten.
00:07:29: Mein Name ist Christine Brunzel Und ich bin Angela Kaffei.
00:07:33: Sie hören den Geschichts-Podcast von der FHZ und der Adenauer Stiftung.
00:07:36: Schön dass sie dabei sind.
00:07:47: Wir sind im April.
00:07:48: nineteen hundred sechsen achtzig.
00:07:50: Was ist da los in Deutschland?
00:07:51: Was für Musik ist in der Bundesrepublik zum Beispiel geradein?
00:07:55: Also als ich das gesehen habe, welches Lied auf Platz eins der Charts war an diesem letzten April-Wochenende hab' ich mich gefragt.
00:08:01: Wollen wir da jetzt wirklich reinhören?
00:08:02: Aber es ist schon harter Kontrast.
00:08:05: Wir machen das jetzt einfach oder?
00:08:07: Wir machen dass Ja das sind Bruce und Bongo mit dem Lied geil.
00:08:16: Das klingt ja schön harmlos und auch etwas unbedaft.
00:08:20: aber zu dieser Zeit ist auch der Song Love Missile F-One Eleven in den Charts.
00:08:27: Und dann geht's um Krieg, um amerikanische Bomben?
00:08:35: Ja, denn Angst ist überall.
00:08:37: Vor Atomkrieg vor dem Waldsterben vor AIDS.
00:08:40: Die Pop-Kultur greift das auf in Katastrophen und Horrorfilmen.
00:08:43: die sind sehr beliebt.
00:08:44: Mitte der Achtziger boomen VRS und Videotheken.
00:08:47: Jetzt schaut man die Filme gemeinsam im Jugendzimmer auch als Mutprobe.
00:08:51: Ja da sind auch düstere Science Fiction Filme dabei wie The Terminator.
00:08:55: Das ist ein Film in dem eine KI die Menschheit per Atomschlag auslöschen will.
00:09:01: Und dann wieder das Kontrastprogramm.
00:09:05: Gleichzeitig startet in ist die Lundenstraße.
00:09:08: Der ganz normale Alltag, Woche für Woche dieselbe Straße und diese Mischung ist typisch für die Zeit der Bundesrepublik.
00:09:15: einerseits viel Unsicherheit andererseits ein Alltag der erstaunlich geordnet wirkt.
00:09:20: Die Nachricht über den Atomunfall kommt dann nach dem Wochenende am Montag in Deutschland an mehr als zwei Tage danach.
00:09:27: Die aktuelle Kamera in der DDR berichten.
00:09:30: Während man in der DDR versucht die Nachricht klein zu halten, wird sie in der Bundesrepublik schnell riesig.
00:09:35: Die Meldung platzt wie eine Bombe in die ereignisarme Nachrichtenlandschaft nach Ostern und verdrängt innerhalb weniger Stunden alles andere.
00:09:42: Wir haben ja beide keine Erinnerungen an die Zeit weil wir noch so klein waren aber offenbar war die Aufregung groß.
00:09:48: Ja, in der Bundesrepublik ist man völlig unvorbereitet.
00:09:52: Über die deutsche Reaktion auf den Atomundfall habe ich mit Frank Ükötter gesprochen.
00:09:55: Er ist ein Bochum Professor für Technik und Umweltgeschichte.
00:09:58: Es ist eine Katastrophe, die so noch nie passiert ist Und zum Glück ja bislang noch nicht oft passiert ist.
00:10:04: Also das ist etwas was Katastrophen, Routinen und Planungen von seiner Schier- und Urgewalt her sprengt.
00:10:09: Und alles was wir nach diesem Ereignis sehen ist gewissermaßen der hoffnungslose, hoffenungsvolle Versuch irgendwie dann doch noch etwas Systematik einzufangen.
00:10:22: Es gibt keine Notfallpläne, keine klaren Zuständigkeiten.
00:10:25: ein solcher Unfall gilt bis dahin als praktisch undenkbar.
00:10:28: Ein ganz oft zitierter Ton aus der Zeit kommt vom Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann von der CSU.
00:10:34: Das ist ja das erste Mal dass sich jemand aus der Regierung an die Bevölkerung wendet nach dem Unfall.
00:10:40: Ja das war am Dienstag also drei Tage nach dem unfall.
00:10:43: da versuchte er in der Tagesschau zu berügen obwohl verlässliche Informationen fehlen.
00:10:47: Herr Minister, ist es eine Gefährdung der Bevölkerung in der Bundesrepublik auszuschließen?
00:10:51: Ja.
00:10:53: Absolut auszuschließen denn eine Gefährtung besteht nur in einem Umkreis von dreißig bis fünfzig Kilometer um den Reaktor herum.
00:11:01: dort ist sie hoch.
00:11:02: wir sind zwei tausend Kilometer weg.
00:11:05: Messungen wie Sie in Skandinavien stattgefunden haben könnten zehn-zwanzigfach höher ausfallen in den Werten dann wäre das immer noch keine Gefährderung.
00:11:13: Wir messen durch unsere Station und die Länder unaufhörlich.
00:11:17: Bei uns gibt es überhaupt keine erkennbare Erhöhung der Radioaktivität bis
00:11:20: jetzt.".
00:11:21: Man muss aber sagen, in ganz Westeuropa herrscht Unsicherheit.
00:11:24: Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt genau wie viel Radioktivität freigesetzt wird und wohin sie sich bewegt!
00:11:30: Zunächst heißt es nur bei Ostwind, könne Deutschland betroffen sein.
00:11:33: Doch das Wetter spielt nicht mit!
00:11:34: Die Wolke erreicht große Teile des Landes.
00:11:37: Zugleich wurde die von dem Auswirkontrolle geratenen Reaktor ausgehende radioaktive Wolke weiter nach Westen getrieben.
00:11:44: Nach den skandinavischen Ländern und Polen registrierten auch Messstationen in Österreich der Bundesrepublik und der Schweiz erhöhte Radioaktivität in der Luft.
00:11:54: In Bonn betonte jedoch Ansprecher der Bundesregierung, selbst bei ungünstigen Witterungsbedingungen besteht keine Gefahr für die Gesundheit.
00:12:10: Denn mit ihm lagern sich radioaktive Stoffe im Boden an, der sogenannte Fallout.
00:12:14: Ab Mitte Mai ist völlig klar – das verändert auch das Leben in Deutschland!
00:12:18: In einigen Regionen steigen die Belastungen im Boden extrem an, teils auf das Vierhundertfache vor allem in Süddeutschland, Oberschwaben und dem Bayerischen Wald.
00:12:27: Die Folgen zeigen sich nicht nur am Boden sondern auch auf den Teller.
00:12:30: Für Fleisch liegt der EU-Grenzwert bei sechshundert Becquerel pro Kilo.
00:12:34: In Bayern findet man in Stichproben Werte bis zu achtundvierzichttausend Becqerel pro kilo Also, achzigmal so hoch.
00:12:40: Ja zunächst ist vor allem Frühgemüse also Salat oder Rhabarber belastet.
00:12:44: später sind es dann auch Pilze und Wildbären.
00:12:46: der Verkauf von frischem Obst und Gemüse bricht ein also der komplette Alltag ist betroffen In einigen Städten der Bundesrepublik wie zum Beispiel in Wiesbaden wurden inzwischen die Spielplätze geschlossen.
00:12:57: Messungen hatten ergeben das unter anderem Sandkästen hohe radioaktive Werte aufweisen Das erste schon geöffnete Freibad wieder geschlossen.
00:13:07: Und die Empfehlungen widersprechen sich?
00:13:09: Kinder sollen keine Erde oder Blätter in den Mund nehmen, Oder ist es vielleicht doch nicht so schlimm?
00:13:14: Gleichzeitig beginnt ein Sturm auf Jodhtabletten.
00:13:16: In den Medien ist nun ständig von Becquerel, Sivart und Grenzwerten die Rede.
00:13:20: Die Strahlung ist unsichtbar... ...die Zahlen bleiben für viele Menschen abstrakt.
00:13:24: Dass das Informationskaus dann durch mangelnde Abstimmung, durch die Feelen eines Umweltministeriums nochmal vergrößert wurde, sorgt noch mal dafür dass die Angst eher noch weiter eskaliert.
00:13:33: Ein Lebensmittel wird dann ganz besonders zum Symbol der Katastrophe und es ist Milch.
00:13:39: Ja, über Gras-, Kühe- und schließlich die Milch gelangen radioaktive Stoffe in die Nahrungskette.
00:13:44: Es wird Eltern empfohlen kleinen Kindern vorübergehend Trockenmilch zu geben Und Bundesländer legen eigene Grenzwerte für belastete Lebensmittelfest.
