Ölpreiskrise 1973: Am Tag, als es kein Benzin mehr gab
Shownotes
1973 steht die Bundesrepublik plötzlich still: leere Tankstellen, autofreie Sonntage, ein Land im Energieschock. Gemeinsam mit dem Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe blicken wir auf einen Moment, der die deutsche Politik dauerhaft auf Energiesicherheit ausrichtet.
Als im Herbst die Ölversorgung ins Wanken gerät, wird schlagartig klar, wie abhängig und verletzlich das westdeutsche Wirtschaftsmodell ist und wie schnell Öl zum geopolitischen Druckmittel werden kann. Die Krise markiert eine echte Zäsur. Diese Folge von „Der Geschichtspodcast“ von F.A.Z. und Konrad-Adenauer-Stiftung erzählt, wie der erste Ölpreisschock Politik und Wirtschaft neu sortiert.
Von kurzfristigen Notmaßnahmen und Sparappellen bis zu langfristigen Strategien wie Atomkraft, Nordsee-Öl und neuen Gasimporten. Und sie geht der Frage nach: Warum prägt diese Krise unser Denken über Energie bis heute?
Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe erklärt, wie sich das Verhältnis von Staat und Industrie damals verschiebt und warum gerade der Energiesektor bis heute besonders eng verzahnt bleibt.
Q& A-Fragen
Haben Sie Fragen an Werner Plumpe? Schreiben Sie uns! Außerdem interessiert uns: Wie sollte unsere Gesellschaft heute mit Energieabhängigkeiten umgehen – und mit der Frage, welchen Preis wir für Versorgungssicherheit zu zahlen bereit sind?
Schicken Sie Ihre Fragen oder Kommentare gern an podcast@faz.de oder schicken Sie eine Sprachnachricht an das Podcast-Handy: 0172 - 778 2384. Ihre Fragen und Kommentare besprechen wir in der Q&A-Folge, am Donnerstag, den 16. April. Einsendungen können gekürzt oder auszugsweise verwendet werden.
Hosts
Michael Götz (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Christine Brunzel (Konrad-Adenauer-Stiftung)
Gäste
Werner Plumpe, Prof. em. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Gerald Braunberger, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Quellen
Hohensee, Jens: Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa. Stuttgart 1996. Eklhofer, Volker: Die Ölkrise der 70er- Rückblick auf eine folgenreiche Zeit. Bayerischer Rundfunk 2014. Bührer Werner: Wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik. BpB 2002. Kreienbaum, Jonas: Das Öl und der Kampf um eine neue Weltwirtschaftsordnung. Die Bedeutung der Ölkrisen der 1970er Jahre für die Nord-Süd-Beziehungen. Berlin 2022.
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Transkript anzeigen
00:00:04: Seit etwa einer Woche haben viele Tankstellen nur zeitweise geöffnet.
00:00:08: Münztankstellen sind geschlossen, Kanister werden nur noch selten
00:00:10: gefüllt.
00:00:11: Treibstoffbeschaffung wird zum Problemen.
00:00:14: Es ging jetzt also am Wochenende schon mal los und Freitag hatte ich keinen gekriegt, sondern auch nicht.
00:00:17: Sonntags war hierzu und heute Morgen habe ich erst einmal zwanzig Liter
00:00:20: geprägt.".
00:00:21: Das hier im Herbst, in den letzten Jahren ist kein lokales Problem – keine einzelne Tankstelle die schlecht beliefert wird!
00:00:28: Das ist der beginnende ersten großen Energiekrise der Bundesrepublik.
00:00:34: Ein paar Wochen vorher beginnt im Nahen Osten der Yom Kippur Krieg und kurz danach drosseln mehrere arabische Erdölstaaten ihre Lieferungen.
00:00:42: Öl wird plötzlich zum politischen Druckmittel – und schlagartig teuer!
00:00:46: Neben dem Preisschock steht die Sorge, reicht es überhaupt?
00:00:50: Die Regierung versucht schnell Wenzin zu sparen.
00:00:54: Das
00:01:05: bedeutet, an bestimmten Sonntagen dürfen private Autos nicht fahren.
00:01:09: Der erste ist der twenty-fünfste November neunzehundertdreiundsiebzig und dann ist dieser Sonntag da.
00:01:18: normalerweise dröhnen die Motoren über die Autobahn.
00:01:21: jetzt liegt sie still.
00:01:23: Die meisten die an diesem Tag raus wollen fahren nicht.
00:01:26: Sie gehen selbst.
00:01:27: Kanzler Willy Brandt lässt den Wagen stehen und zeigt sich demonstrativ zu Fuß mit Spazierstock Familie und Hund.
00:01:34: Auf den Autobahnen sieht man Wanderschuhe, Fahrräder, Rollschuhe.
00:01:38: In der Stadt tauchen plötzlich kuriose Verkehrsmittel aus.
00:01:41: Zum Beispiel Autos mit vorgespannten Pferden, Senften und vieles mehr.
00:01:45: In München baut ein Schmuckhändler einen VW-Bus um.
00:02:01: Selbst der Nachverkehr stellt sich für diesen Sonntag um, ausgerechnet weil Totensontag ist.
00:02:07: Die FHZ beschreibt es so – am ersten autofreien Sonntags werden die Straßenbahnen und Busse nach einem Sonderfahrplan verkehren.
00:02:14: Insbesondere sollen an diesem Tag dem Totensonntag die Verbindungen zu den Friedhöfen verstärkt werden.
00:02:26: Und damit geschah etwas, was bei vielen Bürgern des Landes auch als innere Einstellung erkennbar war.
00:02:31: Man nahm diesen ersten autolosen Sonntag noch nicht allzu ernst – mehr als Spektakel!
00:02:36: Denn als eine für alle wichtige Vorsorgemaßnahme zur
00:02:39: Energiesicherung.".
00:02:41: Im Alltag betrifft die Ölpreiskrise, die später nur noch kurz Ölkrise genannt wird, nicht nur den Sonntags- und Freizeitverkehr.
00:02:48: In diesen Tagen wird auch deutlich wie abhängig viele Städte vom Auto sind….
00:02:53: Allein in Frankfurt arbeiten rund zweihunderttausend Menschen, die außerhalb wohnen und über die Hälfte von ihnen fährt normalerweise mit dem Auto zur Arbeit.
00:03:02: An den autofreien Sonntagen fühlt sich die Krise für viele erstmal wie ein außergewöhnlicher Ausflug an – sie zeigt aber natürlich die Verwundbarkeit des Systems!
00:03:11: Und was passiert wenn ein Land merkt?
00:03:14: Energieversorgung ist nicht selbstverständlich….
00:03:19: Herzlich willkommen zu der Geschichts-Podcast von Frankfurter Alte meiner Zeitung und Konrad Adenau Stiftungen.
00:03:24: Mein Name ist Michael Götz
00:03:26: Und ich bin Christine Brunzel.
00:03:27: Seit fast einem Monat ist Krieg im Iran.
00:03:30: Die Märkte haben sofort reagiert, die Straße von Hormuz wird zum Nadelöhr und bei uns springen die Preise an den Tankstellen nach oben und sofort merkt man wie schnell ein Konflikt, der scheinbar weit weg ist ganz nah wird An der Zapfsäule in den Nachrichten und bei der Frage Wie sicher unsere Energieversorgung eigentlich ist.
00:03:48: Eine Erfahrung, die einige von uns schon einmal gemacht haben.
00:03:51: In der Ölkrise neunzehntran, siebzig-vieren-siebzig begreift die Bundesrepublik zum ersten Mal wie schnell scheinbare Selbstverständlichkeiten unseres Alltags wackeln.
00:03:59: was gestern noch als unendliche Ressource gilt ist plötzlich ein politisches Druckmittel.
00:04:04: Wie immer wollen wir die Geschichte nicht nur nachherzählen sondern Die Verbindung zu heute prüfen.
00:04:10: unsere Leitfrage lautet Hat die Öl-Krise in deiner Zeit die deutsche Politik auf Wirtschafts- und Energiesicherheit getrimmt?
00:04:21: Und Staat und Wirtschaft enger zusammenrücken lassen, als uns heute lieb ist?
00:04:25: Denn die Ölkrise war mehr als ein Preisschock.
00:04:28: Sie war ein Test für Politik und Gesellschaft.
00:04:30: Wie reagiert ein Staat wenn Energie knapp wird?
00:04:33: Wer trägt welche Lasten?
00:04:34: Und wer wird geschützt?
00:04:36: Welche Branchen werden stabilisiert?
00:04:37: In welcher Freiheit im Alltag werden begrenzt?
00:04:40: Wir schauen uns die Lage in Deutschland an, dann aber auch schnell international.
00:04:44: Wie wird Öl in dieser Zeit zum politischen
00:04:46: Hebel?
00:04:47: Und warum ist nach dem Ende des Embargos nicht einfach alles wie vorher?
00:04:50: Bevor
00:04:50: wir tief ins Thema gehen noch ein kleiner Sprung in die Popkultur!
00:05:11: Das ist wirklich ein richtig gutes Fundstück.
00:05:14: Auf jeden Fall.
00:05:15: Das sind Schred und Alex, einen Schlager du, das ja eigentlich kaum jemand kennt oder?
00:05:20: Also ich zumindest nicht.
00:05:21: Nee, ich auch nicht!
00:05:22: Damit sind wir aber auch schon wirklich musikalisch eingestimmt auf den Herbst neunzehntreihensebzig Und eine Bundesrepublik die sich an den vollen Tank gewöhnt
00:05:29: hat.
00:05:36: Bis Ende der Anfang der Siebzigerjahre lebt die Bundesrepublik im Gefühl eines dauerhaften Wachstums geprägt vom Wirtschaftswunder der Fünfzigere und Sechziger Jahre.
00:05:45: Also Energie gilt als billig und praktisch unbegrenzt, Öl ist immer verfügbar, Fabriken laufen, Autos fahren, Wohnungen bleiben warm – viele Menschen können sich Dinge leisten wie früher Luxusfahren, Fernseher, Kühlschränke und es gibt regelmäßig Fleisch auf dem Speiseplan.
00:05:59: und Urlaubsreisen werden oder sind für immer mehr Familie normal?
00:06:02: Ja und Stichwort Urlaub, da fällt mir sofort was ein.
00:06:05: Was ich dir unbedingt zeigen will.
00:06:06: Pass mal
00:06:07: auf!
00:06:08: Die Spanier haben die Stiere, die Engländer
00:06:15: die Schotten und die
00:06:23: Italiener die Nudeln nicht.
00:06:25: Also Mahlzeit, Prost!
00:06:36: Kennst du den Film?
00:06:38: Nee aber unverkennbar hins er hat.
00:06:40: Ja der Film heißt das kann unseren Willi nicht erschüttern.
00:06:42: Der ist zwar schon von neunzehntsiebzig Aber für mich ist es genau das Bild vom voll beladenen deutschen Auto am Brenner Am Gardasee an der Adria.
00:06:50: Das ist genau die Welt in die Deutschen damals natürlich gerne fahren.
00:06:55: Das ist ein besonderes sichtbares Symbol für den Wohlstand, das Auto.
00:06:59: Westdeutschland versteht sich in der Zeit geradezu als Autofolk.
00:07:03: Das eigene Auto steht für Freiheit und sozialen Aufstieg, Pendeln, Wochenendausflüge.
00:07:08: Urlaub mit dem Auto gehört zum Alltag.
00:07:11: Bevor wir gleich in die Politik gehen, das sind natürlich auch die Zeit der Autos, die ich immer noch heute großartig finde.
00:07:17: Und wahrscheinlich aus dem ganz einfachen Grund, dass ich zwar später geboren bin aber ... genau den Automarken auch lesen gelernt haben, eben ein bisschen später.
00:07:27: Aber viele Autos die mir dann begegnet sind waren damals schon auf der Straße und damals war es ja wirklich so da konntest du bei jeder Marke einfach entweder in die Marke selbst oder das Modell hinten drauflesen meistens in Chrom.
00:07:47: Und bei Mercedes bekommt der berühmte Strich-Acht eine Modellpflege und die S-Klasse gibt es auch schon, aber streng genommen ab nur seit zweiundsiebzig.
00:07:56: Der Audi Achtzig ist auch schon unterwegs!
00:08:15: Natürlich auch eine ganz andere Art zu werben, aber so war das damals.
00:08:18: Ja und ich bin beeindruckt Michael!
00:08:20: Ich hätte nicht gedacht dass du so ein Fäbel für Autos hast
00:08:22: mehr nur für die Alten.
00:08:24: Dann schauen wir doch jetzt mal auf die Energiewirtschaft.
00:08:28: in Europa Und den USA wird seit dem Ende der fünftiger immer weniger Kohle genutzt und stattdessen zunehmend Erdöl vor allem aus dem Nahen Osten.
00:08:36: Öl ist eben billiger, leichter zu transportieren und auch einfacher zu verwenden.
00:08:40: Gleichzeitig gerät die heimische Kohleindustrie unter Druck.
00:08:43: Und viele Länder darunter auch Deutschland versäumen es ihre Energieversorgung breiter aufzustellen.
00:08:48: Dahinter steht eine weitverbreitete Überzeugung nämlich das wirtschaftliches Wachstum selbstverständliches.
00:08:54: Ja, viele Okonomen und Politiker gehen davon aus dass sich die Wachstagskurven der Nachkriegsjahre einfach ja sozusagen in die Zukunft verlängern lassen, gleichzeitig entstehen Anfang der neunzehntelsebziger Jahre erste Zweifel an diesem Fortschrittsoptimismus.
00:09:07: Nanzer-II.
00:09:08: veröffentlicht der Club of Rome sein Bericht The Limits to Growth, der von den ökologischen Grenzen des globalen Wachstums warnt und im selben Jahr findet die erste große internationale Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Stockholm statt.
00:09:19: Ja also die Idee von Grenzen das Wachstooms gibt es schon aber sie bleibt zunächst vor allem in wissenschaftlichen Linken oder ökologischem Milieu ist präsent und erreicht den politischen Mainstream noch kaum.
00:09:31: Regiert wird das Land neunzehntreiundseizig von Bundeskanzler Willy Brandt, der mit einer sozial-liberalen Koalition aus SPD und FDP Reformpolitik im Bereich Bildung, Familie und Sozialen betreibt.
00:09:43: Außenpolitisch prägt vor allem seine Ostpolitik die Zeit.
00:09:46: weniger Konfrontation mehr Verträge, mehr Normalisierung in geteilten Europa.
00:09:51: Wenn Sie unsere Folge zur Migration oder zum Paragraph twohundertachzehn gehört haben, kennen sie sich hier ja schon bestens aus.
00:09:58: Wir sind schon ein bisschen stark auf die Siebziger gebucht, oder Christiane?
00:10:02: Ja.
00:10:02: Die Siebzieher haben uns gerade wirklich sehr fest im Griff aber es passiert auch eben einfach viel in dem Jahrzehnt.
00:10:07: Jedenfalls werden im September, neuseinhalbundseitig, die Bundesrepublik und die DDR als hundertdreientreißigstes und hundertvierentreißigstes Mitglied gleichzeitig in die Vereinten Nationen aufgenommen.
00:10:18: Und dieser Schritt ist ein Höhepunkt der Entspannungskolitik und folgt auf den Grundlagenvertrag von neunzehnundzwanzig, der die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten wieder normalisiert.
00:10:26: Den
00:10:26: hast du Mitgebracht.
00:10:29: Ein weiterer Schritt dieser Entwicklung ist der Prager-Vertrag, neunzehntelhundertdrehensebzig, der das Verhältnis zur Czechoslovakie neu ordnet.
00:10:36: Wir können mal rein hören in die Rede von Willy Brandt vor der UN Vollversammlung übrigens als erster deutscher Bundeskanzler, der vor diesem Kremium redet.
00:10:45: Durch Vertrag
00:10:45: und Überzeugung an verschiedene Bündnisse gebunden haben die beiden
00:10:50: deutschen Staaten
00:10:51: beschlossen eine Politik der friedlichen Nachbarschaft Das Nebeneinander und wie wir hoffen, das Miteinander zu beginnen.
00:11:02: Wir werden also versuchen, friedliche Co-Existenz
00:11:06: auf Deutsch
00:11:07: zu
00:11:07: buchstabieren.".
00:11:09: Die internationale Lage entspannt sich – die USA und die Sowjetunion verhandeln über die Begrenzung ihrer Atomwaffen und unterzeichnen in drei Jahren sogar einen Abkommen zur Verhinderung eines Atomkriegs.
00:11:20: Doch gleichzeitig zeigen sich erste wirtschaftliche Risse im scheinbar stabilen Wachstumsmodell.
00:11:25: Ja, der Boom, der seit den neunzehnten Fünfzigerjahren fast ununterbrochen angehalten hatte nur kurz unterbrochen durch die Rezession von neunzigzehnsechzig, siebensechszig fängt so richtig in den Siebziger-Jahren an Dynamik zu verlieren.
00:11:38: Schon vor dem Ölpreisschock ist die deutsche Wirtschaft nicht mehr so stabil wie vorher.
00:11:43: Die Demarkt ist stark, die Preise steigen und die Gewerkschaften fordern höhere Löhne Und Deutschland ist stark vom importierten Öl abhängig.
00:11:49: Und hier begegnet uns auch ein alter Bekannter aus unserer Folge zum Paragrafen twohundertachzehn, Richard Nixon.
00:11:55: Zur Erinnerung, neunundsebzig kam es zum Nixon-Shock – der Ursprung liegt in Bretton Woods, einem kleinen Ort im Bundesstaat New Hampshire.
00:12:03: Dort treffen sich noch während des Zweiten Weltkriegsvertreter vieler Staaten und legen die Spielregeln für das Weltwährungssystem der Nachkriegeszeit fest.
00:12:10: Die Idee dahinter?
00:12:12: Feste Wechselkurse?
00:12:15: Ja, man muss sagen der Dollar ist wirklich direkt an den Gold wert gebunden.
00:12:19: Das soll Stabilität schaffen damit Handel und Wachstum planbar werden.
00:12:23: Und dann kommt neunzehneinundsebzig der Bruch.
00:12:26: US-Präsident Richard Nixon hebt die gold Bindung des Dollars auf und damit gerät dieses System ins Banken.
00:12:31: Anfang neunzer dreien siebzig löst Deutschland außerdem die Bindung der Demark an den Dollar und die Ordnung fester Wechselkurse bricht endgültig zusammen.
00:12:38: ja und Dann zeigt er Jomki purkrieg im Herbst auf dramatische Weise wie verletzlich die Industriestaaten wirklich geworden sind.
00:12:52: Ganz kurz nochmal zur Ausgangslage, also seit dem Sechs-Tagekrieg in den Sehnundsechzig hält Israel die Golanhöhen das Westjordanland sowie die Sinai Halbinsel bis zum Suezkanal besetzt und nach dem Sieg im Sechs Tagekriege wächst aber der Druck auf Israel die besetzten Gebiete wieder zu räumen.
00:13:08: Und dann kommt eben dieser sechste Oktober.
00:13:10: neunzehntreiundsiebzig Yom Kippur Das ist der höchste jüdische Feiertag.
00:13:15: Er heißt auch Versöhnungstag Passt natürlich überhaupt nicht zum Kriegen, muss man sagen.
00:13:19: Und steht im Zeichen von Umkehr, Reue und Vergebung.
00:13:22: ein Tag an dem man innehält seinen Verhalten ehrlich prüft und versucht Fehler einzugestehen das wieder gut zu machen und neu anzufangen gegenüber Gott und auch den anderen Menschen.
00:13:32: An diesem Tag greifen Syrien- und Ägypten Israel an.
00:13:46: in Alarmbereitschaft
00:13:47: verwesten und sammelt sich wie hier in Tel Aviv an ihren Einsatz stellen.
00:13:52: Man kann verstehen, für Israel ist das ein Schockmoment.
00:13:55: Viele Reservisten sind eben zu Hause weil niemand mit einem Angriff rechnet.
00:13:58: Über
00:13:58: den Rundfunk rief der israelische Verkehrsminister Pérez die Bevölkerung auf in den Häusern zu bleiben.
00:14:04: Der Rundpunkt, der wegen des Feiertags ursprünglich Funkstelle hatte begann nach Beginn der Kämpfe alle vier Stunden Nachrichten auszustrahlen.
00:14:12: Außerdem erhielt die Bevölkerungsanweisungen wie sie sich bei Luftangriffen verhalten soll.
00:14:16: Die israelischen Krankenhäuser wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
00:14:20: Israel reagiert schnell und geht nach anfänglichen Erfolgen von Syrien und Ägypten zum Gegenanriff über.
00:14:26: Es wird unterstützt von den USA, die Sowjetunion unterstützt wiederum ihre Verbündeten Und dann nach zwei Wochen wendet sich die Lage zugunsten Israels.
00:14:34: Auf Druck des UN-Sicherheitsrats wird ein Waffenstil standvereinbart.
00:14:37: Am Ende behält Israel strategisch wichtige Orte – die Golanhöhen und dem Sinai.
00:14:42: Und jetzt kommt eben der Punkt, an dem dieser Krieg, der auf die Region begrenzt war, in Schock für die gesamte Weltwirtschaft wird.
00:14:49: Aber bevor wir da weiter reingehen müssen wir noch zwei Abkürzungen erklären – OPEC und ORPEC.
00:14:55: Ja, OPEc ist der Zusammenschluss wichtiger Erdöl-exportierender Staaten weltweit zur Koordinierung von Fördermengen und Preisen und ORPEC umfasst die arabischen Förderländer.