00:13:52: Teilweise zählen mal so streng wie die der Bundesregierung.
00:13:55: Die Menschen sind unsicher.
00:13:57: Da gibt es Sorgen, die sehr intim werden Wenn Sie daran denken eine der Fragen, die nach Tschernobyl diskutiert worden ist.
00:14:06: Was kann man eigentlich noch essen?
00:14:07: Kann man noch Milchprodukte essen oder muss jetzt schnell versuchen alle Lebensmittel, die vor dem sechsten, zwanzandten April produziert wurden zu kaufen und versuchen möglichst lange damit durchzukommen?
00:14:17: Das betrifft Menschen auf einer sehr persönlichen Ebene.
00:14:19: Dass im Laufe des Jahres werden die Grundlagen für einheitliche Grenzwerte per Gesetz festgelegt.
00:14:24: Wenn ich das alles so höre, das erinnert mich an den ersten Corona-Frühlingen.
00:14:27: Spielplätze abgesperrt viele Fachwörter und die Experten wir sprechen sich Ja, wenn eine so große Katastrophe passiert kann es offenbar parallelen geben.
00:14:35: Vertrauen geht verloren?
00:14:36: Gut gemeinte Entwarnungen beruhigen nicht sie wirken beschwindigend.
00:14:40: Das ist was sich der Regierung unheimlich angreitet.
00:14:43: dass ihr uns das nicht gesagt habt und mir sind wirklich alles sehr verzweifelt dass das jetzt so schlimm ist dass man die Kinder mit dem Milch und mit allem so vorsichtig sein muss!
00:14:52: Es ist wirklich ganz schlimm.
00:14:54: Ich fasse mal zusammen beim Essen muss man umplanen macht sich Sorgen um die Kinder fühlt sich nicht richtig informiert Und die Gefahr bleibt unsichtbar.
00:15:01: Wie reagieren die Menschen darauf?
00:15:03: Chernobyl trifft auf eine Gesellschaft, die bereits sensibilisiert ist und verstärkt vorhandene Ängste.
00:15:09: Schon einen Tag nach bekannt werdendes Unfall gibt es erste spontane Proteste.
00:15:13: Der Satz «Chernobyl ist überall» steht bald auf Plakaten im ganzen Land.
00:15:17: Er wird zum Symbol einer Angst, die weit über diesen ein Reaktor hinaus reicht.
00:15:21: Für viele ist Chernobil weniger ein Moment neu nachzudenken als das zu prüfen was man in dem Jahrzehnt vor schon mal gelernt hat, erfahren und gedacht hat.
00:15:32: Also da gibt es eine Menge tiefer Überzeugungen die nicht unbedingt neu gedacht werden sondern vielleicht eher beschleunigt werden.
00:15:40: ich sehe Chernobyl eher als ein Katholisator für eine fundamentale Zäsur im Reden über Turmkraft.
00:15:45: also um die Reaktion auf Chernobyl zu verstehen müssen wir zurückspringen in die Vorgeschichte.
00:15:50: ja seit den fünftiger Jahren wird in Deutschland Kernenergie erforscht und ab den neunzehnten sechziger jahren entstehen zahlreiche Kernkraftwerke die für technischen Fortschritt und Wohlstand stehen.
00:16:00: Lange scheint die Trennung also klar.
00:16:01: Gute Kernkraft?
00:16:03: Böse Atombomber!
00:16:04: Im Jahr
00:16:05: n.a.,
00:16:05: laut MNET, ämnet siebzig Prozent die Menschheit durch einen Krieg zwischen den Großmechten bedroht.
00:16:10: Das atomare Wettrüsten erzeugt das Gefühl ein Nuklearer-Krieg ist jederzeit möglich.
00:16:14: Hunderttausende demonstrieren gegen die Stationierung von NATO Mittelstreckenraketen.
00:16:19: Diese Angst verbindet sich mit der damals stärker werdenden Holocausterinnerung und der Vorstellung eines nuklearen Holocausts.
00:16:26: Genau um diese Verknüpfungen geht es auch später in der Folge nochmal... Und auch wichtig ist, der Blick auf Umweltfragen hat sich geändert.
00:16:32: Risiken werden global wahrgenommen.
00:16:35: Der Bericht des Club of Rome von neunzehnundzwanzig warnt vor den Grenzen des Wachstums und die Medien berichten intensiv über Umweltserstörungen und Energieknappheit.
00:16:43: Christiane ich merke wenn man mit dir eine Folge macht dann landet man unweigerlich irgendwann in den siebzigerjahren.
00:16:48: ja bisher kamen die Siebzigger in jeder Folge vor die du gemacht hast In der Tat?
00:16:53: Aber das ist eben auch eine spannende Zeit.
00:16:56: Also, zurück zum Thema.
00:16:58: Nach der Ölpreiskrise in alzaterein-siebzig-vieren-sebzig die auch Thema der letzten Folge war beschleunigt die Politik den Ausbau der Kernkraft um die Energieversorgung unabhängiger zu machen.
00:17:08: Ja das ist eben die eine Angst Die Abhängigkeit bei der Energie.
00:17:11: Aber eine andere Angst wird auch größer nämlich die vor der Atomkraft.
00:17:15: An vielen Standorten regt sich Widerstand.
00:17:17: Atom Kraft wird zum Symbol einer bedrohlichen Großtechnik.
00:17:21: Das geplante AKW im badischen Wille wird zum Wendepunkt Bürgerinitiativen besetzen in der Baustelle.
00:17:27: Es gibt massive Proteste und schließlich wird das Projekt gestoppt.
00:17:31: Ebenfalls Starkumkämpft ist der Ort Brugdorf, das haben wir auch in den letzten Folgen schon gehört.
00:17:35: Trotz großen Widerstands geht es dort am siebten Oktober aus dem Kernkraftwerk ans Netz.
00:17:41: als erstes deutsches AKW nach Chernobyl und trotz massiver Proteste.
00:17:46: Eine andere Ortsmarke ist Goreleben.
00:17:48: Der Ort steht bis heute für die ungelöste Endlagerfrage.
00:17:51: Und ab hier im Wendland auch massiver Widerstand, weil die Proteste wird viel berichtet.
00:17:56: Das ist das was dieses Ding eigentlich groß macht, dass viele Menschen in der Presse und auch in der Politik in FDP und SPD sehen, dass es ein Thema, das Menschen bewegt und ein Thema bei dem man eben auch allgemeinere Themen verhandeln kann.
00:18:13: Dann kommt, die Reaktorkatastrophe von Free Mile Island in den USA.
00:18:18: Eine parzielle Kernschmelze!
00:18:20: Das ist für viele Menschen weltweit ein Schock und wirkt sich auch auf die Akzeptanz der Kernenergie aus.
00:18:26: Aus dem Protest gegen Diathomkraft wird schließlich Politik – Die Grünen ziehen in den Bundestag ein und mit ihnen kommt auch die Atomkritik ins Parlament.
00:18:34: Den Bundestag mischen die Grünen erst einmal ordentlich auf indem sie alles anders machen als die etablierten Parteien.
00:18:41: Ihre Abgeordneten rotieren alle zwei Jahre, die ersten Fraktionssitzungen sind öffentlich.
00:18:46: Und zum ersten Mal erobern auch Feministinnen das Parlament ein Kulturschock.
00:18:51: Und dann kommt der nächste Schock, Chernobyl-Ninzeinsächsten-Achtzig.
00:18:54: und jetzt werden alle Entwicklungen, die vorher schon da waren nochmal beschleunigt.
00:18:58: Entscheiden für die Wirkung des Atomthemaßes – also die Schockwände in der Bundesdeutschen?
00:19:04: Gesellschaft Langefort.
00:19:05: Chernobyl hatte, ist das sich an diese Protestaktionen und Diskussionen anschließen über Atomkraft, Energiepolitik, Infrastrukturpolitik, Partizipation des Bürgers eine Rolle der Bürgerinitiativen.
00:19:19: All das wird verhandelt über Atommkraft.
00:19:22: Das heißt es gibt da schon ein ziemlich dichtes Bündel von Diskussionen die Also die ganze Friedensbewegung, Bürgerbewegungen für Umweltschutz und generell eine Forderung nach mehr Mitbestimmung.
00:19:33: Alles das spielt mit rein bei der Reaktion auf Chernobyl.
00:19:37: Ein Buch, dass für sehr viele Jugendliche in den Jahren nach Chernobyl oder vielleicht sogar Jahrzehnten danach wichtig wird ist Die Wolke von Gudrun Pausewang.
00:19:45: Erschiennis ist sieben-achtzig also ein Jahr nach der Atomkatastrophe.
00:19:49: Viele haben es in der Schule gelesen.