00:15:06: Bereits am sechzehnten Oktober erhöhen Vertreter der OPEcs Förder Länder am persisch-arabischen Golf, den Richtpreis Fero Öl im Durchschnitt um siebzig Prozent.
00:15:15: Und ein Tag später beschließen die ORPAC eine Förderkürzung gegenüber September, neunzehntreiundsebzig auch wieder um fünf Prozent.
00:15:22: und weitere Kürzungen sollen dann folgen, solange sich Israel eben nicht aus allen besetzten Gebieten zurückzieht.
00:15:29: Gleichzeitig verhängen die arabischen Öländer Lieferbeugots gegen die USA und die Niederlande wegen der israelfreundliche Haltung.
00:15:36: Sie nutzen also das Ölembargo gezielt als politisches Druckmittel im Naustkonflikt.
00:15:40: Und sie waren die europäischen Länder davor, arabisches Öl an die Niederlande weiterzuleiten – drohen sogar mit einem Boykott ganz Europas!
00:15:48: Rotterdamm spielt dabei eine Schlüsselrolle denn hier befindet sich der wichtigste Öleumschlagplatz Europas.
00:15:54: Man wird das erste Mal nachdem man lange Zeit andere sanktioniert hat selber zum Opfer von Sanktionen Und das passt natürlich in die eigene Vorstellung.
00:16:01: Wir sind hier, die Master of the Universe.
00:16:03: Passt das nicht zusammen?
00:16:04: Man konnte die Russen sanktionieren, die Südafrikaner sanktionen, die es oder jenes machen, dass die arabischen Ölförderländer einen plötzlich sanktionsieren und sagen Kinder ihr kriegt nur dann wenn ihr euch politisch wohlverhaltet weiter in unser Öl.
00:16:16: Das war für viele ein regelrechter Schock!
00:16:18: Ja, hier haben wir gerade Werner Plumpe gehört.
00:16:20: Wirtschafts-Historiker und unser Experte für diese Sendung.
00:16:23: Der macht gleich mal klar, es geht nicht nur um, das ist aber teuer sondern kann auch einfach... Darauf rauslaufen, dass einfach nicht genug für alle da ist.
00:16:31: Und die Preiserhöhungen im Zuge des Perkorts haben noch einen weiteren Grund.
00:16:35: Inflation und der schwächere Dollar verringern den realen Wert der Einnahmen der Ölförderländer.
00:16:40: Sie erhöhen deshalb die Preise um das auszugleichen, damit sie sich von ihrem Ölgeld immer weniger Waren leisten können.
00:16:46: Schon seit den fünftiger-sechziger Jahren gibt es einen massiven Streit über Förderung internationaler Handel und vor allem die Preisgestaltung von Öl.
00:16:54: Das geht in den neunzehntfünfzig Jahre los mit dem Sturz der Region Mossadeck, im Iran.
00:16:59: Setzt sich weiter, vordersteht letztlich immer der Zugriff aufs Öl dahinter.
00:17:02: Haben die Förderländer den Zugriffs oder haben die westlichen Konzerne?
00:17:05: Die Eigentumsrechte da haben den Zugriffe und das hat sich im Laufe der Zeit weiter zugespitzt.
00:17:10: aber es war klar dass sind Preise die auf Dauer ebenso nicht durchsetzbar sein werden weil die Länder sich das nicht so wegnehmen lassen.
00:17:16: Und die haben dann ja auch beschlossen, sich zu organisieren in die ölfördernden Länder und exportierenden Länder.
00:17:23: Wenn Sie übrigens die neunzehntfünfziger Jahre – und muss halt echt noch mehr interessieren.
00:17:27: können wir Ihren Hinweis da lassen auf die letzte Folge unserer Kollegen Angelika und Stefan, die sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben?
00:17:34: Anfang November dreiundsiebzig dann beschließen die OAPEC-Staaten ihre Ö-Förderung im Vergleich zu September um zu reduzieren.
00:17:41: Und das soll so lange gelten, bis Israel die seit nineteen Sechzig besetzte Gebiete räumt und die Rechte der Palästinenser anerkennt?
00:17:49: Die angespannte Lage macht nicht nur hier bei uns deutlich wie knapp die Ölreserven tatsächlich sind.
00:17:55: Das Embargo löst einen regelrechten Schock aus.
00:17:59: Außerdem ist der Zeitpunkt besonders kritisch.
00:18:01: es geht auf den Winter zu und Öl ist die zentrale Energiewelle überhaupt für die wirtschaftlich hoch entwickelnden Länder.
00:18:07: Der eigentliche Schock meiner Ansicht nach bestand darin, dass viele Selbstverständlichkeiten plötzlich in Frage gestellt worden sind.
00:18:14: Es gibt ja eine Fülle von Faktoren die damals zu Beginn der neunzehntetsebziger Jahre diese Selbstverständlichkeit haben erodieren lassen.
00:18:22: da ist zum einen eben das Ende des Booms wie man in der Wirtschaftsgeschichte heute sagt also dass die hohen Wachstumsraten, die man aus dem Wirtschaftsuner kannte nicht mehr so selbstverständlich sind.
00:18:30: Ja und Deutschland ist davon besonders betroffen.
00:18:33: Es ist ein hohem Maß von importiertem Rohöl abhängig, denn mehr als die Hälfte des Energiebedarfs wird aus dem Ausland gedeckt und rund drei Viertel davon stammen aus arabischen Ländern.
00:18:42: Und in der Politik wächst die Sorge vor einer Wirtschaftskrise.
00:18:45: Ökonomen warnen vor dem Ende der bisherigen Wachstumsphase – die Regierung versichert dass die Ölvorräte für ein paar Monate reichen wobei andere Länder viel stärker von der ÖL fördert Rösselungen bzw.
00:18:55: der Ölpreiserhöhung betroffen sind.
00:18:57: Das war für die Bundesrepublik einen riesen Vorteil, der da passiert ist weil nämlich die Ölrechnung in Dollar bestellt worden ist.
00:19:05: Und wenn die Mark so stark aufwertet und der Dollar so stark abwertet, dann kommt die Öhlpreiserhöhung in der Bundesrepublik Deutschland viel schwächer an als den anderen Ländern.
00:19:14: Italien und Großbritannien kommen in dieser Zeit an Zahlungsbilanzgrenzen – die können das einfach nicht mehr bezahlen!
00:19:20: Die müssen sich irgendwo Geld leihen um ihre Öl-Rechnung bezahlen zu
00:19:22: können.".
00:19:23: Ja
00:19:23: wir haben Glück mit der D-Mark kann man sagen aber trotzdem steigen Heizöl und Benzinpreise schnell und der Treibstoff wird knapp.
00:19:30: Die Tankstellen haben damals Rationierungen eingeführt.
00:19:32: Autofahrer dürfen nur noch eine begrenzte Menge pro Tankfüllung kaufen und müssen oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen.
00:19:38: Ja,
00:19:38: die Bundesbehörden und der öffentliche Dienst ergreifen auch Sparmaßnahmen
00:19:42: Und beim Benzinverbrauch zeigt sich den Menschenfeld schwer auf ihre gewohnten Autofahnen zu verzichten.
00:19:48: Schließlich verabschiedet der Bundestag am neunten November das Energiesicherungsgesetz.
00:19:53: Das ermächtigt die Bundesregierung Energie zu rationieren Auch Höchstpreise festzusetzen und die Benutzung von Motorfahrzeugen aller Art nach Zeit, Ort, Strecke, Geschwindigkeit und Benutzerkreis einzuschränken.
00:20:08: Und dann am neunzehnten November beschließt die Bundesregierung schließlich das Sonntagsfahrverbot an vier Sonntagen.
00:20:28: Wenn wir diese Erfahrung nutzen, meine Damen und Herren.
00:20:33: Dann hat jeder von uns Grund dem Winter mit Zuversicht zu begegnen.
00:20:39: Insgesamt gibt es auch Geschwindigkeitsbegrenzungen eben auf Autobahnen- und Landstraßen.
00:20:43: das Sonntagsfahrverbot tritt dann zum ersten Mal am fünfundzwanzigsten November in Kraft.
00:20:48: davon sind rund dreizehn Millionen Autobesitzer betroffen.
00:20:52: die Strafen bei Nichteinhaltung sind ganz schön empfindlich.
00:20:55: bis zu Fünfhundert D-Mark kann es kosten.
00:20:58: Ausnahmen gibt's nur für bestimmte Berufsgruppen, etwa die Polizei natürlich Ärzte aber eben auch für die Taxen.
00:21:04: Das
00:21:04: hatte aber fast was Reizvolles an sich.
00:21:08: also diese leeren Automanen und diese
00:21:10: doch
00:21:11: dieser friedlichen Sonntage das war ist von mir nicht negativ in Erinnerung auf wenn man natürlich später je mehr man sich damit auseinandersetzt umso mehr anfängt die Dinge einzuordnen und anderes Wissen hinzuziehen.
00:21:23: Grenzen, was ist und was geht.
00:21:26: Aber das unmittelbare Erleben war eher kurios.
00:21:30: Die Menschen leben die Einschränkungen eher pragmatisch hin.
00:21:33: Später zeigt sich dann so wirklich viel gebracht – hat das zwar vermutlich nicht.
00:21:37: Es wird insgesamt nur wenig Benzin gespart, weniger als erwartet.
00:21:41: Dennoch hatte es anderweitige Auswirkungen, nämlich auf die Sensibilität für Umweltfragen.
00:21:46: Das war also nicht das allgemeine politische Gerede über.
00:21:48: Wir müssen so, wir müssen dies oder jenes machen und der einzelne weiß nicht was er im Alltag tun soll sondern dann war ganz klar im Alltag heißt es zum Beispiel weniger Waschpulver nehmen oder weniger tanken oder Autos kaufen die mehr Sprit sparen oder weniger Sprit verbrauchen.
00:22:02: und das sparen und das vorsichtige umgehen mit den Dingen das müssen wir wegen unseres begrenzten Budgets ohnehin.
00:22:08: aber das konnte man ja auch machen Und insofern waren diese Veränderungen die da gewollt verlangt wurden, wer nichts vorgegen die Menschen sich glaube ich gestreubt hätten.
00:22:17: Das wüsste ich aus eigener Erinnerung.
00:22:19: das hat man nicht gemacht.
00:22:21: Ja und an dem Punkt müssen wir klar sagen es gibt einerseits natürlich die Einschränkungen aber andererseits gibt's auch sowas wie ein Gesamtgefühl.
00:22:27: Viele spüren die Ungewissheit dass das Öl knapp werden könnte Und dann muss auch sagen die Schlagzeilen der bundesdeutschen Presse damals haben nicht unbedingt dazu beigetragen die Bevölkerung zu beruhigen.
00:22:37: So hat zum Beispiel der Spiegel geschrieben vom Ende der Überflussgesellschaft Und die Zeit vom Zeitalter des Mangels.
00:22:43: Zum Jahresende dann, an Heiligabend, kündigen die ORPEC-Staaten an, die Lieferbeschränkungen ab dem ersten Januar für einen Siebzig etwas zu lockern und die Produktion etwas zu erhöhen.
00:22:53: Allerdings hatten nur wenige Tage zuvor die Ölminister der Golfstaaten beschlossen, die Weltmarktpreise für das Rohöl drastisch zu erhöhten – auf das Vierfache des Preises von September.
00:23:02: Das ist natürlich ganz schön viel!
00:23:04: Dann ist die Frage reagiert da jedes Land für sich oder macht man es gemeinsam?
00:23:09: Ja, das Schock macht dann deutlich Die Ölverbraucher-Länder brauchen eine gemeinsame Strategie.
00:23:14: Und vor allem die USA unter Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger drängen auf eine engere Zusammenarbeit der westlichen Industrieländer.
00:23:21: Innerhalb der OECD entsteht deshalb hier die internationale Energieagentur, um langfristig im Energiebereich zusammenzuarbeiten und gemeinsam auf eine mögliche Ölknappheit in Krisenzeiten reagieren zu können.
00:23:34: Und noch dazu werden die Gesiebengipfel als direkte Reaktion auf die Ölkrise ins Leben gerufen um eben internationale Kooperation in der Weltwirtschaft zu stabilisieren.
00:23:45: Da sind wir aber auch direkt bei den Folgen, die Weltwirtschaft gerät in die schwerste Krise seit den neunzer dreißiger Jahren, die stark gestiegenen Energiepreise bremsen die deutsche Wirtschaft, die Konjunktur schwächelt und die Preise steigen trotzdem – es entsteht eine Starkflation!
00:24:05: Das Wirtschaftswachstum bricht von rund fünf Prozent auf nahezu null ein und auch die Industrieproduktion sinkt spürbar.
00:24:12: Besonders hart trifft es die energieintensive Industrie- und die Automobilbranche.
00:24:16: In den letzten Jahren hat sich der Verwaltungsgerät Volkswagen durch hohe Energiepreise, steigende Produktionskosten und das veralterte Käfermodell in eine schwere Krise.
00:24:25: VW schreibt einen Verlust von eighthundertsieben Millionen D-Mark – und rund sechsundzwanzigtausend Arbeitsplätze fallen weg.
00:24:30: Große Teile der Produktion stehen zeitweise still und bis zu vierhundertsechzig tausend Autos bleiben
00:24:35: unverkauft.".
00:24:36: Das sind natürlich unfassbare Zahlen, aber das große Glück ist, dass der Golf, also in den hier die Rheinser, so ein großer Erfolg wird.
00:24:44: Die Arbeitslosigkeit steigt deutlich von zweihundertseinzigtausend auf mehr als eine Million.
00:24:49: Auch die Zahl der Kurzarbeiter nimmt stark zu und um den Druck am Arbeitsmarkt zu reduzieren, erlässt die Bundesregierung im November einen vorläufigen Anwerbestock für ausländische Arbeitskräfte aus Nicht-IG-Ländern.
00:24:59: Da können wir natürlich auch wieder auf unsere Folge zur Migration hinweisen.
00:25:03: Und an diesem Punkt ist aber jetzt die Frage für diese Folge Was macht ein Land, wenn es merkt, dass die Abhängigkeit ein Risiko ist?
00:25:11: Die Erfahrung, die man macht, die ganz zentral ist.
00:25:13: Das ist für die deutsche Wirtschaftsgeschichte seit dem neunzehnten Jahrhundert und bis in die Gegenwarte im Übrigen.
00:25:17: Die zentrale Erfahrung ist das, daß die Funktionsfähigkeit des Industriestandorts von der Verfügbarkeit an der Höhe der Energiepreise abhängt.
00:25:24: In Deutschland beginnt man über Alternativen nachzudenken.
00:25:26: Die Bundesregierung plant den Ausbau der Kernenergie, bis nix zu achtzig sollen vierzig neue Reaktoren gebaut werden.
00:25:33: Wir brauchen die Kernenergy!
00:25:34: Ob ihr es begrüßen oder nicht begrüßenspielt, spielt hier überhaupt keine Rolle.
00:25:38: Seine Frage rationaler Einsicht und politischer Entschlossenheit!
00:25:41: Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland von den erdülerzeugenden Staaten und die damit verbundene politische Erpressbarkeit darf nicht noch weiter gesteigert
00:25:51: werden.".
00:25:52: Einfach unverkennbar Franz-Josef Strauß natürlich.
00:25:55: Am Abend kam es zu einer regelrechten Schlacht in das schwer befestigte Baugelände in Brockdorf.
00:26:00: Mehrere Stunden lang versuchten einige tausend Demonstranten an verschiedenen Stellen, Mauer und Stacheldraht der NVK-Festung zu überwinden und den Platz zu besetzen.
00:26:09: Die Umweltschützer mit friedlichen Mitteln, verschiedene kommunistische Gruppen mit Wurfankern, Drahtscheren und Steinwirfen.
00:26:16: Polizei und Bundesgrenzschutzeinheiten antworteten mit einem Dauerfeuer von Tränengasbomben, Wasserwerfern mit chemischer Weimängung unter chemischen Keule.
00:26:25: Es kommt zu Protestaktionen wie im badischen Wühl oder, was wir hier gehört haben gegen den Bau des Atomkraftwerks in Prokdorf.
00:26:34: Der Beginn einer wachsenden Umweltbewegung und gleichzeitig entstehen erste Pilotprojekte für erneuerbare Energien vor allem für Windkraft- und Solarstromen.
00:26:43: und die Grünen entstehen dann dem Fahrwasser der zweiten Ölkrise Ende der Siebziger Anfang der Achtziger.
00:26:49: Deutlich ist schon jetzt – Die Abhängigkeit von importiertem Öl ist ein Risiko!
00:26:53: Und gleichzeitig schauen die großen Ölkonzerne über den Tellerrand.
00:26:57: In der Nordsee, Norwegen und Großbritannien.
00:27:00: Hier liegen neue Ölkwellen, die nun wirtschaftlich interessant werden – so entstehen in den kommenden Jahren wichtige neue Energiequellen für Europa!
00:27:09: für die westlichen kapitalistischen Länder, für Westdeutschland insbesondere bestanden.
00:27:13: Darin, dass der grundsätzliche Optimismus die Hoffnung auf immerwährendes Wirtschaftswachstum und auf immerwährenen Wohlstand das die in den neunzehntzebten Jahren deutliche Dämpfer bekommt.
00:27:24: Ja
00:27:25: da wirft die Krise auch... Die große Frage auf, wie viel Wachstum kann die Welt überhaupt vertragen?
00:27:30: Wir hatten es vorhin ja schon erwähnt.
00:27:32: In two seventy hatte der Club of Rome davor gewarnt dass eine unbegrenzte Expansion auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht möglich ist.
00:27:40: wir fragen uns natürlich trotzdem Wie können wir möglichst preiswerte Rohstoffe einkaufen und wie können dann eben auch unsere großen Konzerne daran verdienen?
00:27:49: die geopolitische Geoökonomische Aufmerksamkeit verschiebt sich in Richtung der OPEC-Staaten und nur wenige Jahre später, neunzehntneunzebzig macht die zweite Ölkrise erneut deutlich wie anfällig die Weltwirtschaft für politische Konflikte und Energieabhängigkeit
00:28:07: ist.
00:28:19: Es ist ein früher Morgen in Tehran.
00:28:21: Auf dem Chaletplatz stehen tausende Menschen, sie demonstrieren gegen das Scharegime, gegen den Geheimdienst Zawag, gegen Repressionen und soziale Ungerechtigkeit.
00:28:32: Viele fordern eine grundlegende Staatsreform.
00:28:35: Aber an diesem Tag wird das Demonstrationsrecht ausgesetzt nachdem einen Monat zuvor das Kriegsrecht verhängt worden war.
00:28:42: Damit sind die Proteste offiziell verboten.
00:28:46: Sicherheitskräfte fordern die Menge auf, den Platz zu räumen.
00:28:49: Dann fallen Schüsse, Menschen rennen, stolpern und versuchen in Nebenstraßen zu fliehen.
00:28:54: Andere bleiben auf dem Asphalt liegen.
00:28:57: Wie viele genau an diesem Tag sterben ist bis heute umstritten.
00:29:00: Sicher ist – Die Iraner erinnern sich an diesen Tag als schwarzen Freitag Und viele sehen ihn als Wendepunkt durch den ein Kompromiss zwischen Regime- und Protestbewegung immer unwahrscheinlicher wird.
00:29:13: Nach dem schwarzen Freitag nehmen Proteste und Streiks im Land weiter zu.
00:29:17: In der Ölindustrie wird die Arbeit niedergelegt, die Streiks werden im Verlauf des Winters zu einem zentralen Hebel gegen das Regime.
00:29:24: Ab November deklariert sich das Land im Generalstreik.
00:29:29: Die Forderungen gehen jetzt sogar bis zur Absetzung des Schaars.
00:29:33: Bis Januar neunzehntneunundsiebzig geht die Ölförderung um mehrere Millionen Barrel pro Tag zurück.
00:29:39: Für den Weltmarkt heißt das weniger iranisches Öl, mehr Unsicherheit.
00:29:44: Und in Importländern wächst der Druck kurzfristig Ersatz zu schaffen und Reserven aufzustocken.
00:29:55: Am Flughafen Merrabat rollt eine Maschine auf das Vorfeld.
00:29:59: Mohammed Reza Pahlawi – Der Schaar verlässt das Land, flieht ins Exil.
00:30:09: Bis auf das kaiserliche Paar die Scharfamilie den Iran schon verlassen.
00:30:14: Nach einem Zwischenfall in Europa, so heißt es, gehe der Monarch für unbestimmte Zeit in die USA voraussichtlich nach Los Angeles.
00:30:23: In Teherans Straßen wird gejubelt – gleichzeitig hängt alles in der Luft!
00:30:28: Wer übernimmt jetzt die Macht?
00:30:29: Wie reagiert die Armee und kommt die Ölindustrie wieder verlässlich in Gang?
00:30:44: Gut zwei Wochen später, derselbe Flughafen wieder landet eine Maschine.
00:30:49: Ayatollah Khomeini, der jetzt aus seinem jahrelangen Exil zurückkehrt – die Straßen sind voll, Menschen tragen seine Porträtsrufe parolen!
00:30:57: Am ersten April neunzenhundertneunundsiebzig wird nach einem Referendum die islamische Republik ausgerufen.
00:31:07: Doch mit Khomenis Ankunft ist die Lage nicht automatisch stabil.