00:19:51: Das Buch soll inzwischen eine Auflage von mehr als einst Komma fünf Millionen haben, zwei Tausend Sechs ist auch verfilmt worden.
00:19:57: also über die Wolke müssen wir kurz reden denn an das Buch kann ich mich definitiv erinnern.
00:20:03: Ich habe sie nicht gelesen ich weiß nicht.
00:20:05: vielleicht liegt daran dass sich in Ostdeutschland zur Schule gegangen bin.
00:20:08: Ich fasse das Buch mal kurz zusammen.
00:20:10: Die Hauptfigur ist Jana Bertha, vierzehn Jahre alt.
00:20:13: Bei ihr in der Nähe gibt es einen schweren Reaktorenfall.
00:20:15: Viele Menschen werden verstrahlt und in der Region bricht erst mal die öffentliche Ordnung zusammen.
00:20:19: Und die Versorgung der Strahlenkranken ist sehr mangelhaft.
00:20:22: Was extrem an dem Buch ist, ist aber das was der Hauptfigure alles passiert.
00:20:27: Jana Berther versucht mit ihrem jüngerem Bruder zu fliehen.
00:20:29: Der wird aber von einem Auto angefahren und stirbt.
00:20:32: Sie kommt in den radioaktiv verseuchten Regen und landet strahlenkrank im Krankenhaus.
00:20:37: Da erfährt sie, dass auch ihre Mutter und ihr jüngster Bruder tot sind – und der Vater auch!
00:20:41: Und der ist vermutlich erschossen worden weil er in der Nähe des Reaktors war und hochgradig verstrahlt wurde.
00:20:47: Ein großer Teil der Politik und der Öffentlichkeit wollen aber nicht wahrhaben was passiert ist und vertuschen alles.
00:20:52: Ja das ist eine wirklich grausame Geschichte und ja die steht ja auch im Spiegel der Zeit in der sie entstanden ist und irgendwie auch Symbol hat für die emotionalen Diskussionen In der Zeit.
00:21:04: Als ich das Buch als Erwachsener noch mal gelesen habe, war ich ein bisschen schockiert, dass man so eine Horrorerzählung Kindern zum Lesen gegeben hat und es ist schon sehr viel Ideologie dabei.
00:21:12: Später in unserer Folge spreche ich noch mit Frank Bies über sein Buch Republik der Angst und auch über Guter- und Pause-Wangsbuch.
00:21:19: Ich bin gespannt was dazu Wolke sagen wird?
00:21:22: Nach allem was wir bisher gehört haben, ist klar, der Druck auf die Politik in Sachen Atomkraft nimmt nach Cernobyl weiter zu.
00:21:28: Nimm uns nochmal mit!
00:21:29: Wer ist zurzeit im Bundesrepublik an der Macht?
00:21:32: Bundeskanzler Helmut Kohl, der eine Koalition aus CDU, CSU und FDP führt.
00:21:38: Und seine Politik steht für Stabilität und eine konservative Wende nach den sozial-liberalen Siebzigerjahren.
00:21:45: Ab Mitte Mai, in der öffentlichen Debatte geht es um die Frage was bedeutet Chernobyl für die Sicherheit der eigenen Atomkraftwerke?
00:21:52: Erstmals sind viele für einen Atomausstieg.
00:21:55: Für Kohl ist diese Entwicklung heikel, auch wegen der Bundestagswahlen im nächsten Jahr.
00:22:00: In einer Plenardebatte im Mai, in den letzten Jahren sagt Kohl, deutsche Atomkraftwerke gehörten zu den sichersten der Welt und das verbleibende Restrisiko sei vertretbar.
00:22:09: Weil unser Sicherheitskonzept so anspruchsvoll ist dürfen wir auch die wirtschaftlichen Vorteile der Kennenergie nutzen.
00:22:18: als kostengünstige Energiequelle sichert die Kernenergie viele Arbeitsplätze.
00:22:24: Wir dicken damit heute bud ein Drittel unseres Strobedarfs.
00:22:28: Wer aus der Kennenergie aussteigen will, muss erst einmal der Öffentlichkeit darlegen wie eine Lücke in dieser Größenordnung schließen
00:22:36: kann.".
00:22:38: Man muss natürlich dazu sagen dass in dieser Zeit ja die Kontroversiöber-Turmkraft auch parteipolisch ihre Folgen hat.
00:22:44: es gibt die Grünen in vielen Landtagen und im Bundestag.
00:22:46: Es gibt SPD regierte Landesregierungen die skeptisch sind Atomprojekte blockieren, sich als Gegner der Atomkraft profilieren.
00:22:56: Es gibt den Beschluss der SPD nach January innerhalb von zehn Jahren auszutremmen.
00:23:00: also das Ganze ist auch ein politischer Spielbeall.
00:23:02: Als Reaktion wurde ein eigenständiges Umweltministerium gegründet.
00:23:06: Am sechsten Juni, neunzehnzechsendachzig wird Walter Wallmann vom CDU zum ersten Bundesumweltminister anandt.
00:23:11: Das ist ja schon deutliches Signal.
00:23:12: ich wusste vorher gar nicht dass unser Umweltministeriums auf Chernobyl zurückgeht.
00:23:17: Ja gleichzeitig zieht die Bundesregierung eher leise als offen weit reichende Konsequenzen.
00:23:21: Nach neunzehnzechsten Achtzig wird in Deutschland kein neues Atomkraftwerk mehr gebaut oder geplant.
00:23:26: Nur einige Anlagen, die sich bereits im Bau befinden gehen bis neunundachtzig noch ans Netz.
00:23:30: Teils mit kurzer Laufzeit.
00:23:32: Ohne es ausdrücklich so zu nennen beginnt damit ein schrittweiser Abschied aus der Kernenergie.
00:23:36: Die letzten Atomkraftwerken wurden im Bundestag im Jahr twoinundachzig bestellt.
00:23:40: Die werden durchgebaut und gehen in den Jahr achtnachtzig-neuen-Nachtzig an das Netz.
00:23:44: Es gibt wieder Aufarbeitungsanlage, die nur mal eine eigene Geschichte hat aber es kann schon deshalb nicht viel beendet werden, weil einfach das meiste schon gebaut ist.
00:23:53: Ausstiegs-Tendenzen und fortgesetzte Nutzungen existieren nebeneinander – eine Übergangsphase ohne Klanschlussstrich.
00:23:59: Darüber wie es in der DDR war, wie die Debatte da verlaufen ist haben wir bisher noch gar nicht gesprochen.
00:24:04: Einfach weiß diese Debatte nach Chernobyl offiziell nicht gibt oder?
00:24:08: Ja, das Ausmaß der Katastrophe wird nicht nur am Anfang sondern durchgängig runtergespielt.
00:24:12: Die Menschen spüren teilweise Auswirkungen zum Beispiel auch bei der Milch.
00:24:16: aber ein wichtiger Unterschied ist dass staatliche Vorsichtsmaßnahmen wie die Sperrung von Spielplätzen gibt es nicht.
00:24:22: Der Alltag läuft offiziell normal weiter.
00:24:24: Viele bleiben jedoch skeptisch und informieren sich über das Westfernsehen und das Westradio.
00:24:29: Das verstärkt das Misstrauen vieler Bürger und verschafft auch hier erstmals Anti-Atomgruppen zusätzlichen Zulauf In die Umweltbewegung gewinnt erstmals auch in der DDR spürbar an Bedeutung.
00:24:39: Aber atomkritische Gruppen werden überwacht und ja, die Diskussion wird
00:24:43: unterdrückt.".
00:24:48: Daher die Frage, wie ist die Haltung zu Atomkraftwerken in anderen Ländern?
00:24:52: Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied wenn wir nach Frankreich schauen.
00:24:55: Die Atompolitik ist gesellschaftlich breit akzeptiert, offene Konflikte bleiben aus und der Alltag läuft nachternobbel weitgehend normal weiter.
00:25:03: Experten beschwichtigen und symbolhaft hierfür steht eine Wetterkarte vom dreißigsten April neunzigzechsund achtzig auf der die radioaktive Wolke also an der Grenze stoppt.
00:25:12: Zwar wächst mit Verzögerung auch Kritik an der staatlichen Kommunikation aber eine breite Atomangst oder Skepsis entsteht nicht.
00:25:18: Und wie ist es in Schweden?
00:25:20: Das war doch ganz früh dran, mit der Skepsis gegenüber kein Kraft.
00:25:24: Ja da war der Wendepunkt schon – Der Reaktorunfall ins Three Miles Island in den USA.
00:25:29: also.
00:25:29: als Reaktion beschließt, Schweden dann als erstes Land in Europa auf den weiteren Ausbau der Atomkraft zu verzichten und in den letzten Jahren aber immer wieder einen Kurswechsel weil das Land mehr Strom braucht und ärgerzige Klimaziele hat, plant die Regierung den Ausbau?
00:25:44: Ein Länderbeispiel aus der Recherche fand ich überraschend, und zwar Italien.
00:25:48: Das ist nämlich auch ausgestiegen.
00:25:49: Ja, Italien gehörte in den Achtzigern zunächst zu den Vorreitern in Sachen Atomkraft aber ein Jahr nach Chernobyl gibt es einen Referendum und das Land entscheidet sich für den Ausstieg.
00:25:59: Und nach dem Reaktorunglück von Fukushima bestätigen die Italiener diesen Kurs Zwei Tausend Elfen in einer weiteren Volksabstimmung Aber unter der Regierung Meloni beschließt Italien danach mehr als vier Jahrzehnten Schritte zur Wiedereinführung der Kernenergie.
00:26:12: In Deutschland sind wir ja schlutzendlich auch aus der Kernkraft ausgestiegen, aber nach Cernobyl lief die Nutzung der Kernenergie erst mal weiter.
00:26:20: Es sind nur keine neuen AKW-Mail-Auftrag gegeben worden.
00:26:24: Was sind denn die weiteren Schritte auf dem Weg zum tatsächlichen Ausstieg?
00:26:28: In den letzten Jahren bestimmen vor allem wirtschaftliche Argumente die Debatte um den Atomausstieg.
00:26:35: Der entscheidende Impuls ist aber dann, dass auch in der Stromwirtschaft so der Wunsch entsteht.
00:26:38: Wir wollen mal Planungssicherheit.
00:26:41: Wir müssen irgendwann neue Kraft mehr bauen und haben keinen unmittelbaren Bedarf.
00:26:44: Aber wir müssen auf mittlere Sicht Klarheit haben.
00:26:47: Und diese Diskussion über den Energiekonsens, der hinführt zu den Gesprächen mit dem Atomausstieg unter Rot-Grün – der Urempuls kommt tatsächlich aus der Stromweltschaft!
00:26:56: nicht weil die Gegner der Atomkraft sind, sondern weil sie einfach sagen wir sind im Energiebereich halt darauf angewiesen Planungssicherheit zu haben.
00:27:04: Im Jahr zweitausend setzt die rot-grüne Bundesregierung erstmals einen klaren Schnitt.
00:27:09: Sie einigt sich mit den vier großen Energiefersorgern auf den sogenannten Atomkonsens.
00:27:13: Die Kraftwerke dürfen nur noch festgelegte Reststrommengen produzieren ohne feste Abschaltdaten.
00:27:18: Zwei tausend zwei wird dieser Kurs dann gesetzlich verankert?
00:27:21: das Atomausstiegsgesetz dritt in Kraft.
00:27:23: Atomkraft soll auslaufen, doch Ende Jahrzehnte verlängert die Bundesregierung aus CDU CSU und FDP die Laufzeiten der Atomkraftwerke wieder.
00:27:31: Der Ausstieg wird faktisch
00:27:33: aufgeschoben.".
00:27:35: Und dann passiert ein weiterer folgenschwerer Reaktorenfall.
00:27:40: Es ist extrem.
00:27:50: Neun Komma Null auf der Momenten-Magnitudenskala, eines der stärksten je gemessenen Beben.
00:27:56: Die tektronischen Platten verschieben sich die Erdkruste reißt auf einer Länge von hundert Kilometern auf Der Riss zieht sich bis in große Tiefe.
00:28:04: In der Folge wird der Meeresboden mit einem plötzlichen Ruck Auf der einen Seite der Bruchzone nach unten auf der anderen Seite nach oben gehoben und schnellt kurz darauf zurück.
00:28:13: Und mit dem Meeres Boden die ganze darüber stehende Wassersäule.
00:28:17: Verheerende Tsunamiwellen bilden sich, laufen auf die japanische Küste zu.
00:28:20: Ungefähr zwanzig Minuten später treffen die ersten Wellen auf Land.
00:28:26: Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.
00:28:35: Naturkatastrophe in Japan.
00:28:37: nach einem schweren Erdbeben überrollten riesige Flutwellen Die Küsten im Osten des Inselstaters und Rissen alles mit sich.
00:28:43: Die Zahl der Opfer steigt stündlich.
00:28:46: Das Atomkraftwerk Fukushima liegt direkt an der japanischen Pazifiküste.
00:28:50: Es hat eine Schutzmauer gegen Tsunami Wellen, aber die ist nur fünf Meter siebzig hoch.
00:28:54: Die stärkste Tsunamivelle an diesem Tag ist vierzehn Meter hoch – die Schutzmauers ist wirkungslos!
00:29:00: Noch kommt es nicht zu einer Explosion.
00:29:02: Die Folgen sind unklar.
00:29:04: Die Tagesschau zeigt Aufnahmen der scheinbar intakten Reaktorblöcke, die vom Hubschrauber aus gedreht wurden.
00:29:16: Im Umkreis von drei Kilometern wurden alle Häuser evakuiert.
00:29:19: Sechstausend Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen, ein Regierungssprecher versucht die Bürger zu beruhigen.
00:29:28: Diese Evakuierung ist nur eine Vorsichtsmaßnahme.
00:29:31: im Moment tritt keine Radioaktivität aus.
00:29:33: außerdem gibt es keine Gefahr für die Umwelt.
00:29:36: Aber dass die Situation im Atomkraftwerk Fukushima für Japan noch sehr bedrohlich werden könnte, das ist auch schon an diesem ersten Tag klar.
00:29:44: Das Kühlsystem ist ausgefallen – an drei Reaktorblöcken funktionieren die Notstromaggregate nicht und auch die Batterien für den Extremfall sollen fast leer sein!
00:29:54: Die Situation im japanischen Atomkraftwerk Fukushima wird immer dramatischer sagen die Fachleute.
00:30:05: den wir gehabt haben.
00:30:06: Ein vergleichbaren Fall haben wir bisher nur in TMI gab, in Streamer Islands, in den USA, neunzehntneunzebzig der bisher muss man sagen ähnlich war.
00:30:16: allerdings hängt jetzt davon ab wie erfolgreich die Notfallmaßnahmen sein werden.
00:30:20: Entweder passiert es gar nichts oder wir haben eine Kernschmelzer.
00:30:24: Als der Experte das im deutschen Fernsehen sagt, hat die Kernschmelze im Inneren von Reaktor I schon begonnen.
00:30:30: Am nächsten Tag wird auch nach außensichtbar dass die Notfallmaßnahmen nicht erfolgreich sind.
00:30:35: Es ist eine heftige Explosion heute Nachmittag in Fukushima-I.
00:30:40: Ein Reaktorgebeute des Atomkraftwerks fliegt in die Luft mit Tontrömer gehen zu Boden weil sie Rauchsollen steigen auf Bedrohliche Bilder.
00:30:48: In Deutschland beginnt schon einen Tag nach der Katastrophe in Japan die Diskussion um die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke.
00:30:54: Die Menschen sind alarmiert.
00:30:56: Rund sechzigtausend Atomkraftgegner hatten heute zwischen dem Reaktornäcker Westheim und Stuttgart eine Menschenkette gebildet, und gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung protestiert.
00:31:06: Eine riesige Demo in Baden-Württemberg – In zwei Wochen sind hier Landtagswahlen!
00:31:10: Der Regierender CDU-Ministerpräsident Stefan Mapos hat mit dem grünen Winfried Kretschmann einen gefährlichen Gegnern.
00:31:16: Die CDU und Bundeskanzlerin Merkel sind unter Druck.
00:31:19: Allerdings noch im Herbst, Jahrzehnte hat Angela Merkel eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke durchgesetzt.
00:31:26: Kritiker hatten das den Ausstieg aus dem Atomausstieg genannt.
00:31:30: Guten Abend meine Damen und Herren!
00:31:32: Die Situation im japanischen Atom Kraftwerk Fukushima spitzt sich weiter zu.
00:31:36: Die Regierung befürchtet jetzt dass es in drei Reaktorblöcken zu einer Kernschmelze kommen könnte.
00:31:42: Im Block III gab es am Morgen eine Explosion, ähnlich wie schon am Samstag im Block I. Eine Mahnwache heute vor dem Kanzleramt Atomkraftgegner und die Opposition fordern die Rückkehr zum Atomausstieg.
00:31:54: Sie fühlen sich durch die nukleare Katastrophe in Japan bestätigt.
00:31:58: Nur drei Tage nachdem der Tsunami Fukushima getroffen hat macht Angela Merkel die Kehrtwende.