00:31:11: Im Verlauf der Revolution ist die Ölförderung stark eingebrochen, sie kehrt nicht einfach auf das alte Niveau zurück.
00:31:17: Die Ölpreise steigen fast auf das Doppelte!
00:31:20: In Teheran verschiebt sich das politische Klima – in Teilen der neuen Führung wird die USA zum Feindbild.
00:31:26: Als Macht, die jahrzehntelang den Schah gestützt haben soll und jetzt im Hintergrund anscheinend weiter Einfluss nimmt….
00:31:34: Viele Iraner erinnern sich an den Sturz von Mohamed Mossadek, und die Beteiligung des US-Geheimdienstes CIA.
00:31:41: Am Morgen des vierten November, zehnen mehrere junge Leute – vor allem Studierende – zu US-Botschaft in Tierra.
00:31:50: Die Marines, die die Botschaft schützen, reagieren routiniert, bringen die Mitarbeitenden auf eine gesicherte Etage verteilen Gasmasken.
00:31:58: Doch dann fällt das Tor!
00:32:00: Die Menge drängt auf das Gelände.
00:32:02: Die Studenten sind kaum bewaffnet, viele tragen nur Plakate oder Stücke.
00:32:06: die Marines setzen Tränengas ein aber es fällt kein Schuss.
00:32:10: Minuten später stehen die Besetzer in den Büros fesseln den Amerikanern die Hände verbinden
00:32:15: ihnen die Augen.
00:32:34: Noch am selben Abend laufen in den USA Sondersendungen.
00:32:37: Schon nach wenigen Tagen beginnt ein Ritual.
00:32:39: Jeden Abend wird erzählt, wie lange die Geiseln bereits festgehalten werden.
00:32:43: Ein Sender nennt sein Programm America Health Hostage.
00:32:46: Daraus wird später die dauerhafte Sendung Nightline.
00:32:50: Die Geisennahme ist so nicht nur ein diplomatischer Skandal sie wird zum täglichen Fernsehereignis.
00:33:08: Politisch eskaliert der Konflikt wie nie zuvor.
00:33:11: Doch wirtschaftlich ist der Westen weiterhin auf iranisches Öl angewiesen, in Washington wächst der Druck auf Präsident Jimmy Carter.
00:33:18: Diplomatische Initiativen, Sanktionen, Drohungen – nichts führt zur Freilassung der Geiseln!
00:33:23: Schließlich entscheidet sich Carter für eine riskante Option.
00:33:26: Eine geheime Befreiungsaktion In der Nacht vom vierundzwanzigsten auf den fünfundzwannzigsten April, nineteenhundertachtzig startet Operation Evil Claw.
00:33:35: Hubschrauber und Transportmaschinen sollen an einem Landeplatz mit dem Decknamen Desert One in der iranischen Wüste landen sich sammeln und von dort weiter Richtung Tehran fliegen.
00:33:46: Doch die Mission scheitert schon bevor sie die Geiseln überhaupt erreicht.
00:33:50: Guten Abend meine Damen und Herren!
00:33:51: Ein Versuch der Amerikaner die Geisen in Tehrans zu befreien ist in der vergangenen Nacht gescheitert.
00:33:56: Das Unternehmen wurde schon in der Vorbereitungsphase wegen unvorhergesehener technischer Schwierigkeiten auf iranischen Boden abgebrochen.
00:34:04: Es kam nicht zu kämpfen, trotzdem haben acht amerikanische Soldaten das Unternehmen mit dem Leben bezahlt als beim Rückzug zwei US-Maschinen zusammensteßen.
00:34:13: Präsident Carter übernahm für den Fehlschlag dessen Innen und Außenpolitische Folgen noch nicht abzusehen sind die volle Verantwortung.
00:34:20: Die Bilder von Desert One, den ausgebrannten Wachs in der Salzwüste prägen sich ein als ein Symbol einer gescheiterten Supermacht.
00:34:28: Acht amerikanische Soldaten sterben – der Präsident übernimmt im Fernsehen die Verantwortung!
00:34:33: Seine innenpolitische Position wird weiter geschwächt und die Geiseln bleiben nach dem Disaster weiter in der Hand ihrer Bewacher.
00:34:56: Sie konnten an Bord von zwei agerischen Flugzeugen vor eineinhalb Stunden die iranische Hauptstadt Thera verlassen.
00:35:02: Eine halbe Stunde zuvor hat den Washington der Präsidentenwechsel stattgefunden, somit lag es in den Händen des neuen amerikanischen Präsidenten Reagan als erster Offiziell das Ende der Geislerfähre zu bestätigen.
00:35:13: Genau vierhundert vierundvierzig Tage hatte sie
00:35:15: gedauert.".
00:35:16: Die Bilder gehen um die Welt – für die einen ist es der Moment, in dem Amerika seine Leute zurück holt.
00:35:22: Für nun Ex-Präsident Carter bleibt es der sichtbarste Schlusspunkt seines Scheitern.
00:35:28: Wirtschaftlich braucht die Welt noch Jahre, um aus der zweiten Ölkrise herauszukommen – in den USA und Europa explodieren die Preise!
00:35:35: Die Notenbanken drehen die Zinsen hoch, es folgt eine harte Rezession Anfang der achtziger Jahre.
00:35:41: Gleichzeitig sinkt der Ölverbrauch, neue Fördergebiete in Nordsee und Alaska werden erschlossen, die Organisation OPEC verliert an Macht.
00:35:49: Erst Mitte der Achtzigerjahre fällt der Ölpreis wieder deutlich.
00:35:53: Die unmittelbare Krise ist vorbei, geblieben ist die Einsicht.
00:35:57: Öl
00:35:57: ist nie nur eine Ware sondern immer auch eine Machtfrage und wer das übersieht wird von der nächsten Krise daran erinnert.
00:36:06: Wenn man das jetzt noch mal alles hintereinander hört – die autofreien Sonntage, der erste Öl-Preisschock, dann Iran Revolution Geiselnahme zweite Ölkrise spätestens jetzt ist ja klar Also Benzin wird teurer ist einfach nur ein Teil des Problems.
00:36:21: Ich versuche das jetzt erstmal noch etwas aufzulockern, bevor wir da weiter in die Tiefe gehen!
00:36:24: Wir haben ja am Anfang schon gehört wie schnell das Thema in die Popkultur rutscht und natürlich gibt es Ende der siebziger Jahre immer noch Schlager und ich habe dir mal einen mitgebracht.
00:36:33: Oh, ich ahne wirklich Schlimmes... Vor Christine, ich weiß wirklich nicht, dass sie wirklich Krise zum mitklatschen.
00:36:48: Aber bei Roberto Blanco muss ja auch immer ein bisschen Spaß sein.
00:36:51: Das beweist Humor und der hilft ja bekanntlich immer.
00:36:54: Ich habe mich natürlich auch musikalisch vorbereitet.
00:36:57: Da klingt das dann schon etwas anders.
00:36:59: Dann lass mal
00:36:59: hören.
00:37:18: Ich finde, es klingt so nach siebziger Disco
00:37:20: Musik.
00:37:21: Auch ein bisschen ja ist aber eben kein Benzin von Georg Danza also einem österreichischen Liedermacher.
00:37:26: Also
00:37:26: wir sehen das Thema wird auch jedenfalls musikalisch ausführlich bearbeitet.
00:37:31: Ja wenn wir jetzt wieder umschalten auf Politik Das ist einfach klar wie schnell in den Sicherheitsmodus geschaltet werden muss und erst geht's darum Einfach schlicht den Laden am laufen zu halten und dann aber auch ganz schnell Um so Dinge wie, was heißt das für unseren Standort?
00:37:47: Unsere Industrie und ja auch unsere Bündnisse mit unseren Partnern auf der Welt.
00:37:52: Politik- und Wirtschaftsrücken jetzt eng zusammen!
00:37:54: Man schützt die energieintensiven Branchen dann setzt man stark auf Atomkraft später auf Gas Nordseöl Pipelines.
00:38:02: Das sind ja immer Antworten, die sehr stark vom Wirtschaftsmodell her gedacht sind.
00:38:06: Und gleichzeitig bleibt es Gefühl wir verschieben Abhängigkeiten statt sie wirklich aufzulösen.
00:38:11: Heute reden wir über Iran und die Straße von Hormuz auch wieder, aber das muss da kennen wir eben eigentlich schon seit 만들zebzig.
00:38:18: Und das war ja unsere Leitfrage hat diese erste Ölkrise Politik und Wirtschaft in Deutschland dauerhaft enger verschweißt.
00:38:25: oder erzählen wir uns das im Rückblick vielleicht ein bisschen zu glatt?
00:38:28: Deswegen wollen wir jetzt beides miteinander verbinden die siebziger und die Lage heute und holen uns jetzt jemandem dazu der diese Zeit nicht nur politisch sondern auch vor allem wirtschaftlich und industriegeschichtlich einordnen kann.
00:38:39: Sie haben Ihnen im ersten Teil der Sendung schon gehört.
00:38:42: Werner Plumpe ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Güte Universität hier in Frankfurt am Main.
00:38:49: Herzlich willkommen bei uns im Podcast!
00:38:51: Ja, herzlichen Dank für die Einladung.
00:38:52: Wenn sie mit uns auf die Ölpreiskrise von neunzehntundundundseinhalbzig schauen hat dieser Schock die Politik somit der Wirtschaft verschweißt dass sie bis heute anders reagiert wenn Energie teuer wird als es vielleicht wäre wenn man Politik und Wirtschaft trennen könnte?
00:39:06: Also ich würde da die Verschweißung gerade nicht sehen.
00:39:09: Sondern ich würde sagen, dass seit den neunzehnten Hundert-Siebzieherjahren nicht nur wegen der Ölpreiskrise sondern auch wegen vieler anderer struktureller Änderungen die seinerzeit eintreten.
00:39:21: Distanz zwischen Politik und Wirtschaft größer wird.
00:39:23: In der Zeit des Wirtschaftswunders war völlig klar, die Stabilisierung des westdeutschen Teilstaates hängt in ganz zentraler Weise die politische Stabilisierung.
00:39:31: Des westdeutischen Teilstaats hängt ihn ganz starkerweise von seiner ökonomischen wirtschaftlichen Entwicklung ab nicht nur um den Brüdern und Schwestern in der DDR zu zeigen das es unter kapitalistischen Bedingungen sich besser leben lässt sondern auch um generell das Land politisch steuerbar zu halten auch seinen Beitrag zum Wiederaufbau Westeuropas hochzuhalten und dadurch die europäische Integration in eine wirtschaftlich erfolgreiche Geschichte zu transformieren, all das war ganz wichtig.
00:39:56: Insofern hat die Politik in den fünftiger-sechzig Jahren getan was das ökonomische Wachstum, die ökonomische Stabilität begünstigt hatte.
00:40:04: Seit den neunzehntsiebzigerjahren beginnt ganz PÖAPÖ erst langsam aber ganz PöAPÖ die Frage aufzukommen, was kostet uns eigentlich eine so rasche wirtschaftliche Entwicklung?
00:40:13: Was sind die, heute würde man sagen Kollateralschäden.
00:40:16: Was sind negative Effekte?
00:40:18: Was sind externe Effekten?
00:40:20: Das beginnt in den frühen siebzehren Jahren mit der Frage des Rohstoffverbrauches, der plötzlich nicht mehr nur als Indikator dafür gesehen wird wie toll man ist.
00:40:28: und dann fragt man sich kann man das eigentlich immer so weitermachen.
00:40:31: Das beginnst mit der Thematisierung von Umweltproblemen, Umweltverschmutzung vom Flächenverbrauchen und es geht immer weiter.
00:40:37: und dann kommt irgendwann natürlich auch Gesellschaftliche, für die soziale Frage ist das überhaupt gerecht was hier passiert.
00:40:44: Aber da glaube ich die spielt nicht so eine große Rolle obwohl in den siebzehren viele gedacht haben man muss sehr antikapitalistisch denken aber die wirksamere Sache ist die gewesen wir können uns vielleicht ein solches Wirtschaftswachstum wegen seiner negativen folgen vielleicht auf Dauer gar nicht so leisten.
00:41:00: Der Wahlerfolg der Grünen dann in den neunzehntachtiger Jahren macht das zum Thema der Politik.
00:41:04: Und letztlich ist ja daran, wenn man so will gegen ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum und gegen die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte des Wirtschafts.
00:41:13: und als gerichtetes Modell eben auch eins das deutlich macht – die Politik will sich in gewisser Weise von der Wirtschaft emanzipieren und eher sagen es ist schon gut, wenn ihr ordentlich funktioniert aber ihr müsst euch an Regeln halten, die wir euch setzen.
00:41:26: Ich
00:41:26: will noch mal ganz kurz auf neunsehnt, ähm, neunzebzig, achtzig oder achtziebzig-neunzechzig schauen.
00:41:32: Die sogenannte zweite Ölkrise... Wenn wir da draufschauen ist das eine Wiederholung eines Musters die sich schon auch mit dreiundsebzig vierundsiebziger abgezeichnet hat?
00:41:40: Oder ist es ein ganz anderer Krisentyp?
00:41:43: Ne, das würde ich sagen ist das Gleiche!
00:41:44: Wir haben wiederum eine disruptive Steigerung der Energiepreise, die in eine konjunktuelle Abschwumpfasien eingerät und wir haben seinerzeit eben aus verschiedenen Gründen könnte man sagen eine gewisse Krise des Staatshandelns, die sich am deutlichsten vielleicht in den unglücklichen Handeln von Jimmy Carter äußert.
00:42:04: Da sind wir auch wieder beim Iran auf dieser Versuch da die Geiselung zu befreien.
00:42:07: das scheitert daher.
00:42:09: aber ganz generell kann man sagen dass im Neunzehnt neunsebzig achtzig diese Vorstellungen die Politik es letztlich überfordert Dass sie viel deutlicher wird als das vielleicht noch neunzehnzehnteinzehneinzebzig der Fall gewesen ist als man aus diesen Wirtschaftsunderjahren relativ ohne Schulden und Unbe Schwerter rauskommt und denkt, das können wir jetzt irgendwie gestalten.
00:42:28: Ist man am Ende der neunzehnten siebziger Jahre bereits in der Situation, dass die viele in einer Zahlungsbilanz Krisen hatten?
00:42:33: Italien, Großbritannien etwa.
00:42:35: Das sind den USA-die kensianischen Modelle der neunszehnte jahre erkennbar nicht mehr funktionieren.
00:42:40: Ja.
00:42:41: Dass Großbritanien in eine Dauerkrise steckt unter James Callaghan kommt es ja dann zum Winter auf Discontent und schließlich zur Wahl von Margaret Setscher, die so bliebt glaube ich gar nicht gewesen ist.
00:42:50: aber dass sie gewählt wird zeigt dass man in dieser vor allen Dingen Sozialdemokratisch-Kensianischen-Politik gar nichts mehr so richtig zutraut.
00:42:58: Und in diesem Kontext gehen die Ölpreise wieder nach oben, in dem Kontext kommt es zu einer konjunktualen Krise und das Ende der neunzehntelsebziger Jahre bei sehr hohen Inflationsziffern.
00:43:08: Das führt zu einer gewaltigen Verunsicherung.
00:43:10: In den USA kommt es dann zur radikalen Änderung, noch unter Jimmy Carter und der Zinspolitik unter Paul Volker, der sogenannte Völkerschock setzt ein.
00:43:19: Die Zinsen gehen dramatisch nach oben und viele Länder der Dritten Welt können pläziere Schuld nicht mehr bezahlt.
00:43:24: Und hier bei uns dauert es noch bis dann Helmut Schmitz schließlich, zweiundsiebzig ... dann durch Helmut Kohl abgelöst wird.
00:43:33: Zweiundachtzig?
00:43:33: – Zweiunachtzig,
00:43:34: genau.
00:43:34: Zwoieinachtzig.
00:43:35: Pardon!
00:43:36: Durch Helmut-Kohl mit dem konstruktiven Misstrauen-Sortum abgelösst wird.
00:43:39: aber das passt alles genau in diese Zeit.
00:43:42: also die Ölpreiskrise, die konjunkturellen Schwierigkeiten zeigen die Grenzen eines politischen Steuerungsmodells.
00:43:47: Das wird jetzt erst mal sichtbar.
00:43:49: und der Ruf das muss jetzt alles anders werden Der ist damals sehr laut gewesen.
00:43:53: Und würden Sie sagen wenn wir auf Deutschland schauen dass die Bundesregierung dann aus der Krisenbewältigung, oder war die Situation schon schwieriger?
00:44:06: Ja.
00:44:06: Die Situation war schwieriger und man hatte höhere Staatsschulden angehäuft.
00:44:10: im Wahlkampf in den letzten Jahren.
00:44:12: Das vergessen ja viele auch, haben die katholischen Bischöfe seinerzeit vor der Staatsverschuldung gewarnt.
00:44:19: Das waren mir da weniger klar.
00:44:20: eine Wahlwerbung in Richtung seinerzeit Franz-Josef Strauß.
00:44:26: Man war in einer gewisser Weise anderen eher fasshilflosen Situation.
00:44:31: Die westdeutsche Situation war nicht so dramatisch wie in den USA unter Jimmy Carter und dann Ronald Reagan, schon gar nicht vergleichbar mit dem Industrial Decline und den gewaltigen Problemen die Großbritannien in dieser Zeit hatte.
00:44:42: Der westdeutische Staat war eigentlich durchweg noch handlungsfähig aber die Erwartungen... Die die menschen hatten gingen eben an eine richtung.
00:44:48: das muss besser das muss anders werden.
00:44:49: so kann es nicht weiter gehen und insofern fehlte der regierung von helmut schmitzschliessig auch wenn man so will dass utopische das gewisser weise hin.
00:44:58: aber was wollen wir jetzt eigentlich machen?
00:44:59: das wäre einfach eine weiter verwaltung der situatione in neunzehnt siebziger jahre mit relativ hoher staatlicher, staatlichem Engagement mit wachsender Staatsverschuldung gewesen.
00:45:10: Aber da war nichts dran was die Leute wirklich in die Zukunft so hätten fortschreiben können mit einer gewissen Fantasie jedenfalls.
00:45:16: Wir
00:45:17: fragen uns in solchen Krisen ja immer wer eher geschützt wird?
00:45:20: Die Haushalte oder die Industrie und was das so übers Staatsverständnis aussagt.
00:45:25: wie viel sich die Leute wünschen dass sich der Staat in die Gesellschaft einmischt ist es ähnlich zu heute zu betrachten
00:45:32: oder das gegenteil war der fall die?
00:45:34: wir hatten die neunzehnte sieben jahre als eine starke staatliche einmischungsphase erlebt und Das war im deutschen fall etwas besonderes noch weil eben die staatliche Einmischung eigentlich erst mit der großen koalition unter kiesinger losgegangen ist nineteen sechsechzig siebendern sächsich.
00:45:50: dann hatten wir aber eben in den neunzenhundert siebzehn jahren schon die vorstellung der start muss sehr viel machen er muss sich verschulden.
00:45:55: da steht heute Der eine oder andere wird sich erinnern.
00:45:58: Der Name von Horst Ehmke, der war unter Willy Brandt Kranzler Amtsminister.
00:46:02: Er hat sehr stark für die Verschuldung plädiert um zu sagen, der Staat muss das Geld in die Hand nehmen, um nicht nur an junge Zyklen auszugleichen sondern auch im Strukturwandel in der Gesellschaft herbeizuführen, um sie sozialer zu machen und integrativer, partizipativer zu machen.
00:46:17: Und er argumentierte damit, wenn wir das tun.
00:46:19: Dann wird das Wirtschaftswachstum ohnehin dadurch profitieren und wenn das profitiert, sprudeln auch die Staatseinnahmen.
00:46:25: also Die Verschuldung zahlt sich in gewisser Weise selbst.
00:46:28: Das war die Philosophie in den neunzehnten siebzehn Jahren, die dann aber nicht aufgingen.
00:46:32: was man stattdessen bekam als berühmte Stichwort von der Starkflation Also der Wirtschaft ging es nicht wirklich besser über die Inflation Gegen hoch.
00:46:39: und da war Ende der neunzehnt zwanzivziger Jahre die Vorstellung, gerade die mit der Setscher-Ragen.
00:46:45: Und dann Kohl reissierten weniger Staat.
00:46:49: Der Staat muss schlanker werden!
00:46:51: Es geht nicht darum dass der Staat die Nachfrage fördert, das der Staat den Strukturwandel abfedert, dass der Stadt strukturiert und einkräft.
00:46:59: Das geht darum, dass die wirtschaftlichen Kräfte wieder freigesetzt werden selbst Erholungskräfte freigesetzen werden.
00:47:05: Der Staat muss schlanker werden, die Belastungen sollen geringer werden und die Menschen sollen mehr Freiheiten bekommen.
00:47:14: D.h.,
00:47:14: die Regulierung der Energiesektor war weitgehend staatlich.
00:47:22: Der eine oder andere wird sich erinnern, die deutsche Bundespost, die einem früher das Telefon brachte.
00:47:26: Darf das nicht mehr?
00:47:27: Und so weiter.
00:47:27: Das macht jetzt irgendein privates Unternehmen und in ganz vielen Bereichen hat man es versucht bis hin zur Einführung des Privatfernsehen zu anderen Dingen.
00:47:35: also man wollte dass sozusagen aus dem Geist der privaten Konkurrenz, der private Initiative heraus die Wachstumsdynamik zurückkehrt.