00:32:03: Die Laufzeitverlängerung wird mit einem sogenannten Moratorium für zunächst drei Monate ausgesetzt.
00:32:09: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und die bisherige unbestrittene Sicherheit unserer kerntechnischen Anlagen zum Maßstab auch des künftigen Handelns machen, ohne dass wir in Folge der jüngsten Ereignisse einmal innehalten.
00:32:25: Denn die Eregnisse in Japan, sie leeren uns das etwas was nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurde doch möglich werden könnte!
00:32:37: Sie leeren die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind.
00:32:48: Und wenn das so ist... Wenn also schon in einem hoch entwickelten Land wie Japan ein Land mit hohen Sicherheitsstandards und hohe Sicherheitsanforderungen nukleare Folgen eines Erdbebens und einer Flutwelle nicht verhindert werden können dann hat das eben Folgen für die ganze Welt und dann hat es auch Folgen von Europa Und dann hat das Folgen für uns in Deutschland.
00:33:12: Das verändert die Lage auch in
00:33:14: Deutschland.".
00:33:16: Am nächsten Tag, am fünften März, wird außerdem festgelegt – Die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke sollen erst mal vom Netz gehen.
00:33:24: Damit ist die Rückkehr zum Atomausstieg eingeläutet.
00:33:27: Es ist der Ausstieg vom Ausstieck vom AusStieg.
00:33:42: Im Jahr zwanzig-dreinzwanzig sind in Deutschland ja die letzten drei AKW vom Netz gegangen.
00:33:46: Dabei gab es bei uns überhaupt keinen schweren Unfall.
00:33:49: In Japan war es anders, in Fukushima ist es dann ja zwischen Kernschmelzen gekommen und die Folgen des Unglücks sind immens um nur mal eine Zahl zu nennen.
00:33:57: Insgesamt eins Komma Eins Millionen Kubikmeter Wasser wurden verseucht.
00:34:01: Und Japan hat nach Fukushima auch zeitweise alle Reaktoren vom Netz genommen.
00:34:05: aber seit Zwei Tausend Fünfzehn läuft er wieder einstieg.
00:34:07: Nur vier Jahre nach Fukushima ist der erste Reaktor wieder ans Netz gegangen und die aktuelle Premierministerin ist einer große Befürworterinnen der Kernkraft.
00:34:15: In Deutschland wird ja auch immer wieder darüber diskutiert, ob der Ausstieg ein Fehler war oder ob man gar weder einsteigen sollte.
00:34:21: War die Reaktion Deutschlands übertrieben?
00:34:24: Das können und wollen wir beide nicht beurteilen aber interessant ist wie unterschiedlich verschiedene Länder auf Chernobyl und auf Fukushima reagiert haben.
00:34:31: Spielt da eine spezifisch deutsche Atomangst- oder Atomskepsis eine Rolle?
00:34:36: Auf das Thema Angst sind wir in dieser Folge schon ein paar Mal gestoßen, deshalb macht es total Sinn alles einmal zusammenzukehren mit jemanden der einen Buch geschrieben hat.
00:34:43: Das heißt die Republik Der Angst eine andere Geschichte der Bundesrepublik.
00:34:48: Es ist der Historiker Frank Bies.
00:34:50: er ist Professor an der University of California In San Diego.
00:34:54: Guten Morgen Herr Bies.
00:34:55: bei mir in Frankfurt ist es jetzt siebzehn Uhr aber bei Ihnen in San Diego ist es erst acht Uhr morgen.
00:34:59: also vielen Dank dass Sie trotz der massiven Zeitverschiebung hier bei uns mitmachen.
00:35:04: Ja keine Wusre Herr Bies eis ich im April, der Gau im Kernkraftwerk Chernobyl ereignete.
00:35:11: Da waren sie neunzehn Jahre alt.
00:35:12: Was ist denn das Erste aus dieser Zeit an das Sie sich erinnern?
00:35:19: Aufregung, die Angst, die damit verbunden war.
00:35:21: Ich glaube es gab dann auch mal so Informationen das man keine Milch mehr trinken sollte dass man vorsichtig sein muss sich im Freien zu bewegen.
00:35:30: Es war eine große Debatte darüber wie genau die Messwerte aussehen.
00:35:35: Also es gab sicher auch Misstrauen ob vielleicht einem nicht die ganze Wahrheit gesagt wird.
00:35:41: also Das war schon schwierige Zeit und sehr angsterregen bei vielen in dem diese öffentlichen Ängste schon sehr ausgeprägt waren.
00:35:55: Aufgrund anderer Dinge, vor allem dieser Bedrohung eines Atomkrieges die Friedensbewegungen der einige Jahre zuvor sehr stark geworden war so diese öffentliche Artikulation von Angst war in dieser Zeit glaube ich auch sehr begnant.
00:36:14: Ja, Deutschland hat ja auf Tschernobyl ganz anders reagiert als zum Beispiel Frankreich.
00:36:18: Da stehen die radioaktive Wolke an der Grenze zu stoppen und sowas wie abgesperrte Spielplätze waren kein Thema.
00:36:24: Warum denn?
00:36:25: Ich würde mal sagen dass es in den Achtzigerjahren in Deutschland schon so eine Art Angstkultur auch gab.
00:36:31: das hat sich schon länger angebahnt.
00:36:33: So ein anderes Verhältnis gegenüber Gefühlen und auch so eine Haltung Ausdruck von Gefühlen und auch von Angst im Grunde, was Positives ist.
00:36:47: Dass das irgendwie auch so eine Authentizität demonstriert, dass es eine Sensibilität demonstriert und das im Gegensatz zu dieses Unterdrücken von Angst und zu tun als ob es diese Gefahr nicht gäbe, dass das eigentlich auch nicht die richtige Haltung ist.
00:37:05: Von daher würde ich vielleicht schon sagen, dass in der Zeit auch in dieser westdeutschen Kultur es so eine Form von Angst-Neigung gab, die sich dann auch in der Reaktion auf diese Chernobyl Katastrophe manifestiert hat.
00:37:21: Und was auch noch dazukommt ist wichtig für die Achtzigerjahre, das vergisst man heute auch, dass das eigentlich so die Dekade ist, in der zum ersten Mal sowas wie eine breits gestreute Holocaust Erinnerung entsteht Und diese Ängste haben sich dann immer auch mit dieser Erinnerung an die Vergangenheit verbunden.
00:37:43: Also nicht umsonst war da immer die Rede von einem nuklearen Holocaust, also das ist auch glaube ich so spezifisch, das habe ich in meinem Buch ja auch so analysiert dass eben in Deutschland immer diese Angst an diese Erinnerungen an die vergangenheit sich verbunden hat mit so angstvollen Zukunftsantizipationen, die immer davon bestimmt waren was in der Vergangenheit passiert ist, nicht wiederholen dürfte.
00:38:06: Und für die Friedensbewegung war das so dass eben dann diese Vorstellen von dem nuklearen Holocaust hat sich verbunden mit dieser neu entstehenden Holocaust-Errennung in den nachtziger Jahren?
00:38:18: Ja also das was vorher die ganze Zeit unterdrückt wurde, das kommt jetzt hoch.
00:38:21: und das was Sie gerade gesagt haben, das passt auch total gut zu dem wie ich jetzt als Erwachsene nochmal das Buch Die Wolke gelesen habe, wie ich es wahrgenommen hab ja denn das Buch ist ja aus dem Jahr drastisch.
00:38:33: Also es ist ein apokalyptisches Horrorszenario, aber was an dieser Schilderung so besonders schlimm ist wie die Gesellschaft auf diesen Gau reagiert und vor allen Dingen die Regierung.
00:38:41: also da werden Leute einfach vom Militär erschossen weil sie zu stark verseucht sind.
00:38:46: oder eine Protagonistin, die auch kontaminiert ist, die sagt sogar den Satz Hitler hätte uns vergaßt mit unseren Verpushten gehen!
00:38:53: Also dass da die Zeit des Nationalsozialismus mit rein spielt das ist wenn man das Buch heute liest.
00:38:59: Es ist so offensichtlich.
00:39:01: ja.
00:39:02: Also welche Rolle spielt denn die Zeit des Nationalsozialismus eben in dieser Reaktion auf Tschernobyl?
00:39:08: Naja, also ich glaube das natürlich in Deutschland auch so diese Erinnerung an die Diktatur.
00:39:14: Die hatte sogar unterschiedliche Funktionen.
00:39:17: Einerseits war es natürlich immer so... dass die Erinnerung an die Diktatur, die Wertschätzung der Demokratie mit sich brachte und diese Vorstellung, dass ich das eben nicht wieder ereignen darf.
00:39:27: Andererseits glaube ich war für viele auch dann diese Erinnerungen an diese Diktatur so eine Erinnering auch an ein Staat und einen Regime den man nicht vertrauen kann.
00:39:39: Und ich glaube, das war vielleicht in dieser Situation spielte es auch mit rein, dass es eben in Teilen der Bevölkerung dieses Misstrauen gab dass der Staat einen nicht die volle Wahrheit sagt.
00:39:51: Das sieht man ja auch in dieser Anti-Atomkraftbewegung schon, das ist ja auch so was wie eine Politisierung der Wissenschaft gab.
00:39:59: Dass sowohl die Atomkraft Befürworter als auch die Gegner hatten ihre eigene wissenschaftliche Expertise, die sie so angeführt haben.
00:40:06: und es war halt nicht mehr so wie vielleicht noch zwanzig Jahre früher, als die Wissenschaft zu einer unangefochten Autorität hatte sondern sie wurde selber in diese politischen Auseinandersetzung mit reingezogen.
00:40:19: Und das bedeutete halt in dieser Chernobyl-Krise auch, dass vielleicht Menschen die jetzt auch aus dieser Antiatomkraftbewegung kamen erstmal so diesen offiziellen Verlautbau nicht so geglaubt haben weil sie ohnehin schon der Meinung waren, dass die Risiken der Atomkraft von Politikern und auch von einigen Wissenschaftlern einfach minimiert werden und sich das auch in dieser Krise dann wieder zeigt.
00:40:44: Also es war dann schon, glaube ich so nochmal eine Vertrauenskrise vielleicht auch des Staates.
00:40:49: Das sieht man ja jetzt bei den Krisen in jüngerer Zeit auch, dass es immer wieder diese Haltung gibt, dass man sich nicht sicher sein kann ob man dem Staat und den öffentlichen Verlautbarung wirklich trauen kann.
00:41:00: also in der Corona-Krise haben wir das ja auch erlebt Ja, aber die drastik fände ich in die Wolke nochmal einfach wirklich paar Schippen Dollar.
00:41:09: Also es ist für mich nicht vorstellbar das wenn es hier einen Gau geben würde dass militär Leute erschießen würden, die zu kontaminiert sind.
00:41:15: Ich glaube auch nicht dass sich im Militär Leute finden würden die das mitmachen.
00:41:18: Aber damals haben das Teile der Bevölkerung offensichtlich geglaubt.
00:41:21: und wenn man sich das klar macht dass ja Cernobyl für uns heute länger weg ist als damals Für die leute die zeit unter Hitler dann macht sie vielleicht auch wieder Sinn Wenn man sich vorstellt die haben eben die erfahrungen gemacht hat ja schon mal einen Teil der Bevölkerung umgebracht.
00:41:35: Also für manche war es die Erfahrung, für andere war es dann wahrscheinlich wirklich so.
00:41:39: diese neue Präsenz auch der Erinnerungen an die NS-Zeit und an den Holocaust das sind in die achtziger Jahre wirklich sehr wichtig.
00:41:46: dass ist wirklich auch die Zeit in der das so in einem breiteren Öffentlichkeit auch präsent war.
00:41:51: also sie meinen also es geht nicht nur um die eigenen Erinnerung der Leute, die es noch erlebt haben.
00:41:56: Sondern es geht auch darum, dass die jüngere Generation zum ersten Mal mit Aufnahmen konfrontiert wird mit Erfahrungsberichten?
00:42:02: Absolut ja und überhaupt auch.
00:42:04: Ich kann mich selber einen Schulunterricht erinnern da war das schon auch sehr präsent.
00:42:07: also ich kann jetzt nicht behaupten, dass diese Zeit im Schulunterrecht ausgespart wurde im Gegenteil.
00:42:12: Also das weiß ich auch als Historiker so wie sich die Geschichtsschreibung entwickelt hat, dass in dieserzeit in der Wissenschaft auch nicht so sehr der Holocaust im Mittelpunkt stand sondern tatsächlich Diktatur.
00:42:25: Also der Fokus war so auf die Erklärung, wie es möglich war für die Nazis an die Macht zu kommen?
00:42:30: Wie die Nazis die Demokratie abgeschafft haben und das war eigentlich auch sehr präsent im Bewusstsein und hat dann vielleicht auch diese Ängste geschürt dass eben auch bundesdeutsche Regierung in einer Krisensituation so Maßnahmen greifen würde.
00:42:47: Das war ja ohnehin immer eine Frage, wie stabil die westdeutscher Demokratie wirklich ist.
00:42:53: Im Nachhinein erscheint es auch als übertrieben, aber die Zeitgenossen hatten eigentlich lange Zweifel.
00:43:01: Und es gab immer diese Vorstellung dass irgendeine Form von Krise auch die Demokratie gefährden würde.
00:43:07: also der leider jüngst verstorbene Jürgen Habermas hat ja auch mal gesagt das er eigentlich erst angefangen hat in den Achtzigerjahren der westdeutschen Demokratie zu vertrauen.
00:43:19: Also für ihn hat das so lange gedauert, weil er auch befürchtet hat dass eine konservative Regierung so ne autoritäre Wende einleiten würde.
00:43:27: Also da er selbst er hatte diese Ängste und erst als er gemerkt hat, dass die Kohlregierung das nicht macht, hatte auch so dieser Stabilität der westdeutschen Demokratie mehr vertraut.
00:43:40: also das war schon relativ weit gefächert auch dieses Misstrauen.
00:43:44: Beim Lesen ihres Buches kam ich auf steile These, die ich Ihnen jetzt mal vorlegen möchte.
00:43:50: Also kann man jetzt sagen wenn man sagt okay die Deutschen haben eine in Europa besondere Atomangst ja?
00:43:56: Kann man sagen dass diese Atom angst Wenn man auf Ternobil schaut das die in der Zeit des Nationalsozialismus begründet ist?
00:44:04: Wir begründeten nicht.
00:44:05: also ich meine die Atom Angst gab es natürlich auch in anderen Ländern.
00:44:08: Ich würde eher vielleicht zu sagen dass die Formen die diese Angst angenommen hat was mit der deutschen Geschichte zu tun hat.
00:44:16: Also man sieht das ja, ich glaube es ist auch zitiert.
00:44:19: manchmal an so zeitgenössischen Berichten, wenn dann Blockdorf als wie ein Konzentrationslager beschrieben wird.
00:44:27: Mit Kabelblattverhau und so, wo einfach immer diese neue Präsenz der NS-Erinnerung auch präsent ist in der Art und Weise, wie auf die Gegenwart reagiert wird.
00:44:39: Also das würde ich schon sagen.
00:44:40: Und es andere ist glaube ich – also ich bin jetzt kein Experte, was die Geschichte der Anti-Akw Bewegungen angeht aber es ist offenbar so dass die Atomkraftbewegung extrem staatszentriert war.
00:44:53: Und immer so auch die Atompraft eigentlich als ein Instrument eines autoritären Staates gesehen hat, also nicht nur als jetzt ökologische Bedrohungen.
00:45:04: Weil die besonders geschützt werden muss?
00:45:05: Die Atom Kraft eben?
00:45:07: Genau ja.
00:45:08: und weil daneben diese Konflikte stattfahren, wenn man das heute sieht es war ja schon auch massiv wie mit Polizei Diese Kämpfe auch geführt wurden, also Brockdorf und Wackersdorf wie diese Orte alle hießen.
00:45:23: Und dass das immer so diese Wahrnehmung entstanden ist, dass ja die Atomkraft eigentlich ein Mittel des autoritären Staates ist.
00:45:30: Dass der Kampf gegen die Atombraft eigentlich aus einem Kampf gegen diesen autoritärenden Staat letztendlich ist.
00:45:36: Ich glaube es sind in Deutschland noch einmal stärker ausgeprägt als das vielleicht bei Anti.
00:45:40: Atomkraftbewegungen in anderen Ländern der Fall war.
00:45:43: Ich meine, eine sei es vielleicht auch noch mal wichtig das ist auch vielleicht so interessant im Gegensatz zu heutigen Ängsten dass natürlich diese Atom Kraftwerke auch so Objekte waren auf die sich die Ängste auch so richten konnten.
00:45:56: also man konnte zu einer Demonstration gehen an so einem Atom-Kraftwerk und hat so die Gefahr versinnbildlich Man konnte sich auch einen Aufkleber aufs Auto machen.
00:46:06: Genau, heute ist es ja so, ich habe das als Globalisierungsängste bezeichnet die sind ja diffusers.
00:46:13: viel schwieriger ein Objekt zu finden an dass ich eigentlich die Angst heften könnte.