00:47:43: Das war völlig anders als heute damals.
00:47:45: Wenn wir uns das im weiteren Verlauf jetzt noch anschauen, ich ziehe jetzt mal einen Bogen mehr Richtung heute.
00:47:52: Wenn wir unsere Projekte anschauen wie Nord Stream I und Nord Stream II – Sie haben ja auch gerade schon gesagt, Energie ist immer der Treiber für die Wirtschaft – kann man da sagen, dass es eine Fortsetzung dieses Ölkrisenreflexes?
00:48:05: Das meiner Ansicht nach.
00:48:06: Nordstrom II und Nordstrom I sind Ausdruck der Tatsache, dass man unter Angela Merkel die Energiewende vollziehen wollte Und schlicht vor der Frage steht, wenn wir uns aus den fossilen Energien einer bestimmten Tradition.
00:48:18: Aus Kohle vor allen Dingen was die Stromherstellung angeht aber auch vom Öl Wenn wir da raus wollen dann müssen wir Alternativen haben.
00:48:25: und die alternativen sind seinerzeit eben nach Maßgabe des technischen Wissens gewesen Die Atomenergie und das Gas.
00:48:34: das galt als umweltfreundlicher nicht als umwertfreundlich Aber als freundlicher zumindest Und es stand in ausreichender Menge und in ausreichener Qualität zu einem angemessenen Preis durch russische Lieferung zur Verfügung.
00:48:45: Die Frage war, wie können wir die russischen Lieferungen ermöglichen?
00:48:49: Dass man da Nordstrom II und Nordstrom I gebaut hat, war schlicht und einfach der Versuch... ...aus der traditionellen Energienutzung auszusteigen und sie durch eine andere.
00:48:57: zu ersetzen und das schien unter den Bedingungen.
00:48:59: Der zeigt ja sogar ein Völkerverständigungsprojekt, so an.
00:49:01: Putin sprach vor dem Bundestag etc.
00:49:03: Das war also etwas, dass politisch in der Bundesrepublik soweit ich mich entsinn kann eigentlich nie wirklich umstritten.
00:49:09: Die Bundesregierung haben eigentlich lange an der Position festgehalten, wir müssen die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts Deutschland in den Vordergrund stellen.
00:49:17: Da war aber lange Zeit – wenn man so will – die regierende Politik immer noch eine, die sich an der ökonomischen Logik des Standorts orientiert hat und nicht an der vermeintlich wissenschaftlich erwiesenen Logik das Klimawandel.
00:49:29: Das war ja alles nur völlig umstritten.
00:49:30: Und die Frage war wie können wir das alternativ machen?
00:49:33: Man hat zwar alternative Formen der Energie schon genutzt auch frühzeitig ... Nicht so eine Digäne, im Grunde genommen auf die Antike zurück.
00:49:40: Aber man hat es in den neunzehnten und neunziger Jahren damit ja bereits angefangen.
00:49:45: aber man war sich die ganze Zeit ein gewisserweise klar das kann das nicht substituieren ohne den Wirtschaftsstandort ernsthaft infrage zu stellen.
00:49:53: Und diese Debatte, die radikalisiert sich dann ja sehr stark.
00:49:56: Das geht mit Fukushima los und dann kommen die ganzen anderen Dinge?
00:49:59: Naja also das geht ja auch noch weiter.
00:50:01: darüber hinaus dass wir sagen jetzt wenn wir allein auf die Beziehung zu Russland schauen hinterher ist man immer schlauer Dann kommt die nächste Krise sozusagen der Gashand wird zugetreten.
00:50:11: was ich mich vor allen Dingen da frage ist Haben wir irgendwie eine Chance aus dieser Abhängigkeit rauszukommen Energieversorgung sicherstellen müssen aber trotzdem ja auch politisch handlungsfähig bleiben müssen.
00:50:24: Das ist das Dilemma, dass wir im Moment haben und es wird ja durch Sondervermögen oder Schulden versucht auszugleichen, dieses Land die Kosten, die es in der Transformation hat nicht mehr erwirtschaftet.
00:50:35: Und obwohl die Abgabenbelastungen also Steuern und Abgaben usw.
00:50:38: historisch hoch sind... reicht es nicht aus, um die Transformation zu finanzieren und um die entsprechende Produktivitätsschübe zu erreichen.
00:50:46: Und das heißt man lebt in gewisser Weise im Moment von der Hoffnung durch Schulden, die man jetzt macht den Zukunft profitieren zu können.
00:50:54: Das ist eine Wette auf die Zukunft über die kann ich als Wirtschaftshistoriker... Ich könnte jetzt vermuten Vermutungen äußern wie jeder Zeitgenuss er das tut.
00:51:01: Das will ich aber gar nicht machen!
00:51:04: Das ist das Problem.
00:51:04: vor dem Moment stehen dass wir letztlich einer ökonomische Dimension haben, nämlich wie können wir das finanzieren?
00:51:12: Und welche Folgen hat das in hohen Energiepreisen und anderen Auflagen für die Industrie in diesem Land.
00:51:20: Und dass die eine Seite und die andere Seite ist, wie weit kann der Staat dann noch handlungsfähig sein?
00:51:26: Wie weit ist es eigentlich möglich, dass ein Staat eine Wirtschaft so umstrukturiert, so weitgehend umstrukturiert, wie das im Moment ja vor oder geplant ist?
00:51:35: Wenn wir uns die Situation heute direkt anschauen, Krieg im Iran und in den Anreinerstaaten, die blockierte Straße von Hormus.
00:51:41: Ist das ein neunzehntreihensebzig Moment?
00:51:44: Ich glaube dass es heute sehr viel schwieriger und sehr viel gefährlicher.
00:51:47: seinerzeit haben sie gesagt, wir liefern an die USA und an die Niederlande nicht mehr und man hat wollte die direkt jetzt blockieren.
00:51:54: aber das war in dem Sinne keine massive Unterbrechung der Lieferketten durch militärische und andere Dinge.
00:52:00: jetzt erhofft alle Wölte rauf, dass die Auseinandersetzung da schnell vorbei ist.
00:52:04: Und das sich dann wieder normalisiert.
00:52:06: Das muss man sehen.
00:52:07: ich kann das nicht beurteilen.
00:52:08: aber von militärischen Dingen keine Ahnung würde es auch immer noch sagen zum Glück keine Ahnung.
00:52:14: Aber da sind die Implikationen natürlich ganz gewaltig.
00:52:16: Zumal eben der persische Golf-Nadelührer der Energieversorgung Für China, für Asien ist.
00:52:22: Korea leidet ja viel stärker unter dem was wir hier erlebt haben als das was in drei Jahren war.
00:52:30: Ganz abgesehen davon, dass der persische Golf oben also Kuwait und die Emirat und andere das dir ein ganz erheblicherweise wirklich vor Existenzproblemen stehen deren Dimensionen schwer zu kalkulieren sind.
00:52:42: Was für uns hier völlig klar ist es, dass in einer Phase der Transformation in der die Energiepreise oder weil hier die Politik so will ohnehin sehr hoch sind Man will eben halt die traditionellen Energien durch andere ersetzen und das geht eben nicht, wie man seinerzeit gesagt hat um den Preis einer Kugel Eisene.
00:52:58: Das ist richtig teuer!
00:53:00: Und dass in diesem Prozess das noch hinzukehren, dann nach hinein kommt... Dass also der deutsche Staat da gefordert ist und dass der deutsche staat aber gleichzeitig auch geforderd ist, die Transformation zu finanzieren, dass er gleichzeitig gefordered ist, faktisch die Ukraine im Krieg gegen Russland zu finanzieren.
00:53:16: Und das bei relativ niedrigen Produktivitäten zu wechseln bzw.
00:53:19: niedrige Wachstumsraten.
00:53:21: Das gibt dem Ganzen eine Dimension, die es in den Neunztalzebzehren nicht gehabt hat.
00:53:24: Wenn wir jetzt noch mal ganz zum Schluss drei Schritte zurückmachen und sagen Deutschland nach der Ölkrise, im Jahr seventy-vierundsebzig bis jetzt haben wir die richtigen Schlüsse aus der Ölkrise gezogen?
00:53:39: Ich würde sagen im Großen und Ganzen ja.
00:53:41: Im Großen Und Ganzen Ja.
00:53:42: man hat auf den Ebenen, auf denen man handlungsfähig war, ganz intelligent regiert.
00:53:46: das Wichtigste.
00:53:47: Das gibt es heute nicht mehr, war die Bundesbank.
00:53:50: Die konnte die Geldwertstabilität wirklich in den Forderungen stellen und dadurch die Folgen der Ölpreiserhöhung für die deutsche Außenwirtschaftsbilanz deutlich begrenzt halten.
00:54:01: Dadurch war die Bundesrepublik in einer viel komfortableren Lage, als etwa Italien oder Großbritannien zu der Zeit vor der Zahlung zum Fähigkeit stand.
00:54:09: Zweitepunkt war der, dass man die Bevölkerung dazu bringt, in diesen Dingen sensibler zu werden.
00:54:15: Das ist sie ohnehin, weil die meisten Menschen ja Budget restringiert sind.
00:54:18: Die geben, schmeiß dir Geld hier nicht zum Fenster raus.
00:54:20: Aber man konnte jetzt sagen, okay ich mach das, ich passe da ein bisschen mehr drauf auf... Die Industrie hat da reagiert, hat Autos mit geringerem Verbrauch gebaut und war damit ja auch sehr erfolgreich.
00:54:31: Die Amerikaner haben den Schuss viel zu spät gehört und lange Zeit die großen Benzinschleudern in der Welt gesetzt.
00:54:36: Das ist hier alles anders gewesen.
00:54:37: Diese Reaktion war ebenfalls da.
00:54:39: Und der dritte Weg war nach Alternativen zu suchen.
00:54:42: Man hat ja angefangen sich über alternative Energiequellen Gedanken zu machen.
00:54:45: Gibt es die?
00:54:46: Dann war klar dass man im Wesentlichen was die Strom erzeugend angeht bei der Atomenergie landen würde weil die seinerzeit eben als nationales Beherrschbares technisches Gut galt, damit können wir umgehen.
00:54:57: Das können wir bezahlen und das funktioniert.
00:54:59: Es hat ja auch in der Bundesrepublik bis zum Ende, bis zum Abschalten einigermaßen störungsfrei funktioniert.
00:55:05: also auf den drei Ebenen, auf denen man handeln konnte war man glaube ich in den siebziger Jahren alles in allem gesehen ganz erfolgreich.
00:55:13: dass es nach der Jahrtausend wenn er dann diesen starken Schub gibt das hat da damit zu tun dass man sich eben selber die Auswege, die man sehr gewählt hat verbaut hat.
00:55:23: Vor allen Dingen wollte man irgendwann ganz raus aus der Atomenergie, aus der Kohle sowieso und dann war die Alternative halt das Gas.