00:46:20: Ist für mich beim Verhältnis der Deutschen zum Thema Energie-Sicherheit, wenn man sich mal die Jahre in dreiundseinhalbzig bis heute anschaut, dass ich verschiedene Ängste quasi bekämpfen und es immer um die Frage geht, welche Angst ist gerade die größte?
00:46:31: Also nach dreiundsiebzig hat Deutschland auf AKW gesetzt.
00:46:34: Um weniger abhängig vom Öl der Golfstaaten zu sein.
00:46:37: dann nach Cernobyl war die Angst vor einer Atomkatastrophe auf Platz eins und das wurde kein neues AKW Projekt mehr begonnen.
00:46:43: Deshalb hat man da russisches Gas gesetzt und seit dem Überfall auf die Ukraine ist jetzt aber die Angst von Russland größer und so weiter.
00:46:50: Natürlich entstehen mit veränderten Umständen auch neue Ängste.
00:46:56: oder auch die Angst vor russischer Aggression jetzt, die ja auch so einen kalten Krieg mit zurück erinnert.
00:47:02: Aber das muss dann halt Teil der politischen Diskussion sein, dass es immer schon auch so war, dass eine Angst die andere aufgewiegt hat.
00:47:11: Also Adenauer hat das glaube ich sogar mal explizit gesagt.
00:47:14: Er hat gesagt weil er wusste, dass die Deutschen skeptisch sind der Wiederaufrüstung gegenüber und er hat dann gesagt wir müssen dafür sorgen ist die Angst von dem Kommunismus größer ist als die Angst vor dem Krieg.
00:47:26: Auch wieder zwei Ängste, die sich so gegenseitig auch so neutralisieren.
00:47:31: und vielleicht sind wir ja in einer ähnlichen Situation jetzt auch wo so unterschiedliche Bedrohungsszenarien oder Gefahrenszenarier sich gegenüber stehen und die müssen halt dann in der politischen Diskussion praktisch ausdiskutiert
00:47:44: werden.".
00:47:45: In ihrem Buch verwähren sie sicher genau dagegen die Ängze der Deutschen als etwas Pathologisches, also etwas Schlechtes abzuwerten, denn so schreiben Sie Es könnte ja auch sein, dass sich die schlimmsten Ängste eben genau deshalb nicht bewahrheiten weil sie zuvor immer schon beschworen worden waren.
00:47:59: Wieso ist ihnen diese Sicht so wichtig?
00:48:02: Also zum einen einfach deshalb, weil ich mich als Historiker dagegen wäre diese herablassende Sichtweise auf die Menschen der Vergangenheit mehr anzueignen.
00:48:13: Es ist nämlich sehr leicht jetzt im Nachhinein sich drüber lustig zu machen, auch wie hysterisch, wie neurotisch waren die?
00:48:19: Ist doch alles nix passiert und alles gut gegangen.
00:48:21: Das können wir aber nur sagen, weil wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist.
00:48:25: das wussten die Menschen damals wussten wir wusste ich als Teenager auch noch nicht.
00:48:29: Deswegen war es für mich erst mal wichtig diese Ängste einfach wahrzunehmen also ernst zu nehmen oder einfach anzuerkennen dass das eine wichtige Rolle gesp.. wie es auch in meiner eigenen Biografie der Fall war und dann halt zu überlegen, welche Rolle und welche Funktionen die erfüllt haben.
00:48:43: Und eine Funktion das würde ich nach wie vor noch sagen ist natürlich schon dass Angst nicht immer was Schlechtes ist.
00:48:50: Das können wahrscheinlich auch Psychologen oder Neurologgen bestätigen.
00:48:54: Das ist eigentlich auch so eine historische Entwicklung.
00:48:57: Da sieht man auch im Verlauf der Geschichte der Bundesrepublik's dann in den fünftiger, sechziger Jahren Stimmen gab, die das auch explizit gesagt haben dass nicht jede Angst unbedingt schlecht sein muss, weil sie ist ja auch so ein Art Warninstrument.
00:49:11: Sie sensibilisiert ihr auch für Gefahren und führt möglicherweise dazu, dass wir halt bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen damit bestimmte Entwicklungen halt nicht einträgt.
00:49:22: Und ich glaube schon das einige dieser politischen Ängste in der Bundesrepublik diese Rolle auch immer gespielt haben.
00:49:29: Also gerade so diese Angst auch vor einer autoritären Wende.
00:49:33: Jetzt würde ich gern mal einen richtig großen Sprung machen, denn es gibt aktuell eine andere technische Entwicklung die ähnlich wie Kernkraft große Möglichkeiten bietet aber vor der manche sehr warnen nämlich die künstliche Intelligenz.
00:49:45: Auch da gibt's ja einige Forscher die wirklich befürchten dass die KI-Avokalypse kommt das die KI in den kommenden Jahren die Herrschaft übernimmt und beschließen könnte die Menschen einfach auszulöschen.
00:49:55: was ich aber interessant finde das sind oft amerikanische Forscher.
00:49:58: Deutschland geht es bei der KI eher um so etwas wie Datenschutz.
00:50:01: Woher kommen diese unterschiedlich gelagerten Ängste und wieso sind wir jetzt auf einmal nicht mehr Weltmeister im Angst haben?
00:50:09: Ja, das ist natürlich auch schwierig zu beantworten.
00:50:12: Also vielleicht liegt es halt daran, dass einfach die Forschung zu KI in den USA weiter ist.
00:50:17: Dass sie vielleicht ein bisschen mehr wissen als die Menschen in Deutschland.
00:50:20: Es hat nichts damit zu tun das jetzt weil Sie verknüpfen ja diese Ängste auch immer eben damit wie stabil ist denn die Demokratie?
00:50:27: Dass wir in Deutschland jetzt inzwischen vielleicht mehr Vertrauen in die EU haben und in den usa dieses Vertrauen gerade nicht so groß ist.
00:50:34: Ich glaube das ist natürlich schon möglich.
00:50:36: Wie Sie sagten ist vorhin selber dass wir mittlerweile von der Zeit der Siebziger, Jahrachtziger weiter entfernt sind als die Menschen damals vom Zweiten Weltkrieg.
00:50:47: Also das ist natürlich auch schon wieder eine lange Geschichte und die Geschichte der letzten Jahrzehnte ist ja eigentlich auch ein Grund in der Geschichte nicht endender Krisen.
00:50:58: Und vielleicht so schwierig es teilweise auch war hat sich auch so eine Haltung eingestellt Die Bundesrepublik oder Europa letztendlich dann auch in der Lage ist, diese Krisen eben zu überstehen und dass daher auch so ein größeres Vertrauen vielleicht entstanden ist.
00:51:15: Ja Herr Bies ich danke Ihnen für das Gespräch und viele Grüße nach Kalifornien.
00:51:20: Viele Grüße vielen Dank!
00:51:30: Es ist interessant was er zur deutschen Atomangst sagt.
00:51:33: ja es gibt sie wie es sie in anderen Ländern gibt aber sie ist eben anders ausgeformt und muss gesehen werden vor dem historischen Hintergrund des Nationalsozialismus.
00:51:42: Es gab eine große Angst vor einer Wende zurück zu einem autoritären Staat.
00:51:46: Und einige Menschen haben die Atomkraftwerke als Symbol eines solchen autoritärenden Staates gesehen.
00:51:51: Ich würde sagen, bei der Reaktion auf Fukushima spielt der Nationalsozialismus aber nicht mehr mit rein.
00:51:56: Da war es eher der Schock das der Unfall in einem Hochtechnologie-Land wie Japan passieren konnte und davon kamen die Ableitungen.
00:52:04: dann kann es vielleicht auch bei uns dazu kommen und vor drei Jahren ist Deutschland also ausgestiegen.
00:52:08: Aber die Debatte über Atom Kraft ist damit nicht vorbei.
00:52:11: Deshalb machen wir jetzt mit dem Geschichtspodcast einen richtig großen Sprung, und zwar nach vorne.
00:52:16: Wir schauen in die Zukunft oder besser gesagt Christian Hübner, Leiter der Abteilung Globaler Ressourcen und Nachhaltigkeit bei der Konrad-Adenauer Stiftungen Tutas.
00:52:23: Er hat sich Gedanken gemacht über zukünftige technologische Entwicklungen in der Kernenergie.
00:52:28: Es gibt in der deutschen Energiepolitik gerade ein merkwürdigen Zustand.
00:52:32: Es drängt sich der Eindruck auf, dass der öffentliche Diskurs in eine Richtung schwenkt.
00:52:37: Der die Abschaltung des letzten Kernkraftwerkes für ein Fehler hält.
00:52:42: Die EU-Kommissionspräsidentin sagt es offen auch der Bundeskanzler sagt es und trotzdem passiert nichts.
00:52:48: Der Ausstieg steht und er wird wohl nicht mehr angetastet.
00:52:51: Das ist wenn man genau hinschaut kein Widerspruch!
00:52:54: Ist das Ausdruck einer Realität, die sich in den vergangenen drei Jahren zementiert hat?
00:52:58: Beginnen wir mit der Technik.
00:53:00: Die drei zuletzt abgeschalteten Meiler, Emsland, Isar II und Neckar-Westheim sind heute keine stillgelegten Anlagen mehr.
00:53:08: Sie sind Rückbauprojekte.
00:53:09: Die Brennelemente sind aus dem Reaktor entnommen die Genehmigung erloschen das Fachpersonal längst weiter gezogen.
00:53:16: Die Betreiber selbst erklären ein Wiederhof fahren ist nicht mit Arsch dabei.
00:53:20: Nicht aus politischen Gründen, sondern aus technischem.
00:53:22: Das alte Kapitel ist scheinbar geschlossen.
00:53:25: Zweitens die Ökonomie.
00:53:27: Die Zahlen der laufenden Projekte sind ernüchternd.
00:53:29: Großbritannien und Finnland gibt es Kernkraftprojekte, die sich erheblich verteuert haben.
00:53:34: Vergleich zu den ursprünglich veranlagten Kostenplanungen.
00:53:38: Selbst in Frankreich verschieben sich die Zeitpläne für neue Reaktoren.
00:53:41: Neubauten rechnen sich weltweit nur mit massiven staatlichen Subventionen und Garantien.
00:53:46: Das kann ideologische Bewertung das ist die ökonomische Wirklichkeit.
00:53:50: Und doch und hier wird es für jeden der Technologieoffenheit ernst meint, entscheidend wäre es falsch die Debatte damit für beende zu erklären.
00:53:58: Und neue Entwicklungen die überall stattfinden zu ignorieren.
00:54:02: Damit dem alten Kapitel ist nicht die gesamte Geschichte zu Ende.
00:54:05: Frankreich treibt den Ausbau seiner Kernkraftkapazitäten weiter voran Schweden plant neue Reaktoren China hat mehr als dreißig Blöcke im Bau Polen steigt neu ein und auch Tschechien plant neue Anlagen.
00:54:17: Die internationale Tomb-Energiebehörde spricht von einer weltweiten Renaissance.
00:54:21: Vor allem aber ist die technologische Entwicklung längst über die alten Großmeiler hinweg gegangen, darüber die Welt heute spricht.
00:54:27: das sind kleine modulare Reaktoren Small Modular Reactors in Fabriken vorgefertigt skalierbar sicherer als alles was wir aus dem zwanzigsten Jahrhundert im Bereich Kernkraft so kennen.
00:54:40: doch zur Wahrheit gehört auch Kleine Reaktionen sind keine Lösung für die kommenden zwei oder drei Winter.
00:54:46: Wir reden hier über eine Technologie, die ihre Marktreife voraussichtlich in den zwanziger dreißig Jahren erreichen soll.
00:54:53: Es ist eine Wette auf die mittelfristige Zukunft nicht auf das Morgen.
00:54:57: Doch die technologische Reise geht noch einen entscheidenden Schritt weiter – weg von der Spaltung hin zur Verschmelzung.
00:55:03: Bei der Kernfusion versuchen Forscher weltweit das Prinzip der Sonne auf die Erde zu holen.
00:55:08: Das Versprechen ist gigantisch!
00:55:10: Nahezu unendliche CO-Zweifreuer Grundlastenergie ohne das Risiko einer Kernschmelzern, ohne das Problem jahrtausende lang strahlenden Abfalls.
00:55:19: Der globale Wettlauf beginnt hier gerade erst.
00:55:21: Wenn die USA und China Milliarden in staatlicher Programme private Start-ups pumpen, entstehen auch in Deutschland vielversprechende DeepTech Unternehmen.
00:55:30: Ich frage es ja nicht mehr ob Diffusion kommt sondern wer sie zuerst mag greif macht und ob wir die Früchte dieser Forschung später teuer importieren müssen oder selbst exportieren können.
00:55:41: Dabei ist klar, wir sprechen von einer Energiequelle für die Mitte des Jahrhunderts.
00:55:45: Die eigentliche Lehre der aktuellen Debatte ist vielleicht diese – Energiepolitik hat einen langen Bremsweg aber eben auch eine extrem lange Anlaufzeit.
00:55:54: Weder kleine modulare Reaktoren noch die Kernfusion werden unsere momentanen Lücken schließen.
00:55:59: Sie sind strategische Optionen für das nächste und übernächste Jahrzehnt.
00:56:04: Was und im Jahr?
00:56:09: ist es nicht einfach, dass sich in den letzten Jahren im Jahr im Jahr bis zum Jahr Jahrzehnt war.
00:56:20: Die Antwort auf die eigentliche zentrale Frage – ob Deutschland bei der nächsten Generation Kernkraft, bei den kleinen Modellaren Reaktoren oder ebenfalls in den Startlöcher stehenden Fusionstechnologie auf Weltniveau mitbaut oder zuschaut – ist offen!
00:56:33: Und sie wird jetzt entschieden.
00:56:35: Es geht nicht darum alte Debatten wieder aufzumachen, es geht darum neue Entwicklung nicht zu verschlafen.
00:56:40: die bewält bewegt sich.
00:56:42: Die Frage ist ob Deutschland sich mit bewegt oder ob wir in zehn Jahren feststellen dass wir den Anschluss verpasst haben.
00:56:56: Was ich erfrischend finde an Christian Hübner als Einordnung ist das er eben nicht mit viel Kritik auf die Vergangenheit schaut sondern sich auf die Zukunft fokussiert ja also darauf dass Deutschland bei neuen Entwicklungen nicht den Anschlus verpassen sollte Denn die Debatte ist eigentlich ideologisch noch immer total aufgeladen.
00:57:11: Das eine Lager schimpft über den Ausstieg und ist dafür in Zukunft auf jeden Fall wieder auf Kernkraft zu setzen, und das andere Lager sagt der Ausstieck war super!
00:57:19: Wir schaffen es nur mit ein neuer Bahn- und Kernkraft in Zukunft – auf gar keinen Fall.
00:57:25: Ich frage mich, könnte es nicht auch einen Mittelweg geben?
00:57:28: Die Gründe für diesen Ausstück ernst nehmen aber Kernkraft nicht für alle Zukunft verdammen?
00:57:32: denn das Problemen mit der Sicherheit bei der Energieversorgung ist ja aktuell nicht gelöst.
00:57:37: Und spätestens seit der ersten Ölkrise folgt bei der Energiebeschaffung eine Angst auf die nächste.
00:57:43: Deutschland wollte sich mit dem Ausstieg von der Atomkraft von dem unkalkulierbaren Risiko unabhängig machen, doch während wir nukleare Risiken minimiert haben entstanden neue Abhängigkeiten von fossilen Importen wie Gas zum Beispiel wie sehr alte Ängste eine Rolle gespielt haben bei der Reaktion auf Tschernobyl.
00:58:00: Das war für mich ne neue Erkenntnis, da hat sich die Angst vor radioaktiver Strahlung gemischt mit der Angst vor einem autoritären Staat den man nicht vertrauen kann und das hatte seine Wurzeln in der Zeit des Nationalsozialismus.
00:58:12: Und jetzt zum Ende der Folge interessiert uns natürlich wie Sie auf dieses Thema schauen denn wir machen wieder eine Q&A-Folge in einer Woche.
00:58:19: Zunächst mal haben sie Fragen an unseren Experten Frank Bies.
00:58:23: schreiben sie uns er macht bei der Q& A-FOLGE wieder mit.
00:58:26: Außerdem interessiert uns, denken Sie das Tschernobyl unsere Gesellschaft bis heute prägt.
00:58:30: Was sollte man aus Tschernobil für den heutigen Umgang mit Risiken und Krisen lernen?
00:58:35: Und mich interessiert auch hat sich Ihre Position pro oder kontra Kernkraft über die Jahre verändert.
00:58:41: Gab es dafür wichtige Wendepunkte?
00:58:43: Schreiben sie uns an podcastatfrz.de Oder schicken sie uns eine Sprachnachricht per WhatsApp.
00:58:49: Die Nummer finden Sie in den Show-Notes.
00:58:51: Danke für die Hilfe.
00:58:52: bei der Produktion geht an Johanna Westermann, Lena Barotzi und Felix Hoffmann.
00:58:57: Mein Name ist Angelika Frey Und ich bin Christine Brunzel.
00:59:00: Vielen Dank fürs Zuhören.
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