00:55:31: Man hat also im Grunde genommen weiter das gemacht was man in den siebzehn Jahren schon machte wenn die Atom nicht.
00:55:37: Die Alternativ ist gut an das preiswerturistische Gas Und diese Alternativen ist am jetzt verstopft Und dadurch steht man vor einem wirklich massiven Problem, zumal das worauf man sehr stark gesetzt hat.
00:55:48: Die alternativen Energien eben dass ein technisch nicht erfüllen können was man sich von ihnen erhofft sondern bei dunkel flautet es muss ich ja nicht gesagt betonen ist das eben eine sehr sehr fragile Geschichte und man braucht andere energieträger und da ist man in gewisser Weise jetzt gebunden.
00:56:05: Da kommen die anderen Punkte, über die wir gesprochen haben, hinzu.
00:56:07: Man ist gebunden und muss sehr viel Geld ausgeben und hat auf der anderen Seite die Folgen hoher Energiepreise, die einem eigentlich die Produktivität infrage stellen und damit die Einnahmemöglichkeiten auch begrenzen.
00:56:17: Also ich würde sagen noch mal zu Ihrer Frage zurück.
00:56:20: Seit den siebzig Jahren hat man eigentlich einigermaßen vernünftig und klug reagiert, hat sich aber seit den zweitausenden Jahren zunehmend in eine Art ökologischen Handlungszwang hineingebracht, der jetzt immer schwerer wird, ökonomisch zu bewältigen.
00:56:35: Vielen, vielen Dank.
00:56:35: Gerne!
00:56:42: Wenn man Werner Plumpe so zuhört wird klar wie immer alles mit allem zusammen hängt.
00:56:47: und ganz schnell sind wir bei den großen Fragen Wie handlungsfähig ist Politik überhaupt?
00:56:52: Ja und wie eng sind Energiepolitik, Schuldenstandortfragen Und internationale Konflikte miteinander verknüpft?
00:56:59: Bei mir bleibt vor allem aber Hängen das Vieles von dem was wir heute diskutieren einfach in den neunzehntetzeiger Jahren schon auftaucht.
00:57:05: An dieser Stelle wollen wir den Blick noch mal weiten, weg von den konkreten Jahren dreiundsiebzig und neunundsebzig hinzudem was bleibt.
00:57:12: Was haben diese Krisen im Denken von Politik- und Wirtschaft hinterlassen?
00:57:15: Und was heißt das für unseren Umgang mit Energiekrisen
00:57:18: heute?".
00:57:19: Darüber hat für uns Gerald Braunberger nachgedacht – Wirtschaftsaurausgeber bei der LVZ.
00:57:23: Er ordnet ein, was die Krisen über Abhängigkeit, Sicherheit und den Preis von Energie erzählen damals und heute.
00:57:32: Die Bundesrepublik Deutschland hat aus der Ölkrise von dreiundseitig eigentlich zwei große Schlussfolgerungen gezogen.
00:57:39: Das eine war, man wollte diversifizieren also die Abhängigkeit von den Lieferung vom Arabischen Golf reduzieren und war dafür auch bereit höhere Preise zu zahlen etwa durch den Bezug von britischem Öl oder später auch von norwegischem öl.
00:57:52: Man hat diese höheren Preise verstanden als einer Art Versicherungsprämie gegen geopolitische Risiken.
00:57:58: Man hat gleichzeitig dann auch beschlossen, strategisch Reserven anzulegen die ja bis heute existieren und überwiegend in Norddeutschland unter der Erde sich befinden.
00:58:08: Der Diversifizierungsgedanke hat eine Rolle gespielt gleichzeitig bei den sogenannten Röhrengeschäften mit der Sowjetunion als man anfing Gas aus der Sowjets Union zu beziehen und dafür die deutsche Industrie Röhre in die Sowjetunion verkaufte.
00:58:24: Damals hat man festgelegt oder waren sich Regierungen und Wirtschaft einig, dass das sowjetische Gas niemals mehr als zwanzig Prozent des gesamten Gases in der Bundesrepublik Deutschland ausmachen sollte.
00:58:34: Später ist man dann mal auf dreißig Prozent gegangen.
00:58:37: Es ist interessant zu sehen, dass wir später in unserer Energiepolitik speziell beim Gast und Russland das alles komplett vergessen haben.
00:58:46: Erstens, wir haben beim Gas keinerlei strategische Reserven.
00:58:49: Die Speicher über die wir seit Beginn des Ukrainienkrieges immer widersprechen sind nichts anderes als Puffer für den Ausgleich jahreszeitlicher Schwankungen aber es ist keine richtige Reserve.
00:59:00: und zum zweiten haben wir natürlich den Gedanken der Diversifizierung völlig vergessen indem wir in dem Jahr zwei tausend zwanzig zu fünffünfzig Prozent von russischem Gas abhängig waren.
00:59:10: das heißt alles was wir einmal gelernt hatten war weg Und im Grunde genommen haben wir einen Fehler wiederholt, den wir bis neunzeitreihen siebzig schon einmal gemacht haben.
00:59:20: Die Ölkeris des Jahres neunzerteinundseizig hat damals der Bevölkerung zum ersten Mal das Gefühl einer Verwundbarkeit gegeben und zwar eine Verwunderbarkeit was dem wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik betrifft.
00:59:32: Wenn wir versuchen ein Vergleich zu heute zu ziehen würde ich etwas unfreundlich gegen die heutigen Zeit sagen.
00:59:40: Ich glaube heute sind viele Menschen weinerlicher und auch pessimistischer als damals.
00:59:45: Es gab früher ein größeres Grundvertrauen in die Politik des Staates, wobei die konkrete Parteipolitik natürlich sehr umstritten war.
00:59:53: Wir haben also gerade in den Siebzigerjahren ganz harte Diskussionen gehabt zwischen der Union, die in der Opposition war und der sozialüberalen Regierung aber es gab ein gewisses Grundvertrauen das man diese Probleme lösen kann.
01:00:07: Man muss natürlich sehen dass viele erwachsene Menschen im Jahr neuzertreien siebzig den Krieg erlebt hatten Und die hat natürlich ganz andere Erfahrungen als die Menschen heute, die eine seventy-fünfjährige Friedenszeit hinter sich haben.
01:00:21: Insofern hat man das damals als eine große Herausforderung gesehen, die man bewältigen musste und die hat man gemeinsam bewältigt übrigens auch mit internationalen Partnern bewältigte.
01:00:30: Da hat man die Lehrende herausgezogen, hat die richtigen Lehren gezogen und hat weitergemacht.
01:00:37: Ich glaube heute ist das Vertrauen auch geringer dass diese Probleme gelöst werden.
01:00:42: Ich glaube, die Menschen halten auch weniger aus als damals, wenn ich das mal so sagen darf.
01:00:49: Und damit sind wir ja schon bei unserem Fazit.
01:00:52: Was bleibt von diesen Krisen, wenn man sie nicht nur als historische Ereignisse sondern als Teil einer längeren Geschichte denkt?
01:00:59: Wenn man auf die Siebzigerjahre zurückschaut dann sieht man zuerst den Schock lange Schlangen an den Tankstellen autofreie Sonntage steigende Preise.
01:01:06: aber dahinter steckt etwas größeres.
01:01:09: Die Bundesrepublik merkt wie abhängig ihr Wohlstand von einer Ressource ist, die sich selbst nicht kontrolliert und wie schnell internationale Konflikte die eigene Stabilität ins Fanken bringen können.
01:01:18: Und die Politik reagiert mit einem doppelten Reflex, den wir auch heute kennen.
01:01:22: Nach innen versucht sie, den Alltag erträglich zu halten – mit Sparabhälen, Hilfeprogrammen.
01:01:28: nach außen baut sich natürlich auf ihre Netzwerke, auf Institutionen und auch alle möglichen Lieferbeziehungen und im Idealfall natürlich auch auf Neue!
01:01:38: Unsere Ausgangsthese war ja, hat die Ölkrise Politik und Wirtschaft in Deutschland so eng verschweißt dass wir bis heute anders reagieren wenn Energie knapp wird.
01:01:46: Werner Plumpe sagt ja – Die enge Umarmung der Wirtschaftswunderjahre löst sich eher und der Staat emanzipiert sich lässt mehr Markt zu und gleichzeitig bleibt gerade der Energiesektor eben ein Feld in dem Politik- und Wirtschafteinander auf jeden Fall nicht loswerden.
01:02:00: Ja und die Krisen selbst verschwinden nie ganz!
01:02:02: Neunzehnunddreiundsiebzig zeigt wie verletzlich das Modell billiger fossiler Energie ist Und neunundsebzig zeigt, wie schnell politische Instabilität in Förderländern auf den Weltmarkt durchschlägt.
01:02:13: Später heißen die Stichworte dann Nordsee-Öl, Atomkraft, russisches Gas, Energiewende... Aber die Grundfrage bleibt – Wie viel Abhängigkeit sind wir bereit zu tragen?
01:02:23: Ja und letzten Nennens geben die Ölkrisen der Seventierjahre darauf auch keine leicht zugreifen Antworten.
01:02:28: aber sie erzählen schon eine Geschichte, die bis heute reicht.
01:02:32: eben Energie ist Keine Selbstverständlichkeit, man sagt ja immer so leicht der Strom kommt aus der Steckdose.
01:02:38: Sondern es ist auch immer eine Machtfrage und wer eben Politik macht ohne diese Machtfrage mitzudenken wird von der nächsten Krise auf jeden Fall daran erinnert.
01:02:49: Was denken Sie?
01:02:50: Wie sollte unsere Gesellschaft heute mit Energieabhängigkeiten umgehen Und mit der Frage welchen Preis wir für Versorgungssicherheit zu zahlen bereit sind.
01:02:57: Schreiben Sie uns gerne an podcast.atfz.de oder schicken sie eine Sprachnachricht an das Podcast hin, die NullandSiebenZwo, SiebenSiebenAchtZwoDreiAchtVier
01:03:06: Und wenn Sie eine Frage an Herrn Plumpe haben schreiben Sie uns die auch gerne.
01:03:10: wir geben sie in unserer Q&A auf jeden Fall gern an ihn weiter.
01:03:14: Die gibt es aber nicht.
01:03:15: wie gewohnt nächste Woche.
01:03:17: Wir machen nämlich ein bisschen Oster-Fan Ich hoffe sie auch und senden dann wieder am sechzehnten April.
01:03:24: Uns bleibt noch Danke zu sagen für die Mitarbeit an dieser Folge.
01:03:27: Marie Löwenstein, Roberta Löhndorf und David Broklacher.
01:03:30: Mein Name ist Christine Brunsel
01:03:32: Und ich bin Michael Götz.
01:03:33: Wir verabschieden uns bis zum nächsten Mal auf Wiederhören
01:03:36: Ciao.
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